{"id":1393,"date":"2020-02-24T22:15:03","date_gmt":"2020-02-24T21:15:03","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1393"},"modified":"2020-02-24T22:15:03","modified_gmt":"2020-02-24T21:15:03","slug":"das-beste-jahr-des-lebens-mein-auslandsjahr-in-kanada","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1393","title":{"rendered":"Das beste Jahr des Lebens \u2013 Mein Auslandsjahr in Kanada"},"content":{"rendered":"<p><em>Der folgende Artikel wurde zuvor in der <a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1341\">1. Ausgabe des gedruckten Fichtenblattes<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hey, mein Name ist <strong>Fanny Oppermann<\/strong>. Anfang September 2018 bin ich f\u00fcr ein Jahr nach Kanada gegangen. Bevor man ein Auslandsjahr machen kann, ist es ein wenig kompliziert \u2013 man braucht Empfehlungsschreiben von den Lehrern (wenn man, so wie ich, ein Stipendium haben m\u00f6chte), man muss viele Formulare ausf\u00fcllen, Dinge beantragen \u2013 es ist wirklich ein bisschen aufw\u00e4ndig. Aber keine Sorge, bei dem ganzen Papierkram hilft einem die Organisation und es lohnt sich wirklich! Wenn man dann all das geschafft hat, kann es losgehen \u2013 <strong>ein Jahr ganz woanders leben!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich euch einen ersten Tipp geben darf: <strong>Feiert die Nacht, bevor es losgeht, durch.<\/strong> Dann f\u00e4llt der Abschied am n\u00e4chsten Morgen nicht so schwer. Die ganze Familie und alle Freunde sind m\u00fcde und verkatert. Aber wenn man ein wenig neben der Spur ist, ist der Abschied leichter, glaube ich. So war es zumindest bei mir. Ich schlief fast den gesamten Flug \u00fcber und machte mir keine gro\u00dfen Gedanken \u00fcber meine Gastfamilie, den ersten Schultag oder meine Familie, die in Deutschland blieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich nach einer fast zwanzig Stunden langen Reise auf meine Gastfamilie traf, wusste ich, dass dies ein wundervolles Jahr werden w\u00fcrde!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Gastfamilie lebte in einem tollen Haus mitten im Wald in der N\u00e4he von <strong>Pictou<\/strong>, ein kleines Dorf mit etwa 3000 Einwohnern auf der <strong>Halbinsel Nova Scotia<\/strong>. Es gab noch nicht einmal \u00f6ffentliche Transportmittel, deshalb hier noch ein wichtiger Tipp, falls ihr auch vorhabt, ein Auslandsjahr in Kanada zu machen: <strong>Lernt m\u00f6glichst schnell Freunde kenne, die schon 16 sind und einen F\u00fchrerschein haben!<\/strong> Das ist sehr wichtig, damit ihr nicht immer eure Gastfamilie fragen m\u00fcsst, ob sie euch irgendwo hinbringen oder abholen kann. Obwohl es keine Gro\u00dfstadt war, war es wundersch\u00f6n und genau so, wie man sich Kanada vorstellt: <strong>Viel<\/strong> <strong>Natur, gro\u00dfe Landschaften, sehr freundliche Leute, gro\u00dfe Autos und viele Tiere<\/strong>. Ich konnte einen B\u00e4ren hinter unserem Haus sehen und \u00f6fter mal Kojoten heulen h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schule fing erst drei Tage nach meiner Ankunft an, was wirklich gro\u00dfartig war, da ich mehr Zeit hatte, meine Gastfamilie kennen-zulernen, anzukommen und mich einzuleben. All das ging erstaunlich schnell und gut. Ich verstand mich von Anfang an super mit meiner Gastfamilie und sie freuten sich sehr \u00fcber meine Gastgeschenke. Sie kannten kein Marzipan und hatten noch nie mit F\u00fcllern geschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/7e35a96c-df08-47dc-9ee0-d257cee8c941.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1397\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/7e35a96c-df08-47dc-9ee0-d257cee8c941-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/7e35a96c-df08-47dc-9ee0-d257cee8c941-300x225.jpg 300w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/7e35a96c-df08-47dc-9ee0-d257cee8c941-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/7e35a96c-df08-47dc-9ee0-d257cee8c941-768x576.jpg 768w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/7e35a96c-df08-47dc-9ee0-d257cee8c941-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/7e35a96c-df08-47dc-9ee0-d257cee8c941-816x612.jpg 816w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/7e35a96c-df08-47dc-9ee0-d257cee8c941.