{"id":1004,"date":"2018-07-09T14:01:28","date_gmt":"2018-07-09T12:01:28","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1004"},"modified":"2018-07-09T14:02:11","modified_gmt":"2018-07-09T12:02:11","slug":"1004","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1004","title":{"rendered":"\u201eIrgendwie die Welt ver\u00e4ndern\u201c (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Beitrag von <strong>Lisa Rosenbaum<\/strong>, Abiturientin der Fichtenberg-Oberschule des Jahrgangs 2015.<\/em> <a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=998\"><em>Teil 1 finden Sie hier.<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zwischenbemerkung der Autorin: Ich m\u00f6chte an dieser Stelle ausdr\u00fccklich darauf hinweisen, dass alle hier geschilderten Erfahrungen und Einsch\u00e4tzungen lediglich meine Ansicht wiedergeben. Sie sollen weder ein zu befolgendes Beispiel noch eine abschreckende Darstellung sein. Jeder junge Mensch muss seine ganz eigenen Erfahrungen sammeln und individuelle Schl\u00fcsse daraus ziehen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich verbrachte einige Wochen in Berlin und stieg dann erneut in einen Flieger, um in Mexiko den \u201eTag der Toten\u201c miterleben zu k\u00f6nnen. Angekommen in Canc\u00fan zog ich nach wenigen Strandtagen nach Tulum und Valladolid weiter. Dort besuchte ich Cenoten, die mich bis heute durch ihre nat\u00fcrliche Sch\u00f6nheit ber\u00fchren. Cenoten sind Kalksteinh\u00f6hlen, die durch den Einsturz der H\u00f6hlendecke entstanden und mit S\u00fc\u00dfwasser gef\u00fcllt sind. Eine Erkundung der Maya-Ruine Chich\u00e9n Itz\u00e1 durfte nicht <a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC03747.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1008 alignright\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC03747-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC03747-300x225.jpg 300w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC03747-768x576.jpg 768w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC03747.jpg 1024w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC03747-816x612.jpg 816w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>fehlen und bot viele interessante Fakten \u00fcber die antiken Kulturen in Mexiko. Zum D\u00eda de los Muertos am 1. November flog ich dann nach Mexico City. Nachhaltig hat mich dort die gesamte Geschichte der Christianisierung ber\u00fchrt und wie die Indigenen sich dagegen gewehrt haben und teilweise neue synkretistische Elemente mit in die Religion eingingen.\u00a0 Der Tag der Toten ist ein Konglomerat aus indigener Religion und katholischen Vorstellungen der Missionare, der weltweit f\u00fcr Faszination und Interesse sorgt. Den tats\u00e4chlichen Feiertag durfte ich mit einem Mexikaner verbringen, den ich in Canc\u00fan kennengelernt hatte. Mit dem Miterleben vor Ort habe ich mir einen langen Traum erf\u00fcllt und bin bis heute von der gesamten mexikanischen Totenkultur fasziniert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch meine Reise habe ich so viel Neues kennenlernen d\u00fcrfen: Dass Obdachlose in Tokio sich niemals mit Schuhen auf eine Bank zum Schlafen legen; dass es in Tokio kaum \u00f6ffentliche M\u00fclleimer gibt, weil es in den 1990er Jahren verheerende <a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2155.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1009\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2155-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2155-225x300.jpg 225w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/IMG_2155.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Nervengas-Terrorakte gab; dass Kaffee in Vietnam fast zu gleichen Teilen aus Kaffee und Kondensmilch besteht; dass Batik eigentlich bedeutet, Muster vor der F\u00e4rbung mit Wachs auf Textilien zu malen; dass ich eine \u00f6ffentliche Leichnamsverbrennung in einem Tempel in Laos miterlebte, w\u00e4hrend mir mein geliehenes Fahrrad geklaut wurde und mir dann zwei belgische Zahn\u00e4rzte zur Seite standen; dass in Laos aus dem Stahl von amerikanischen Blindg\u00e4ngern aus dem Vietnamkrieg Armreifen gefertigt werden; dass in Mexiko in katholischen Kirchen lange Zeit die urspr\u00fcnglichen indigenen G\u00f6tter angebetet wurden und dass es m\u00f6glich ist, spontan ein von einem Clown moderiertes Stra\u00dfen-Dancebattle in Mexico City zu gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Allgemeinen habe ich mir keinen einzigen Reisef\u00fchrer gekauft, sondern bin Empfehlungen von Einheimischen und anderen Reisenden gefolgt. Stets habe ich versucht, so viele Museen wie m\u00f6glich zu besuchen und mich so viel wie m\u00f6glich an die vor Ort herrschenden Lebensweisen anzupassen. R\u00fcckblickend muss ich jedoch sagen, dass das Reisen sehr anstrengend war. Es waren viele Eindr\u00fccke in sehr kurzer Zeit und ich habe es untersch\u00e4tzt, dass alles auch verarbeitet werden muss. Ich habe es keine einzige Sekunde bereut, die Teilwelterkundung k\u00fcrzer gestaltet zu haben als eingangs angedacht. Trotz dessen