{"id":1359,"date":"2020-01-27T20:04:53","date_gmt":"2020-01-27T19:04:53","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1359"},"modified":"2020-01-27T20:04:53","modified_gmt":"2020-01-27T19:04:53","slug":"buchkritik-zu-effi-briest-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1359","title":{"rendered":"Buchkritik zu \u201eEffi Briest\u201c (II)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Beitrag von <strong>Felix Misol <\/strong>(Q1). Dieser Text entstand im Rahmen des Grundkurses Deutsch (Leitung: Frau Lemme).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Effi Briest<\/em> ist ein Roman von Theodor Fontane, der erstmalig in sechs Folgen zwischen 1894 und 1895 in der <em>Deutschen Rundschau<\/em> erschien. Erst ein Jahr sp\u00e4ter, im Jahr 1896, wurde er als Buch abgedruckt. Der Roman l\u00e4sst sich in die Epoche des poetischen Realismus einordnen und behandelt Themen wie Ehre, Ehe, Gesellschaft und das Verh\u00e4ltnis von Mann und Frau im 19. Jahrhundert. Mit dem Werk richtete sich Fontane an die breite Masse, also alle gesellschaftlichen Schichten, was auch erkl\u00e4rt, warum der Roman in einem verbreiteten Medium wie der Zeitung erschien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Geschichte handelt von der 17 Jahre alten Effi von Briest, die in ihrem sehr jungen Alter mit dem 38-j\u00e4hrigen Baron Geert von Instetten verheiratet wird. Nach vollendeter Hochzeit reisen die beiden durch Italien und lassen sich danach in Instettens Anwesen im fiktiven Kessin nieder, einer Stadt in Hinterpommern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Effi hat von Anfang an Probleme sich dort einzuleben und hat Angst vor dem Geist eines Chinesen, der in Kessin ein merkw\u00fcrdiges Ende gefunden haben soll und nun angeblich in dem Haus sein Unwesen treibt. Instetten zeigt sich ihr gegen\u00fcber wenig verst\u00e4ndnisvoll und so sucht die 17-j\u00e4hrige Trost bei Instettens Hund Rollo.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Etwa zur gleichen Zeit wird Effi schwanger und trifft vor der Geburt ihrer Tochter Anni auf Roswitha, die sie daraufhin als Kinderm\u00e4dchen einstellt. Kurz darauf lernt Effi den Major von Crampas, einen alten Bekannten von Instetten, kennen, der Effi als einziger Ansprechpartner im Bezug auf den \u201eSpuk\u201c dient. Au\u00dferdem \u00fcberredet dieser sie dazu ein Theaterst\u00fcck mit dem Namen \u201eEin Schritt vom Wege\u201c einzustudieren, dessen Auff\u00fchrung sehr erfolgreich verl\u00e4uft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend eines Umweges durch einen dunklen Wald k\u00fcsst Crampas sie. Das ist der Beginn einer heimlichen Aff\u00e4re mit ihm.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie Wochen sp\u00e4ter mit Anni und ihrem Mann nach Berlin zieht, ist die Beziehung zu Crampas vorbei und f\u00fcr Effi ist das eine Art Neubeginn, bei dem sie ihre Fehler hinter sich lassen kann. Doch sechs Jahre sp\u00e4ter findet Instetten, w\u00e4hrend Effi auf Kur ist, die Briefe von Crampas, wodurch der Ehebruch ans Licht kommt. Daraufhin ger\u00e4t sie der Gesellschaft, ihrem Mann und ihrer Familie gegen\u00fcber in Verruf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Effi Briest<\/em> ist das wahrscheinlich popul\u00e4rste Werk von Theodor Fontane und erz\u00e4hlt die Geschichte eines M\u00e4dchens, dass an den gesellschaftlichen Konventionen des 19. Jahrhunderts zerbricht und deshalb alles verliert. Aufgrund der sozialen Verh\u00e4ltnisse, die sich seit damals stark ver\u00e4ndert haben, wirkt der Roman stellenweise sehr veraltet, was dazu f\u00fchren kann, dass heutige Leser Probleme haben die Kernproblematik des Romans zu erkennen. Das k\u00f6nnte gerade j\u00fcngere Leser*innen abschrecken bzw. beim Lesen langweilen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Handlung des Romans wird jedoch glaubhaft aufgebaut, was vermutlich daran liegt, dass sich Fontane von realen