{"id":1180,"date":"2019-04-04T15:10:51","date_gmt":"2019-04-04T13:10:51","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1180"},"modified":"2019-04-06T19:51:04","modified_gmt":"2019-04-06T17:51:04","slug":"rezension-ueber-der-geteilte-himmel-von-christa-wolf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1180","title":{"rendered":"\u201eDer geteilte Himmel\u201c (Rezension)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Beitrag von <strong>Lucie Frahm<\/strong> (Q4).<\/em><u><br \/>\n<\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/50.-Buchcover-Der-geteilte-Himmel-dtv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-448\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/50.-Buchcover-Der-geteilte-Himmel-dtv-194x300.jpg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/50.-Buchcover-Der-geteilte-Himmel-dtv-194x300.jpg 194w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/50.-Buchcover-Der-geteilte-Himmel-dtv.jpg 285w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a>\u201eDer geteilte Himmel\u201c ist eine Erz\u00e4hlung von Christa Wolf, die im Jahr 1963 erschien. Sie handelt von der jungen Rita Seidel und ihrem \u00e4lteren Freund Manfred Herfurth, deren innige Liebesbeziehung an ihren unterschiedlichen gesellschaftlichen Vorstellungen scheitert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte spielt in der DDR kurz vor dem Mauerbau und ist aus der Perspektive Ritas geschrieben, die nach einem Betriebsunfall aus der Ohnmacht erwacht und im Anschluss auf die zwei gemeinsamen Jahre mit Manfred zur\u00fcckblickt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Detailliert werden in der Erz\u00e4hlung die Folgen des Aufeinandertreffens eines hochm\u00fctigen, k\u00fchlen Mannes und eines tief empfindsamen, jungen M\u00e4dchens beschrieben. Beide lernen durch die andere Person, die Welt mit einer neuen Sichtweise zu betrachten. Rita, die den Gro\u00dfteil ihres bisherigen Lebens in einem kleinen Dorf verbracht hat, wagt den Schritt zum Umzug in die Stadt Halle, wo sie mit dem Ziel Lehrerin zu werden ein Seminar besucht sowie in einem Waggonbauwerk arbeitet. Gemeinsam mit Manfred, der beruflich als Chemiker t\u00e4tig ist, wohnen sie bei dessen Eltern. Mit der Zeit gewinnt Rita, die zun\u00e4chst ziemlich eindimensional als emotional schwach wirkender Charakter dargestellt wird, an Selbstvertrauen und findet sich in ihrem neuen Leben ein. Manfred lernt immer mehr, sich Rita gegen\u00fcber zu \u00f6ffnen, und vertraut ihr seine innersten Gef\u00fchle und Sorgen an. Trotz wachsender Verbundenheit bekommt die Beziehung der beiden im Laufe der Zeit starke Risse, als sich ihre unterschiedlichen Meinungen \u00fcber das sozialistische Gesellschaftssystem herauskristallisieren. W\u00e4hrend Rita insgesamt einen starken Glauben an die Gesellschaft der DDR hegt, steht Manfred der Regierung von Ostdeutschland \u00e4u\u00dferst skeptisch gegen\u00fcber, was ihn zur Flucht nach Westberlin veranlasst. Inmitten der zur\u00fcckblickenden Beschreibung der Geschehnisse wird auch im Pr\u00e4sens von Ritas Regenerierung nach dem Unfall erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Christa Wolf verbildlicht in ihrem zeitgen\u00f6ssischen Roman die Uneinigkeit \u00fcber die unterschiedlichen Gesellschaftssysteme Sozialismus und Kapitalismus im damaligen Deutschland. Wolf setzt hierbei bei ihren Leser*innen eine Grundkenntnis \u00fcber die damaligen Geschehnisse vor dem Mauerbau voraus. Obgleich die Autorin eine bekannte Pers\u00f6nlichkeit der DDR war, liest sich ihr Roman keineswegs wie eine stumpfe Propagierung des Sozialismus. Prim\u00e4r wird in dem Buch vielmehr die emotionale Verbindung von Rita und Manfred beschrieben. Dies gelingt auf geschickte Weise, da das Paar zu Beginn des Buches bereits endg\u00fcltig durch den Mauerbau getrennt ist und im Verlaufe der r\u00fcckblickenden Erz\u00e4hlung nach und nach die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Scheitern der Beziehung deutlich werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auff\u00e4llig an der Erz\u00e4hlung ist, dass Wolfs Erz\u00e4hlart stellenweise stark an die Verkl\u00e4rung des Realismus erinnert. So meidet sie in ihrer Geschichte bestimmte unsch\u00f6ne Details, und deutet beispielsweise nur vage an, dass Ritas \u201eBetriebsunfall\u201c ein Selbstmordversuch aus Verzweiflung gewesen ist. Somit wird der Erz\u00e4hlung stellenweise ein etwas besch\u00f6nigender Charakter verliehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenfalls erw\u00e4hnenswert ist die von der Autorin verwendete (Natur-)Symbolik, die die Wendungen in den Empfindungen der Charaktere symbolisiert und an die Gef\u00fchls- und Naturverbundenheit der Epoche des \u201eSturm und Drang\u201c erinnert. Zwar verbildlicht Wolf die Emotionen der Charaktere meist durchaus gekonnt, manchmal wirken ihre allzu bedeutungsschwangeren Sprachbilder jedoch etwas gezwungen. \u201eNur wir beide schaukeln noch auf den Wellen, ganz allein in einem sehr zerbrechlichen Kahn\u201c, so berichtet Manfred Rita eines Nachts von einem seiner Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt gelingt es der Autorin trotz des teilweise etwas schw\u00fclstigen Charakters ihrer Beschreibungen, ein emotionales Bild vom damaligen Zeitgeist zu zeichnen. Folglich kann ich jeder Person, die an einer Darstellung der in Deutschland herrschenden Mentalit\u00e4t in der Zeit um den Mauerbau interessiert ist, empfehlen, einen Blick in dieses Buch zu werfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Lucie Frahm (Q4). \u201eDer geteilte Himmel\u201c ist eine Erz\u00e4hlung von Christa Wolf, die im Jahr 1963 erschien. Sie handelt von der jungen Rita Seidel und ihrem \u00e4lteren Freund Manfred Herfurth, deren innige Liebesbeziehung an ihren unterschiedlichen gesellschaftlichen Vorstellungen scheitert. 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