{"id":1094,"date":"2018-12-13T20:45:25","date_gmt":"2018-12-13T19:45:25","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1094"},"modified":"2019-04-04T15:18:44","modified_gmt":"2019-04-04T13:18:44","slug":"versprich-mir-dass-du-am-leben-bleibst-ein-juedisches-schicksal-von-isaak-behar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1094","title":{"rendered":"&#8222;Versprich mir, dass du am Leben bleibst&#8220; &#8211; ein j\u00fcdisches Schicksal (von Isaak Behar)"},"content":{"rendered":"\r\n<p><em>Eine Rezension von <strong>Melina Charokopaki<\/strong> (Q3).<\/em><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Cover-gro\u00df.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1100 alignleft\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Cover-gro\u00df-223x300.jpg\" alt=\"\" width=\"223\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Cover-gro\u00df-223x300.jpg 223w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Cover-gro\u00df.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 223px) 100vw, 223px\" \/><\/a>Berichte von und \u00fcber Juden im Nationalsozialismus gibt es einige &#8211; und doch ist keiner wie der andere. Mit keiner gro\u00dfen Erwartungshaltung ging ich an &#8222;Versprich mir, dass du am Leben bleibst&#8220; heran und wurde positiv \u00fcberrascht. Der autobiografische Roman von Isaak Behar handelt von einem solchen j\u00fcdischen Schicksal. Behar selbst erz\u00e4hlt die Geschichte seiner gl\u00fccklichen Kindheit und seines weiteren Lebens als illegaler Jude in Berlin, nachdem seine Eltern und beide Schwestern 1942 deportiert wurden. Von da an schl\u00e4gt er sich allein durch und schafft es &#8211; dank einer gro\u00dfen Portion Gl\u00fcck und vielen wohlwollenden Helfer*innen &#8211; die Kriegsjahre zu \u00fcberleben.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman ist in 14 Kapitel unterteilt, die alle mit Namen wie &#8222;Inge&#8220;, &#8222;Hans&#8220; und &#8222;Betty&#8220; betitelt sind. Diese Namen stehen f\u00fcr wichtige Menschen, die ihm geholfen haben, oder Phasen in Isaaks Leben. Besonders auff\u00e4llig ist dabei, dass sowohl das erste, als auch das letzte Kapitel mit &#8222;Isaak&#8220; betitelt sind. Dies hat vermutlich den Grund, dass der Autor von seiner Identit\u00e4t ausgeht, diese jedoch im Laufe der Geschichte oft verheimlichen oder \u00e4ndern muss, um zu \u00fcberleben. Schlie\u00dflich, einige Namens\u00e4nderungen sp\u00e4ter, kann er jedoch endlich zu sich selbst zur\u00fcckfinden und seine wahre Identit\u00e4t anerkennen.\u00a0Dieser strukturelle Zusammenhang l\u00e4sst das Buch beim Lesen besonders rund wirken und hinterl\u00e4sst den*die Leser*innen mit einem zufriedenstellenden Gef\u00fchl.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bez\u00fcglich des Schreibstils l\u00e4sst sich sagen, dass sich das Buch sehr leicht und schnell lesen l\u00e4sst, ohne den Inhalt zu verharmlosen. Zu Anfang hegte ich die Bef\u00fcrchtung, ein Stoff \u00fcber das schwere Thema des Nationalsozialismus k\u00f6nnte z\u00e4h und m\u00fchsam zu lesen sein, doch es stellt sich heraus, dass das Gegenteil der Fall ist. Man kann sich den Autor durch den Schreibstil gut vorstellen und sich in ihn hineinversetzen, was in Anbetracht der Tatsache, dass das Buch s\u00e4mtliche Altersstufen umfasst, eine beachtliche Leistung ist. Sowohl den Berichten \u00fcber das Kindesalter, als auch aus dem Erwachsenenleben Behars, konnte man gut folgen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Dennoch werden die Auswirkungen der Zeit deutlich und manbekommt durch die Augen des Autors zahlreiche geschichtliche Ereignisse mit. Dabei f\u00fchlt es sich jedoch nicht wie die Lekt\u00fcre eines Geschichtsbuches an, sondern vielmehr als lausche man den Erz\u00e4hlungen eines Freundes, oder erlebe es gar selbst. Die Atmosph\u00e4re Berlins zu Kriegszeiten wirkt sehr authentisch und durch Details, wie die Verwendung von Begriffen wie &#8222;G\u00f6bbelsschnauze&#8220; wirkt das ganze sehr lebendig.\u00a0<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es besteht kein Zweifel, dass die Ereignisse geschichtlich korrekt geschildert werden und da es sich um eine Autobiografie handelt, beinhaltet die Geschichte keinerlei fiktive Elemente. Dennoch ist zu ber\u00fccksichtigen, dass es eine subjektive Erz\u00e4hlung aus den Augen eines 19-J\u00e4hrigen ist. Auf den letzten Seiten des Romans kommt allerdings der Autor in seinem gegenw\u00e4rtigen Zustand zu Wort und erz\u00e4hlt, weshalb er seine Geschichte immer wieder aufrollt und mit anderen teilt. Dabei erkl\u00e4rt er, es sei f\u00fcr ihn von Bedeutung, an die Geschehnisse zu erinnern und die Verstorbenen, insbesondere seine Familie, zu w\u00fcrdigen. Das finde ich besonders gelungen, da er noch mal reflektiert und an den Aspekt der Geschichtskultur erinnert, den man bei einem so locker erz\u00e4hlten Roman leicht vergisst. Au\u00dferdem sollte nicht vergessen werden, dass Isaak Behar im Vergleich zu anderen Juden*J\u00fcdinnen mit einem vergleichsweise milden Schicksal gesegnet ist, obgleich das Leben als &#8222;U-Boot&#8220; nat\u00fcrlich nicht zu untersch\u00e4tzen ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch kann ich abschlie\u00dfend sagen, dass es sich um eine gut erz\u00e4hlte Geschichte handelt, die einem dieses schwierige geschichtliche Thema verst\u00e4ndlich nahebringt und eine*n zum denken anregt, ohne zu schwerf\u00e4llig zu sein. Durch Isaak Behars Apell am Ende geht auch der geschichtskulturelle Aspekt nicht unter und verleiht dem Roman einen runden Abschluss. &#8222;Versprich mir, dass du am Leben bleibst&#8220; ist also durchaus weiterzuempfehlen!<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Rezension von Melina Charokopaki (Q3). Berichte von und \u00fcber Juden im Nationalsozialismus gibt es einige &#8211; und doch ist keiner wie der andere. Mit keiner gro\u00dfen Erwartungshaltung ging ich an &#8222;Versprich mir, dass du am Leben bleibst&#8220; heran und wurde positiv \u00fcberrascht. Der autobiografische Roman von Isaak Behar handelt von einem solchen j\u00fcdischen Schicksal. 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