{"id":1078,"date":"2018-10-23T23:43:16","date_gmt":"2018-10-23T21:43:16","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1078"},"modified":"2018-10-23T23:43:16","modified_gmt":"2018-10-23T21:43:16","slug":"sor-projekttag-2018-thema-diskriminierung-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1078","title":{"rendered":"SoR-Projekttag 2018 &#8211; Thema \u201eDiskriminierung\u201c (III)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Hier findet ihr <a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1070\">Teil 1 (Vorwort von Frau Seeboth und Bericht der 9b)<\/a> und <a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1074\">Teil 2 (Bericht des LK SW Q2)<\/a> des R\u00fcckblicks.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bericht des LK PW Q2 &#8211;\u00a0 \u201eArgumentationstraining gegen rechte Parolen\u201c vom\u00a0 Verein \u201eGegen Vergessen f\u00fcr Demokratie e.V.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits zu Beginn des Trainings war es n\u00f6tig die Erwartungen an das Folgende zu modifizieren, denn das zweik\u00f6pfige Trainer*innenteam teilte uns mit, dass es sich keineswegs nur um Strategien zum Umgang mit rechten Parolen handle, sondern generell um das Verhalten bei erlebter Diskriminierung. Nat\u00fcrlich schlie\u00dfen sich beide, der Name und der Inhalt, nicht kategorisch aus, dennoch erwartet man bei einer Spezifizierung auf rechte Parolen einen klar definierten Rahmen, der sich besonders dadurch auszeichnet, dass die typische Vorgehensweisen auf h\u00e4ufig auftretende Parolen explizit besprochen und analysiert werden &#8211; kurz es wird erwartet, dass mehr auf die T\u00e4ter*innen eingegangen wird. Das ist bei diesem Workshop\/ Training aber nicht der Fall gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stattdessen lag die Fokussierung viel st\u00e4rker auf dem selbstst\u00e4ndigen Ausprobieren von Gespr\u00e4chsstrategien, die nicht im besonderen Ma\u00dfe auf Interaktionen mit dem rechten Spektrum ausgerichtet waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie vermutlich jedes Training, das sich in einem vergleichbaren zeitlichen Umfang (von 8:30- 14:00) abspielen soll, starteten wir mit einem Aufw\u00e4rmspiel, das noch nicht direkt mit dem Thema in Verbindung stand. Danach hingegen sollte es dann richtig losgehen, davor jedoch gab es eine, f\u00fcr diesen Tag wirklich sehr bezeichnende Chance zur Partizipation. Die beiden Trainer*innen wollten h\u00f6ren, was wir uns versprachen und was f\u00fcr uns wichtig w\u00e4re, um in einem R\u00fcckblick den Tag als erfolgreich bezeichnen zu k\u00f6nnen. Spa\u00df und Freude waren ebenso Ergebnisse dieser kleinen Umfrage wie das Kennenlernen unterschiedlicher Perspektiven zum Thema Diskriminierung, d.h. Motive und Strategien aller Akteur*innen besser zu verstehen; oder der Wunsch am Ende das Gef\u00fchl zu haben, vorbereitet zu sein, sowohl argumentativ als auch darin, Menschen zu erreichen. Auch wenn dies ein Zeichen f\u00fcr eine offene Atmosph\u00e4re ist, in der alle ein wenig ihre Bed\u00fcrfnisse \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen, muss deutlich gemacht werden, dass das Programm nat\u00fcrlich feststeht bzw. feststand und nicht mehr gro\u00dfartig angepasst wird\/wurde. Das erfuhr ich im Abgleich mit der Parallelgruppe, die denselben Trainingsplan mit identischem Inhalt hatte. Dennoch muss der Ansatz hervorgehoben