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Die Schule f\u00e4ngt dort erst um 9:00 Uhr an<\/strong>, was viel entspannter ist! Unser Schulbus kam normalerweise gegen 8:15 Uhr, an meinem ersten Schultag kam er nat\u00fcrlich zwanzig Minuten zu sp\u00e4t. Die Lehrer waren super nett und entspannt und hatten ein wirklich anderes Verh\u00e4ltnis zu den Sch\u00fclern. Vielleicht liegt es daran, dass es kein \u201eSie\u201c gibt, sondern nur ein \u201eyou\u201c, wodurch sich alle automatisch duzen. Zum Beispiel hat mich eine Lehrerin mal nach Hause gefahren und eine andere hat mir mal Geld geliehen! Auch die Sch\u00fcler sind super nett und hilfsbereit. Man steht nicht lange allein im Flur herum, sehr schnell fragt dich jemand, ob du Hilfe brauchst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Unterricht war sooo einfach,<\/strong> dass ich mich nicht sonderlich anstrengen musste, um im Unterricht gut mitzukommen. Zudem gab es viele Kurse, die es bei uns gar nicht gibt, (Yoga, Kochen, Business Management, Wood work&#8230;).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich f\u00fchlte mich wirklich sehr willkommen. Das lag zum Teil auch daran, dass man <strong>jeden Monat einen Ausflug mit all den anderen Austausch-sch\u00fclern\/Internationals<\/strong> macht, um sich auszutauschen und mehr von Nova Scotia zu sehen. Einer der sch\u00f6nsten, aber gleichzeitig auch gruseligsten, Ausfl\u00fcge mit den anderen Internationals war der Trip zum \u201eHunted Cornmaze\u201c &#8211; <strong>ein riesiges Horrormaisfeld<\/strong>. Ein Labyrinth, in dem Leute mit Kettens\u00e4gen hinter dir herrennen und Horroclowns dir zu l\u00e4cheln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im November waren wir auf einer <strong>Pumpkin- Regatta<\/strong>, bei der Leute riesige K\u00fcrbisse aush\u00fcllten, sehr sch\u00f6n bemalten und dekorierten und dann in den K\u00fcrbissen \u00fcber einen See paddelten.\u00a0 Es war ziemlich lustig, wenn auch etwas kalt f\u00fcr einige, denn nicht alle K\u00fcrbisse blieben \u00fcber Wasser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der <strong>Schoolspirit<\/strong> war anders als in Deutschland, viel intensiver und enthusiastischer! Alle sind stolz darauf, auf ihre Schule zu gehen und man will den anderen Schulen zeigen, was f\u00fcr eine coole Schul-gemeinschaft man hat. Alle machen mit und halten zusammen! Mehrmals im Jahr gibt es eine <strong>\u201eSpiritweek\u201c<\/strong> und am Ende der \u201eSpiritweek\u201c gibt es immer einen <strong>\u201eSpiritdance\u201c<\/strong>, eine Schulparty. Fast alle Sch\u00fcler gehen dorthin und auch die Lehrer verkleiden sich und machen mit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ihr so wie ich im Herbst nach Kanada geht, k\u00f6nnt ihr den <strong>Indian Summer<\/strong> miterleben. Das ist etwas ganz Besonderes. Das Herbstlaub leuchtet in allen Farben, blauer Himmel, wundersch\u00f6n. Wir waren zu der Zeit viel im Wald hinter unserem Haus unterwegs, um sch\u00f6ne Fotos zu machen und die Natur zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch auch im <strong>Winter<\/strong> ist es in Kanada wundersch\u00f6n, denn anders als in Berlin gibt es dort richtig viel Schnee. Ein paarmal sogar so viel, dass die Schule ausfiel, weil die Schulbusse nicht fahren konnten. Doch wenn man vorhat raus zu gehen, muss man sich warm einpacken, denn es sind mindestens minus 10, wenn nicht sogar <strong>minus 20 Grad<\/strong>!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der kanadische Winter ist leider auch sehr lang, denn erst so gegen Ende April wird es so langsam warm. Richtig Sommer, also f\u00fcr kanadische Verh\u00e4ltnisse \u00fcber 25 Grad, ist nur im Juli und August und den ersten Schnee gibt es schon wieder im Oktober.