Ereignissen inspirieren lassen hat. Sie m\u00fcndet in eine Trag\u00f6die, mit der der Autor einige Kritik an den damaligen Werten und Normen, wie dem Prinzip der Ehre, \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem schafft der Autor es, Effis Einsamkeit in Instettens Haus darzustellen, da dieses monotone Leben und die zur\u00fcckhaltende Effi einen schlagartigen Kontrast zu der extrovertierten und lebensfrohen Effi, die man in den ersten Kapiteln kennenlernt, darstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fontane stellt lebhaft und schl\u00fcssig den inneren Konflikt der Protagonistin und ihre damit zusammenh\u00e4ngenden Probleme und \u00c4ngste dar und r\u00fcckt sie ins Zentrum des Geschehens. Dies gelingt ihm durch die besondere Erz\u00e4hlweise, da der*die Erz\u00e4hler*in allwissend ist, jedoch ohne Distanz die Gedanken und Gef\u00fchle von Effi beschreibt. Er trifft deshalb kaum Aussagen \u00fcber die Gedanken der anderen Charaktere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Personen sind glaubw\u00fcrdig und gut beschrieben und zeigen viel Charaktertiefe. Fontane zeigt hierbei viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen in seine Figuren, von denen keine \u00fcberfl\u00fcssig oder zu pr\u00e4sent erscheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was beim Lesen des Romans auff\u00e4llt, ist die sehr bildreiche Sprache, die typisch f\u00fcr Fontane ist. Diese gibt beinahe jeder Aussage des Buches eine gewisse Tiefe und Bedeutung. Direkt zu Beginn finden sich Passagen wie die Schaukelszene, die die jugendliche Gelassenheit Effis verdeutlicht. Au\u00dferdem gibt es viele subtile Vorausdeutungen wie beispielsweise den Namen des Theaterst\u00fccks \u201eEin Schritt vom Wege\u201c, das eindeutig Effis sp\u00e4tere \u201eFehltritte\u201c erahnen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Sprache im Allgemeinen ist zwar der damaligen Zeit und Fontanes Stil angemessen, wirkt aus heutiger Sicht jedoch veraltet, an einigen Stellen unn\u00f6tig kompliziert und kann das Verst\u00e4ndnis und den Lesefluss bei unge\u00fcbten Personen beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fontanes bekanntestes Werk \u201eEffi Briest\u201c ist ein Roman, der durch seine glaubhafte und realistische Handlung \u00fcberzeugen kann. Auch die Figuren sind sehr tiefgr\u00fcndig und einf\u00fchlsam geschrieben und wirken nie \u00fcberfl\u00fcssig. Zudem fasziniert die sprachliche Gestaltung durch viele Details, Anspielungen, Metaphern und Vorausdeutungen. Problematisch sind lediglich die veralteten Konventionen, die thematisiert werden, da diese aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen sind, und die komplizierte Sprache, die bei manchen Leser*innen zu Verst\u00e4ndnisproblemen f\u00fchren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meiner Meinung nach ist \u201eEffi Briest\u201c ein sehr gelungener Roman, der zwar aus heutiger Sicht einige kleine Probleme aufweist, aber dennoch \u00fcberzeugen kann. Aus diesen Gr\u00fcnden l\u00e4sst sich eine Empfehlung f\u00fcr alle aussprechen, die eine gute Geschichte zu sch\u00e4tzen wissen, dabei aber nicht vor altert\u00fcmlicher Sprache, speziell der Sprache von Fontane, zur\u00fcckschrecken. Gleichzeitig sollte man aber auch all jenen von \u201eEffi Briest\u201c abraten, die von Fontanes anderen Werken nicht \u00fcberzeugt waren oder Probleme mit der, aus heutiger Sicht, komplizierten Sprache haben. Das kann vor allem sehr junge oder unge\u00fcbte Leser*innen betreffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Felix Misol (Q1). Dieser Text entstand im Rahmen des Grundkurses Deutsch (Leitung: Frau Lemme). Effi Briest ist ein Roman von Theodor Fontane, der erstmalig in sechs Folgen zwischen 1894 und 1895 in der Deutschen Rundschau erschien. Erst ein Jahr sp\u00e4ter, im Jahr 1896, wurde er als Buch abgedruckt. 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