werden, dass unsere Einsch\u00e4tzungen und Beobachtungen stets wichtiger Bestandteil des Tages waren. Damit ist f\u00fcr engagierte Gruppen der Weg frei f\u00fcr produktives <strong>Mitarbeiten<\/strong> und selbstst\u00e4ndiges <strong>Erfahren<\/strong>. Andersherum gab es aber auch Input, der immer erg\u00e4nzend vermittelt wurde. Alles fand auf sehr respektvoller und wertsch\u00e4tzender Ebene statt, es war immer \u00a0freundlich und es wurde wert darauf gelegt, dass Personen, die sich unwohl f\u00fchlen, jederzeit Ausstiegsm\u00f6glichkeiten haben. Auch mit Lob wurde nicht gespart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als wir dann also unsere Hoffnungen kundgetan hatten, kamen wir zum Inhalt. Wie bei eigentlich jedem \u201eThemenblock\u201c in diesem Projekt, wurde mit einer Art Rollenspiel das Thema nahegebracht und veranschaulicht. Es ging zun\u00e4chst um die Definition von Diskriminierung und daf\u00fcr wurde \u201eWer bin ich\u201c zu einem Versuch, uns allen physiognomische Eigenschaften, Berufe oder demographische Zugeh\u00f6rigkeiten auf die Stirn zu kleben und dann auf die der anderen zu reagieren. Etwas unklar war dabei f\u00fcr mich, ob man sich authentisch verhalten soll oder so wie es diskriminierend w\u00e4re, wenn sich das nicht \u00fcberschneidet. Ersteres w\u00e4re f\u00fcr mich problematisch, da alle dann nur versuchen w\u00fcrden, sich so offen wie m\u00f6glich zu verhalten und dann das Spiel wirkungslos bliebe, da Diskriminierung so nicht erfahrbar w\u00fcrde. Im Anschluss an das Spiel wurde gefragt, ob wir uns denn bei unseren \u201eErlebnissen\u201c unwohl gef\u00fchlt und daraufhin auch ein anderes Verhalten gezeigt h\u00e4tten. \u00a0Die Resonanz war gemischt, dennoch waren einige R\u00fcckmeldungen so, wie es in einem verkleinerten Modell logisch scheint &#8211; gro\u00df war der Effekt ob der K\u00fcrze und des Bewusstseins f\u00fcr den spielerischen Rahmen nicht. Aber eine bestimmte Empathie war f\u00fcr mich gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bereits geschildert wurde gestellte Praxis mit Theorie kombiniert. In diesem Fall bedeutete dies eine Vorstellung eines dreischrittlichen Wegs zum Vorurteil, der aus einer Wahrnehmung besteht, die zur Orientierung dient und dann kategorisiert wird. Daraus erw\u00fcchsen dann Gruppenbildungen und schlussendlich die Vorurteile und Zuschreibungen, mit dem Zweck der Bewertung von Gruppen. Als besonderes Motiv daf\u00fcr machten die Trainer*innen die Legitimation der eigenen Privilegien und Interessensbefriedigungen aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anschluss wurde weitergespielt. Bei diesem \u201eSpiel\u201c gab es die M\u00f6glichkeit sich zu \u201eja\u201c oder \u201enein\u201c zu stellen und damit die drei verlesenen S\u00e4tze auf ihren Diskriminierungsgehalt zu pr\u00fcfen. Daraufhin ergab sich eine kleine, geplante, Diskussion dar\u00fcber, was denn nun Diskriminierung sei. \u00a0Dann war es aber an der Zeit zum Projektschwerpunkt zu kommen, der dann auch wirklich wie ein Schwerpunkt bearbeitet wurde. Zum Herantasten hat eine Person mit einer Trainerin ein Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt, in der die Trainerin klar diskriminierende \u00c4u\u00dferungen von sich gab. Auf diese sollte dann reagiert werden. Diese ersten Versuche waren frei, dann sollte aber Systematik durch eine Strategietafel hineingebracht werden, die