{"id":1168,"date":"2019-03-16T22:55:30","date_gmt":"2019-03-16T21:55:30","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1168"},"modified":"2019-04-04T15:17:41","modified_gmt":"2019-04-04T13:17:41","slug":"das-leben-der-anderen-rezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1168","title":{"rendered":"\u201eDas Leben der Anderen\u201c (Rezension)"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine Rezension von <strong>Melina Charokopaki<\/strong> (Q4).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas Leben der Anderen\u201c &#8211; ein Film, der bei den meisten gro\u00dfe Bewunderung ausl\u00f6st, und in aller Munde gelobt wird. Wer an der deutschen Geschichte interessiert ist, kommt an ihm zweifellos nicht vorbei. Mit seinem Politdrama zur deutsch-deutschen Teilung gewann Florian Henckel von Donnersmarck schlie\u00dflich nicht grundlos einen Oscar (2007) f\u00fcr den besten fremdsprachigen Film. Doch wie gut kommt das kulturhistorische Erbe der geteilten Nation tats\u00e4chlich r\u00fcber?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Film wird aus der Sicht des Stasi-Hauptmanns Gerd Wiesler erz\u00e4hlt, der als \u00fcberzeugter Sozialist sein Leben \u201eder Partei\u201d gewidmet hat. \u00dcber die Arbeit hat er alles andere vernachl\u00e4ssigt und sein einziger Lebensinhalt besteht aus dem Abh\u00f6ren anderer Leute &#8211; dem Leben der Anderen. Im Film \u00fcbernimmt er die Abh\u00f6rung des Autors Georg Dreymann und seiner Freundin Christa-Maria Sieland, die aus der linken K\u00fcnstlerszene stammen. Dreymann ist ein Grenzg\u00e4nger und hat sich mit der Regierung gut gestellt, ist jedoch insgeheim kein Bef\u00fcrworter des Systems. Je l\u00e4nger Wiesler ihr Leben verfolgt, desto mehr sympathisiert er mit Dreymann und entdeckt, wie sehr er sich etwas \u00c4hnliches w\u00fcnscht. Durch das Vertuschen einiger gef\u00e4hrlicher Details hilft Wiesler dem Paar immer wieder aus der Klemme, wodurch ihre widerst\u00e4ndigen Aktionen geheim bleiben. Christa-Maria Sieland bringt sich am Ende um, Georg Dreymann entkommt jedoch um Haaresbreite und kann bis zum Mauerfall unauff\u00e4llig weiterleben. Nachdem die Mauer gefallen ist, sieht Dreymann seine Stasi-Akte ein und findet heraus, dass Wiesler dem ahnungslosen Paar die ganze Zeit \u00fcber verdeckt geholfen hatte. Er schreibt einen Roman \u00fcber seine Geschichte, den er Wiesler widmet, und den dieser in der letzten Szene auch entdeckt und kauft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer der spannendsten Aspekte an dem Film sind die Charaktere, da insbesondere Wiesler eine gro\u00dfe Entwicklung durchmacht. Er ist ein greifbarer Charakter, der zu Anfang unsympathisch und kalt erscheint, im Handlungsverlauf jedoch immer mehr Schw\u00e4chen zeigt und dadurch Dimension bekommt. Aufgrund seiner Sympathie zu Dreymann und des angedeuteten Seitenwechsels, der damit verbunden ist, verliert er seine hohe Position bei der Stasi und fristet den Rest seines Berufslebens mit einer Flei\u00dfarbeit. Auch nach dem Mauerfall schafft er es nicht, eine bessere Stelle zu finden und muss schlussendlich Zeitungen austragen. Dennoch ist er an den Geschehnissen gewachsen, was besonders am letzten Satz deutlich wird. Als Wiesler das Buch mit der Widmung an ihn entdeckt sagt er: \u201eDas ist f\u00fcr mich.\u201d Damit legt er sein Dasein als Hintergrund-Figur im Leben der Anderen ab und hat endlich etwas eigenes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An Wieslers Beispiel wird besonders das breite Netz der Stasi deutlich und auch die Lebensverh\u00e4ltnisse in der DDR werden hier indirekt angesprochen. Der*Die Zuschauer*in bekommt dadurch einen guten Eindruck von der Ambiguit\u00e4t und Hinterh\u00e4ltigkeit des Systems. Das Besondere an dem Film ist, dass der geschichtliche Hintergrund zwar sehr gut vermittelt wird, im Vordergrund allerdings die Charaktere und deren Handlungen stehen. Dadurch verliert er jedoch keineswegs seinen geschichtskulturellen Anteil. Dieser wird durch Wieslers Geschichte lediglich betont, obwohl nicht der belehrende Ton eines Lehrfilms mitschwingt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz der Tatsache, dass die Geschichte kein allumfassendes Happy End hat, hinterl\u00e4sst der Film den*die Zuschauer*in mit einem guten Gef\u00fchl. Besonders der letzte Satz ist bewegend und verleiht dem Film etwas rundes, da auch Wiesler als \u201eeinsame Seele\u201d endlich Frieden finden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in der Machart entspricht das Werk keineswegs einem Hollywood-Blockbuster. Musik und Schnitt sind zur\u00fcckhaltend und betonen den wichtigen Inhalt an den richtigen Stellen. Dennoch ist der Film nicht minder spannend, daf\u00fcr sorgen herausragende Schauspieler*innen und die realistisch bedrohliche Darstellung der Stasi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas Leben der Anderen\u201d ist ein Film der Zwischent\u00f6ne, ein Film \u00fcber die menschliche Psyche und \u00fcber ein System der Unterdr\u00fcckung. Dem*der Zuschauer*in wird auf unaufgeregte Weise ein wichtiger Teil Geschichtskultur vermittelt und gleichzeitig etwas in Sachen Menschlichkeit beigebracht. Florian Henckel von Donnersmarck rekreiert die DDR aus Nuancen und schafft somit einen Film, der nicht nur seines Oscars w\u00fcrdig ist, sondern auch der deutschen Geschichte gerecht wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Rezension von Melina Charokopaki (Q4). \u201eDas Leben der Anderen\u201c &#8211; ein Film, der bei den meisten gro\u00dfe Bewunderung ausl\u00f6st, und in aller Munde gelobt wird. 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