{"id":1216,"date":"2019-06-01T20:08:44","date_gmt":"2019-06-01T18:08:44","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1216"},"modified":"2023-03-17T23:48:58","modified_gmt":"2023-03-17T22:48:58","slug":"der-vietnamkrieg-1964-1973-in-truth-a-noble-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1216","title":{"rendered":"Der Vietnamkrieg 1964-1973 \u2013 \u201ein truth a noble war\u201c?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Beitrag von <strong>Emma Paunovic <\/strong>(Q4). Dieser Text entstand im Rahmen des Geschichtsgrundkurses Q4.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der US-Pr\u00e4sident Ronald Reagen bezeichnete nach dem Ende des Vietnamkriegs \u00f6ffentlich den Krieg als \u201ein truth a noble war\u201c. R\u00fcckblickend auf die hohen Zahlen der gefallenen Soldat*innen und get\u00f6teten Zivilisten, sowie die massenhafte Aussetzung von Agent Orange, scheint die Bezeichnung \u201enoble\u201c also \u201eedel\u201c f\u00fcr den Krieg unpassend. Doch was veranlasste den US-Pr\u00e4sidenten diese Bezeichnung zu w\u00e4hlen? Gab es Aspekte des Krieges , die durchaus edel waren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vietnamkrieg geh\u00f6rte zu den Stellvertreterkriegen des Ost-West-Konfliktes. In den Augen der amerikanischen Regierung war er ein notwendiges Mittel zur Einschr\u00e4nkung des Kommunismus. Die USA sah im Kommunismus die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht der L\u00e4nder gef\u00e4hrdet. So verdeutlichte der ehemalige US-Pr\u00e4sident Lyndon B.Johnson in einer \u00f6ffentlichen Rede am 07. April 1965, dass der Vietnamkrieg lediglich zur Verteidigung der Unabh\u00e4ngigkeit und Freiheit S\u00fcdvietnams diene. Es sei die Verpflichtung der USA, in Vietnam zu intervenieren, da sonst das Vertrauen der V\u00f6lker missbraucht worden w\u00e4re und dies in Angst und m\u00f6glicherweise sogar Krieg m\u00fcnden w\u00fcrde. Aus Sicht der amerikanischen Regierung waren die Ziele und Beweggr\u00fcnde der USA zum Wohle Vietnams und somit w\u00e4re die Bezeichnung \u201enoble\u201c legitim.<br \/>\nDer amerikanische Senator J. William Fullbright widersprach dieser Sichtweise in einer Rede im Senat am 08. August 1967. Das F\u00fchren eines Krieges gegen ein unschuldiges Land, w\u00fcrde die Gewaltsamkeit und unkoordinierte Machtnutzung der amerikanischen Regierung widerspiegeln. Dies w\u00fcrde nicht den Wertvorstellungen entsprechen, an welche Protestant*innen im Sommer 1967 in Detroit einen Anspruch hegten. Diese Werte waren unter anderem soziale Gerechtigkeit, Demokratie und Freiheit. Der Vietnamkrieg w\u00fcrde somit nicht im Sinne der Bed\u00fcrfnisse der Bev\u00f6lkerung liegen und sei somit nicht \u201enoble\u201c.<br \/>\nIn den USA kam es au\u00dferdem zu Antikriegsdemonstrationen. Es formierten sich Gruppen und Organisationen, die durch die Weigerung zum Milit\u00e4rdienst und \u00f6ffentliche Demonstrationen versuchten, den Krieg zu boykottieren. Abgesehen von den Forderungen, den Krieg zu beenden und die Soldaten nach Hause zu schicken, \u00e4u\u00dferten sie ihre Emp\u00f6rung \u00fcber die Kriegsf\u00fchrung. Die amerikanische Kriegsf\u00fchrung zeichnete sich durch massive Luftangriffe und dem Einsatz von giftigen Chemikalien aus. Ma\u00dfnahmen, unter denen vor allem die zivile Bev\u00f6lkerung Vietnams leiden musste. Neben den hunderttausenden gefallenen Soldat*innen, starben mindestens zwei Millionen vietnamesische Zivilisten