{"id":1104,"date":"2018-12-13T21:14:21","date_gmt":"2018-12-13T20:14:21","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1104"},"modified":"2019-04-04T15:19:27","modified_gmt":"2019-04-04T13:19:27","slug":"blutsbrueder-von-ernst-haffner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1104","title":{"rendered":"\u201eBlutsbr\u00fcder\u201c (von Ernst Haffner)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\" align=\"CENTER\"><em>Eine <strong>anonyme<\/strong> Rezension zum Buch:<\/em><br \/>\nErnst Haffner: Blutsbr\u00fcder-Ein Berliner Cliquenroman. Metrolit, 2013.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/140.-metblutsbrueder-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1106\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/140.-metblutsbrueder-1-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/140.-metblutsbrueder-1-195x300.jpg 195w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/140.-metblutsbrueder-1.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a>Der Roman \u201eBlutsbr\u00fcder &#8211; Ein Berliner Cliquenroman\u201c geschrieben von Ernst Haffner erschien urspr\u00fcnglich 1932 unter dem Titel \u201eJugend auf der Landstra\u00dfe Berlin\u201c im Verlag von Bruno Cassirer, wurde aber 1933 von Nationalsozialisten verboten und bei den B\u00fccherverbrennungen verbrannt. 2013 wurde das Buch unter einem neuen Titel erneut aufgelegt und erschien im Metrolit-Verlag.<br \/>\nErnst Haffner lebte zwischen 1925 und 1933 in Berlin, durch seine Arbeit als Journalist und Sozialarbeiter gelingt es ihm am Beispiel der Blutsbr\u00fcder\u2013Clique das Leben von obdachlosen Jugendlichen in Berlin am Anfang der 1930er realistisch zu beschreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\">Die Blutsbr\u00fcder sind eine von vielen selbstorganisierten Cliquen in Berlin und bestehen aus acht Jugendlichen im Alter von 16 bis 19 Jahren. Jonny ist 21 und gilt als ihr Anf\u00fchrer. Die Blutsbr\u00fcder sind entweder Waisen oder aus F\u00fcrsorgeeinrichtungen oder von zu Hause geflohen. Ohne die Cliquen ist das \u00dcberleben auf der Stra\u00dfe schwerer, da man innerhalb der Clique zusammenh\u00e4lt und sich bei dem Leben in Armut unterst\u00fctzt. Den Alltag eines Einzelnen und die Aussichtslosigkeit beschreibt Haffner so: \u201eAuf den Strich gehen, gelegentlich einen Taler dabei verdienen und sonst hungern und hungern, da\u00df die Schwarte knackt. Obdachlos, solange schon obdachlos, da\u00df eine Matratze in einer Massenherberge das Paradies ist. Oder aber sich einer anderen Clique anschlie\u00dfen. Wieder unter einem F\u00fchrer arbeiten, Taschendiebst\u00e4hle, kleinere Einbr\u00fcche, Autor\u00e4ubereien&#8230;, was gerade Spezialit\u00e4t der Clique ist.\u201c (S. 228).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\">Im Mittelpunkt der Handlung stehen Ludwig und Willi. Willi flieht mit 20 aus einer F\u00fcrsorgeeinrichtung und reist unter einem Zug h\u00e4ngend nach Berlin. Der 19-j\u00e4hrige Ludwig floh zwei Jahre zuvor aus derselben F\u00fcrsorgeeinrichtung und schloss sich den Blutsbr\u00fcdern an. Er wird unschuldig verhaftet und flieht zur\u00fcck zu den Blutsbr\u00fcdern, als er in eine F\u00fcrsorgeeinrichtung \u00fcberf\u00fchrt werden soll. In Berlin treffen sich die beiden und durch Ludwig findet Willi Anschluss an die Blutsbr\u00fcder. Das Problem der Jugendlichen sind die Dokumente, denn bis zu ihrem 21. Lebensjahr d\u00fcrfen sie als Minderj\u00e4hrige keine Wohnung mieten oder arbeiten, daher verdienen sie ihr Geld illegal. Als Willi und Ludwig nicht damit einverstanden sind, wie die Clique ihr Geld verdient, verstecken sie sich vor den Blutsbr\u00fcdern, um kein Teil mehr davon sein zu m\u00fcssen. Sie probieren sich ein halbwegs legales Leben aufzubauen und man erf\u00e4hrt, dass es auch Jugendliche gab, die trotz H\u00fcrden ein ehrliches Leben f\u00fchren wollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\">Ernst Haffner berichtet in seinem Werk anschaulich in welchen Verh\u00e4ltnissen die Jugendlichen lebten und wie weit sie gingen, um zu \u00fcberleben. Man bekommt einen Einblick in das Leben der damaligen Zeit, sowohl sprachlich als auch wirtschaftlich. Das man von der politischen Lage gar nichts mitbekommt, liegt vermutlich daran, dass man als Obdachloser andere Probleme hatte als die gr\u00f6\u00dfer werdende Zahl an Nationalsozialisten.<br \/>\nAuch die Unterschiede zwischen Osten und Westen werden eingebaut, als Willi und Ludwig in den reichen Westen fliehen, aber schnell merken, dass dies nicht ihr Leben werden kann.\u00a0 Au\u00dferdem erf\u00e4hrt man die Unterschiede von einem Leben in der F\u00fcrsorgeeinrichtung und dem Leben auf der Stra\u00dfe. Es wird deutlich warum die Jugendlichen von dort oder von zu Hause fl\u00fcchten, aber auch warum einige sich wieder der Polizei stellen, um zur\u00fcck in eine F\u00fcrsorgeeinrichtung zu kommen. Haffner beleuchtet nicht nur ein Einzelschicksal, sondern mehre Schicksale der Jugendlichen von damals. Dabei geht er nie zu tief ins Detail und besch\u00f6nigt die Handlung nicht. Dadurch hat man als Leser*in das Gef\u00fchl ein authentisches Bild zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\">Durch den Roman bekommt man einen guten Einblick in das Leben von Kindern und Jugendlichen der damaligen Zeit. Obwohl der Roman das Leben von fiktiven Personen beschreibt, scheint mir das Buch sehr authentisch. Das liegt vor allem an dem Verbot des Buches durch die Nationalsozialisten. Demnach w\u00fcrde ich es allen empfehlen, die sich mit dem Leben von Jugendlichen am Ende der Weimarer Republik auseinandersetzen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine anonyme Rezension zum Buch: Ernst Haffner: Blutsbr\u00fcder-Ein Berliner Cliquenroman. Metrolit, 2013. 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