m\u00f6gliche Strategien innerhalb des Gespr\u00e4ches aufzeigte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Grundlage wurden wir mit drei Theorien bekannt gemacht. Das Eisbergmodell sollte uns verdeutlichen, dass hinter dem Verhalten der Menschen, Gef\u00fchle, Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche in dieser Reihenfolge als Triebkr\u00e4fte stecken. Daraus folgte die Erkenntnis, dass das Eingehen auf den Menschen als Individuum mit seinen Eigenschaften, die \u201eunter der Meeresoberfl\u00e4che unsichtbar scheinen\u201c, wichtig ist, da diese zu l\u00f6sen viel entscheidender sein kann als das, ebenfalls relevante, Aufzeigen von logischen Fehlschl\u00fcssen. Als Methode, dieses Eisbergmodell anzuwenden, wurde uns das \u201eaktive Zuh\u00f6ren\u201c, bestehend aus den drei Komponenten <em>nachfragen, wiedergeben, spiegeln<\/em>, nahegebracht. Hiermit solle es m\u00f6glich sein, den Menschen tiefgreifend zu erreichen. Als generelles Prinzip zur Verhinderung \u00a0von negativen Emotionen, die die Diskussionen hemmen k\u00f6nnten, wurden \u201eIch-Botschaften\u201c eingef\u00fchrt. Ein Comic, der eine Diskriminierung enthielt, sollte der Gegenstand der \u00dcbung sein. Wir sollten alle Prinzipien anwenden, das Eisbergprinzip dabei auf uns als Reakteur*in und den im Comic skizzierten Ausf\u00fchrenden der Diskriminierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Abschluss \u00a0wurde noch einmal gespielt. Zun\u00e4chst sollten Dreiergruppen eine kurze Szene auff\u00fchren, in der eine Person durch eine der Gruppe zugeteilten Strategie versuchen sollte, gegen die Anfeindung vorzugehen. Zum Abschluss gab es dann noch ein \u201eBusszenario\u201c in dem eigentlich dasselbe aber ohne Vorgabe stattfand. Zwar ist es sch\u00f6n, so viel ge\u00fcbt zu haben, dennoch finde ich den Modus des Lernens nicht unstrittig, erfordert er doch hohe Partizipationsbereitschaft. Darum sagte ich zu Beginn auch, dass engagierte Gruppen mehr profitieren w\u00fcrden als solche, die nicht volles Interesse zeigen oder weniger mutig sind. F\u00fcr diese ist eine solche Arbeitsform vermutlich kaum hilfreich. So wei\u00df ich nicht, ob man, falls man gar nicht mitmacht, \u00fcberhaupt etwas mitnehmen kann. Au\u00dferdem muss ich ehrlich sagen, dass ich den Bezug zur Diskriminierung zwar herstellen kann, der Kurs aber auch als Konfliktl\u00f6sungsworkshop gelten k\u00f6nnte, wenn die Beispiele modifiziert w\u00fcrden, womit ich beim n\u00e4chsten Kritikpunkt w\u00e4re. Beispiele und, hier wiederhole ich mich, Bez\u00fcge zu T\u00e4ter*innenschaft und T\u00e4ter*innenstrategien wurden nicht nur vernachl\u00e4ssigt, sondern au\u00dfen vor gelassen. Mich hat dies entt\u00e4uscht.\u00a0 Aber vor allem, auch wenn sich unsere Strategietafel doch am Ende erfolgreich liest, stimmt es ein wenig unzufrieden, dass dadurch, dass alle Beispiele in den Spielen selbst erdacht werden mussten, \u00a0viel Zeit in das Erdenken von Diskriminierung floss und die Trainer*innen sich nicht darauf einstellen konnten. Aus meiner Sicht mindert das die Qualit\u00e4t ihrer Analyse sp\u00fcrbar. Dennoch ein positiver Projekttag, dessen Ergebnisse sich nun hoffentlich festsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier findet ihr Teil 1 (Vorwort von Frau Seeboth und Bericht der 9b) und Teil 2 (Bericht des LK SW Q2) des R\u00fcckblicks. 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