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Giulia &#8211; meine Gastschwester aus Italien &#8211; war zum ersten Mal Schlittenfahren und Schlittschuhlaufen, sie hatte zuvor noch nie Schnee gesehen. Unser Gastvater band zwei Schlitten an seinen riesigen Rasenm\u00e4her und zog uns durch den Schnee. Bei jeder scharfen Kurve fielen wir vom Schlitten in den Schnee, aber es war sehr lustig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An <strong>Thanksgiving<\/strong> konnte ich zum ersten Mal Truthahn probieren. Die ganze Verwandtschaft kam und jeder brachte etwas f\u00fcrs Abendessen mit. Wir waren ca. 20 Leute und der Truthahn wog 16kg, von dem konnten wir uns auch noch Wochen danach ern\u00e4hren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die <strong>Weihnachtszeit<\/strong> mit meiner Gastfamilie war wundersch\u00f6n. Man geht auf Paraden, schaut sich Weihnachtskonzerte an, geht Weihnachts-shoppen &#8211; alle Gesch\u00e4fte sind weihnachtlich geschm\u00fcckt und die Angestellten tragen Kost\u00fcme &#8211; <strong>und f\u00e4llt sich einen Weihnachtsbaum<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Gastfamilie schmiss eine gro\u00dfe <strong>Weihnachtsparty<\/strong>, wo es super viel Essen gab und als alle voll waren, setzten wir uns ans Klavier und musizierten zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 25.12. packten alle ihrer Geschenke am Morgen aus und dann blieben wir den gesamten Tag im Schlafanzug und freuten uns \u00fcber unsere Geschenke. Am n\u00e4chsten Tag gibt es nochmal ein riesiges Familienessen, das eigentlich genauso ist wie Thanksgiving. Super lecker und nach dem Essen tut einem der Bauch weh und <strong>man f\u00fchlt sich als w\u00fcrde man gleich platzen!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_6914-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1396 alignleft\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_6914-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_6914-300x225.jpg 300w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_6914-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_6914-768x576.jpg 768w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_6914-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_6914-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/IMG_6914-816x612.jpg 816w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit meiner Gastfamilie machte ich nat\u00fcrlich auch viele Ausfl\u00fcge. Ich glaube, <strong>mein sch\u00f6nster Ausflug war Peggy\u2019s Cove<\/strong>. Ein winziges Dorf am Meer mit einem Leuchtturm auf einer Klippe und einem wundersch\u00f6nen Ausblick. Es war wirklich zauberhaft und wenn ihr nach Nova Scotia kommt, m\u00fcsst ihr unbedingt dorthin gehen, denn es ist <strong>eine der besten Attraktionen auf dieser Insel!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres \u201eMust seen!\u201c ist die <strong>Sugar Moon Farm<\/strong>. Ein Restaurant, in dem alles mit selbstgemachtem Ahornsirup gekocht wird. Nach dem Essen kann man auf eine Tour gehen und sehen, wie Ahornsirup hergestellt wird. Sehr interessant und sehr lecker.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in <strong>Keji<\/strong> sollte man unbedingt gewesen sein, ein <strong>Nationalpark<\/strong> mit atemberaubender Natur, wo man mitten im Nirgendwo campen kann, nur von B\u00e4umen und Seen umgeben ist und wirklich keine Menschenseele weit und breit die Stille st\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Es war ein wundersch\u00f6nes Jahr<\/strong> mit vielen tollen Erlebnissen und ich kann es nur jedem weiterempfehlen, denn man macht Erfahrungen, die man sonst nirgendwo anderes machen w\u00fcrde und lernt Leute f\u00fcrs Leben kennen. Es lohnt sich wirklich und nicht nur ich, sondern eigentlich alle anderen, mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass es das beste Jahr ihres Lebens war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Artikel wurde zuvor in der 1. Ausgabe des gedruckten Fichtenblattes ver\u00f6ffentlicht. Hey, mein Name ist Fanny Oppermann. 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