{"id":1150,"date":"2019-02-26T22:30:11","date_gmt":"2019-02-26T21:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1150"},"modified":"2019-04-04T15:17:56","modified_gmt":"2019-04-04T13:17:56","slug":"bornholmer-strasse-rezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1150","title":{"rendered":"\u201eBornholmer Stra\u00dfe&#8220; (Rezension)"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine Rezension von <strong>Riana Bu\u00dfmann<\/strong> (Q4).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas tritt nach meiner Kenntnis\u2026 ist das sofort. Unverz\u00fcglich.\u201c Diese Aussage des SED-Funktion\u00e4rs Schabowski \u00e4nderte das Schicksal eines ganzen Volkes. Innerhalb weniger Stunden versammelten sich zahlreiche DDR-B\u00fcrger*innen an den Grenz\u00fcberg\u00e4ngen, um in das westliche Ausland zu reisen. Aber wie kam es letzten Endes am 9. November 1989 zum Fall der Mauer, die die Deutschen f\u00fcr 28 Jahre getrennt hatte?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum 25. Jahrestag dieses historischen Ereignisses ver\u00f6ffentlichte die ARD mit \u201eBornholmer Stra\u00dfe\u201c ein Drama, das sich am Roman \u201eDer Mann, der die Mauer \u00f6ffnete\u201c von Gerhard Haase-Hindenberg orientiert und den Schicksalstag der Deutschen wieder zum Leben erweckt. Der Spielfilm erz\u00e4hlt \u201edie unglaubliche, aber wahre Geschichte von Oberstleutnant Harald Sch\u00e4fer\u201c (Charly H\u00fcbner), der wie gewohnt seinen Aufgaben als Grenzpostenleiter nachgeht, bis er zuf\u00e4llig die Pressekonferenz mit G\u00fcnter Schabowski im Fernsehen sieht. Kurz darauf tauchen die ersten B\u00fcrger*innen vor dem Schlagbaum auf, die verlangen die Grenze passieren zu d\u00fcrfen. Bald werden es immer mehr und Sch\u00e4fer bittet bei seinem Vorgesetzten Oberst Hartmut Kummer (Ulrich Matthes) um Anweisungen, dieser ist allerdings selbst ratlos. Auch unter Sch\u00e4fers Kollegen herrscht Uneinigkeit, wie man angemessen mit der sich zuspitzenden Lage umgehen soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><div style=\"text-algn:left\"><span style=\"display:inline-block;text-align:center;\"><iframe allow=\"autoplay\" class=\"youtube_embed_iframe\"    allowFullScreen=\"true\" style=\"width:640px; height:360px\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/4HZRneBeoT4?autoplay=0&theme=dark&loop=0&fs=1&showinfo=1&modestbranding=0&iv_load_policy=3&color=red&autohide=1&disablekb=0&enablejsapi=1&version=3\"><\/iframe><\/span><\/div><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es entsteht ein Szenario, das den*die Zuschauer*in trotz des bekannten Ausgangs mitrei\u00dft, denn die Grenzbeamten befinden sich im Zwiespalt zwischen Befehlen und ihren Gef\u00fchlen. Vor allem die Entwicklung von Sch\u00e4fer ist dabei im Fokus, der zu Beginn an seinem Lebenswerk, der Grenze, festhalten und diese um jeden Preis verteidigen will, dann aber zu Zweifeln beginnt und sich durch das Ohnmachtsgef\u00fchl zu einer drastischen Entscheidung gezwungen sieht. Bemerkenswert ist dabei, dass er im Vergleich zu seinen Kollegen, die sogar bereit sind, das Feuer auf die Menge zu er\u00f6ffnen oder sich auf Handgemenge mit den Demonstrierenden einlassen, rational versucht, eine Entscheidung zu treffen, die er f\u00fcr sich verantworten kann. Parallel dazu sieht man immer wieder Oberst Kummer, der sich in seiner Verzweiflung wiederholt Cognac einschenkt und auf weitere Anrufe seiner Grenzposten wartet. Schlie\u00dflich befiehlt er, die vehementesten Demonstranten ausreisen zu lassen und sie daraufhin insgeheim auszub\u00fcrgern. Hier wird die Spannung zwischen Zusammenbruch eines \u00fcberholten Systems und dem daraus resultierenden Aufbruch besonders deutlich. Gerade die letzte Szene, in der Sch\u00e4fer nach Hause kommt und seiner Frau davon erz\u00e4hlt, er habe die Grenzen ge\u00f6ffnet, worauf diese nur bemerkt, dar\u00fcber mache man keine Scherze, zeigt, dass an diesem Tag das Unm\u00f6gliche m\u00f6glich wurde, durch einen Mann, der sich von der F\u00fchrung im Stich gelassen f\u00fchlte und sich schlie\u00dflich gezwungen sah, die Grenzen f\u00fcr alle zu \u00f6ffnen.<br \/>\nDie ungewohnte Perspektive eines Grenzpostens, die die Drehbuchautoren Heide und Rainer Schwochow hier w\u00e4hlen, ist dabei besonders interessant, denn viele d\u00fcrften die Bilder von feiernden Menschen an und auf der ehemaligen Grenze kennen, wie es aber genau zu der Entscheidung kam, wird selten beleuchtet. Allerdings sind die Grenzer vielmehr Sympathietr\u00e4ger als ernstzunehmende Staatsdiener, die nicht wirklich zu Gewaltanwendung bereit scheinen. Diese Wahrnehmung ist historisch gesehen wohl etwas ungenau, da damals durchaus die Gefahr bestand, Waffen auf die Zivilist*innen zu richten. Der gesamte Film besticht durch authentische Szenenbilder, die die Tristesse des Grenzalltags verdeutlichen und eine bedr\u00fcckende Stimmung erzeugen, die aber immer wieder durch komische Elemente aufgebrochen wird. So zum Beispiel durch den Hund, der pl\u00f6tzlich auftaucht und die Beamten in Atem h\u00e4lt. Bereits an dieser Stelle wird die Absurdit\u00e4t der Ein- und Ausreisereglungen deutlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt stellt der Film eine gelungene Ausnahme von nostalgischen Wiedervereinigungsszenen dar, eine zu Beginn seicht daher kommende Tragikom\u00f6die, die die Mauer\u00f6ffnung aus einer ganz anderen Perspektive zeigt und daher wieder interessant macht. Ausgezeichnet mit dem Bambi in der Kategorie TV-Ereignis des Jahres, haben die Autoren hier einen eindrucksvollen und zugleich unterhaltsamen Film geschaffen, den ich pers\u00f6nlich nur weiter empfehlen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Rezension von Riana Bu\u00dfmann (Q4). \u201eDas tritt nach meiner Kenntnis\u2026 ist das sofort. Unverz\u00fcglich.\u201c Diese Aussage des SED-Funktion\u00e4rs Schabowski \u00e4nderte das Schicksal eines ganzen Volkes. Innerhalb weniger Stunden versammelten sich zahlreiche DDR-B\u00fcrger*innen an den Grenz\u00fcberg\u00e4ngen, um in das westliche Ausland zu reisen. Aber wie kam es letzten Endes am 9. 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