und zwei Millionen Liter giftiger Chemikalien wurden freigesetzt. Aus Sicht der Protestierenden legitimierten die Motive f\u00fcr den Krieg nicht die verheerenden Folgen, die die Bev\u00f6lkerung Vietnams tragen musste. Gleicherma\u00dfen wie der Senator J. William Fullbright sahen sie die Kriegsf\u00fchrung der Regierung als barbarisch und unkontrolliert an. Au\u00dferdem sei der Krieg nicht zum Wohle Vietnams oder der amerikanischen Bev\u00f6lkerung, sondern lediglich eine weitere Konfrontation zwischen Ost und West. Aus ihrer Perspektive w\u00e4re also der Begriff \u201enoble\u201c in keinem Fall legitim.<br \/>\nUnter Ber\u00fccksichtigung der oben angef\u00fchrten Perspektiven, w\u00fcrde ich der Sichtweise Lyndon B. Johnsons widersprechen und mich der Sichtweise der Antikriegsdemonstranten und des Senators J. William Fullbrights anschlie\u00dfen. Der Vietnamkrieg hat letztendlich nicht zur Verteidigung S\u00fcd-Vietnams beigetragen, sondern zu seiner Zerst\u00f6rung und zur Zerst\u00f6rung Nord-Vietnams. Abgesehen von dem Fakt, dass die USA den Krieg verloren hat, sind die Qualen, die die vietnamesische Bev\u00f6lkerung erdulden musste, untragbar. Der neunj\u00e4hrige Krieg zerst\u00f6rte nicht nur die L\u00e4ndereien Vietnams, sondern hinterlie\u00df ebenfalls Millionen von Familien, die um verstorbene Angeh\u00f6rige trauerten. Zu erw\u00e4hnen ist an dieser Stelle ebenfalls die widerspr\u00fcchliche Aussage von Lyndon B. Johnson, dass das Nicht-Eingreifen in Vietnam zur weltweiten Angst und schlie\u00dflich auch Krieg f\u00fchren w\u00fcrde. Die Warnung vor einem Krieg ist widerspr\u00fcchlich, da die USA zu dem Zeitpunkt bereits einen Krieg f\u00fchrte. Der Vietnamkrieg war der l\u00e4ngste Krieg der USA und verursachte mehr Sch\u00e4den, als man sich h\u00e4tte erdenken k\u00f6nnen. Er erzeugte weltweites Entsetzen \u00fcber die unbegrenzte Gewaltsamkeit der Machtbl\u00f6cke. Die USA und die Sowjetunion verursachten die Zerst\u00f6rung des Landes auf wirtschaftlicher, \u00f6kologischer und sozialer Ebene. Die zur\u00fcckkehrenden Veteran*innen, litten unter schwerwiegenden Traumata, Drogenabh\u00e4ngigkeit und starken psychischen Erkrankungen. Das Verhalten der Soldat*innen, welche unter anderem schon w\u00e4hrend des Krieges die Hoffnung verloren und sich den Befehlen teilweise verweigerten, zeigte das selbst die k\u00e4mpfenden Amerikaner*innen sich nicht mehr bewusst waren, f\u00fcr welchen Zweck sie k\u00e4mpften.<br \/>\nDie Bezeichnung \u201enoble\u201c von Ronald Reagen f\u00fcr den Vietnamkrieg ist meiner Meinung nach in keinem Falle legitim. Die amerikanische Regierung zeigte in diesen neun Jahren Verantwortungslosigkeit, Gewalt und Disziplinlosigkeit und in keinem Aspekt ein \u201eedles\u201c Verhalten. Tatsachen, die dem demokratischen, sozialen gerechtem und f\u00fcr die Freiheit k\u00e4mpfendem USA-Bild widersprechen. Das Schicksal, das Vietnam traf, zeigte, was die st\u00e4rksten Waffen der Welt in den H\u00e4nden einer Gro\u00dfmacht anrichten k\u00f6nnen und w\u00e4hrend des Vietnamkriegs waren dies in keinem Fall Taten, die man als \u201enoble\u201c bezeichnen sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Emma Paunovic (Q4). Dieser Text entstand im Rahmen des Geschichtsgrundkurses Q4. Der US-Pr\u00e4sident Ronald Reagen bezeichnete nach dem Ende des Vietnamkriegs \u00f6ffentlich den Krieg als \u201ein truth a noble war\u201c. 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