m\u00f6chte ich meine Erlebnisse, die ich sammeln konnte, keinesfalls missen. Doch sei auch zu betonen, dass durch die achtw\u00f6chige Reise einige tausend Euro den*die Besitzer*in wechselten und mein \u00f6kologischer Fu\u00dfabdruck durch all die Flugreisen nun einem Riesen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">R\u00fcckblickend bezweifle ich, dass ich mich nochmals f\u00fcr eine derartige Reise entscheiden w\u00fcrde. Ich f\u00fchlte mich durch mein gesamtes Umfeld (Familie, Bekannte, Medien) unter Druck gesetzt, nun endlich einmal Auslandserfahrungen zu sammeln. Und so stand ich mit 18 Jahren auf einem v\u00f6llig anderen Kontinent und musste sehr schnell realisieren, dass ich mit meiner Reise keinesfalls \u201eirgendwie die Welt retten\u201c w\u00fcrde. Vielmehr war das Reisen etwas, von dem nur ich profitieren w\u00fcrde. Ich konnte jederzeit entscheiden, wieder zur\u00fcckzukehren nach Deutschland und die Menschen ihrem dortigen Schicksal zu \u00fcberlassen. Nat\u00fcrlich bringt man als Tourist*in Geld mit, doch auch Anspr\u00fcche, das physische Selbst sowie Erwartungen von den Zuhause-Gebliebenen. Bilder beispielsweise macht man doch eigentlich nur f\u00fcr andere und selten f\u00fcr sich selbst. Hinzu kommt, dass man das hart ersparte Geld aus dem Einmachglas gar nicht so gern aus der Hand geben m\u00f6chte. Wie viel n\u00fctzt es also wirklich den Menschen vor Ort?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein gutes halbes Jahr nach meinem Abitur fand ich mich im Anschluss an meine kleine Rundreise in Berlin wieder. Ich suchte mir mit einer damaligen Arbeitskollegin meine erste eigene Wohnung und beschloss ziemlich zeitnah, dass die Vollzeitarbeit, die ich hatte, nichts war, dass ich die n\u00e4chsten 10 Monate weiter machen wollte. Ein Start des Studiums zum n\u00e4chsten Wintersemester lag so weit in der Ferne, dass ich mich \u00fcber Alternativen schlau machte. Ich landete bei einer sehr netten und kompetenten Beraterin der Arbeitsagentur, die mir nahelegte, den Blick von den Universit\u00e4ten zu den Hochschulen zu lenken. Durch einschl\u00e4gige Erfahrungen auf meiner Reise und Vorgedanken im Leistungskurs Sozialwissenschaften wollte ich ein Studium der Wirtschaftswissenschaften anstreben. Besonders die Volkswirtschaftslehre reizte mich, da sie sich mit den gro\u00dfen Zusammenh\u00e4ngen unserer globalisierten Wirtschaft besch\u00e4ftigt. Zu meinem \u00dcberraschen und Wohlwollen bot die Hochschule f\u00fcr Wirtschaft und Recht Berlin ein Beginn des Studiums zum Sommersemester an. So kam es, dass ich alles auf eine Karte setzte und mich lediglich f\u00fcr \u201eEconomics\u201c dort bewarb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine damalige Entscheidung war die richtige! Ich wurde angenommen und konnte zum Sommersemester mein VWL-Studium aufnehmen. Den gr\u00f6\u00dften Unterschied zwischen Universit\u00e4t und Hochschule bemerkt man bereits in den Vorlesungen: ein Audimax mit circa 700 Leuten gegen einen Seminarraum mit circa 40 Studierenden. Das, was an der Uni aufgeteilt ist in Vorlesung und Seminar, ist bei uns eine vierst\u00fcndige Veranstaltung, in der mit dem*der Professor*in \u00dcbungen bearbeitet werden. Generell ist der Kontakt zu den Lehrpersonen wesentlich einfacher herzustellen und von beiden Seiten gern wahrgenommen. Eine weitere, bedeutende Abweichung von der Universit\u00e4t ist, dass wir ein fest eingeplantes Praxissemester haben. Darin wird ein halbj\u00e4hriges Vollzeitpraktikum absolviert, das die \u201eangewandte Wissenschaft\u201c verk\u00f6rpern soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich selbst stehe kurz vor meinem Praxissemester und blicke auf f\u00fcnf spannende Semester zur\u00fcck, in denen meine Faszination f\u00fcr dieses Themengebiet stetig zugenommen hat. Mir ist bewusst, dass es absolut nicht der Ma\u00dfstab ist, bei seiner ersten Wahl schon gleich einen Volltreffer zu landen. Doch f\u00fcr meinen Fall gesprochen, h\u00e4tte es keinen besseren Weg geben k\u00f6nnen. Es ist unheimlich wichtig, sich seiner eigenen Interessen klar zu sein und diese als Orientierung zu nehmen. Keine Person kennt einen so gut, wie man selbst und deshalb kann keine*r bessere Entscheidungen treffen als man selbst. Das, was einen durch Studium\/Lehre\/Ausbildung treibt, sind nicht die W\u00fcnsche anderer, sondern die eigenen Vorlieben und Interessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kann ich an dieser Stelle nur empfehlen, auf das eigene Herz zu h\u00f6ren und sich freizumachen, von \u00c4ngsten und Erwartungen anderer Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Lisa Rosenbaum, Abiturientin der Fichtenberg-Oberschule des Jahrgangs 2015. Teil 1 finden Sie hier. Zwischenbemerkung der Autorin: Ich m\u00f6chte an dieser Stelle ausdr\u00fccklich darauf hinweisen, dass alle hier geschilderten Erfahrungen und Einsch\u00e4tzungen lediglich meine Ansicht wiedergeben. Sie sollen weder ein zu befolgendes Beispiel noch eine abschreckende Darstellung sein. 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