{"id":1405,"date":"2020-02-29T23:45:07","date_gmt":"2020-02-29T22:45:07","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1405"},"modified":"2020-02-29T23:45:07","modified_gmt":"2020-02-29T22:45:07","slug":"lehrerbeitrag-how-dare-we-warum-klimaschutz-wehtun-muss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1405","title":{"rendered":"Lehrerbeitrag: \u201eHow dare we!?\u201c Warum Klimaschutz wehtun muss"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Der folgende Artikel wurde zuvor in der <a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1341\">1. Ausgabe des gedruckten Fichtenblattes<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\n<\/em><\/strong><strong><em>Richard Bartsch<\/em><\/strong><em> ist Lehrer an der Fichtenberg-Oberschule und unterrichtet die F\u00e4cher Deutsch und Geographie.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Du m\u00f6chtest bzw. Sie m\u00f6chten einen Debattenbeitrag zu den Themen Schulstress, Digitalisierung oder Fridays for Future verfassen? Sende diesen einfach an: <strong>fichtenblatt@fichtenberg-oberschule.net<br \/>\n<\/strong>Du kannst bzw. Sie k\u00f6nnen aber auch eigene Debattenthemen ansto\u00dfen! Eine anonyme Ver\u00f6ffentlichung ist m\u00f6glich.<br \/>\n<strong><u>Wir freuen uns auf deinen bzw. Ihren Beitrag!<\/u><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong>\u201eHow dare we!?\u201c <\/strong><strong>Warum Klimaschutz wehtun muss<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Greta Thunberg und die \u201eFridays-for-Future\u201c-Bewegung wurden in den Medien bereits aus s\u00e4mtlichen Richtungen kritisiert, gelobt, angefeindet oder verlacht \u2013 was man der Bewegung aber zweifelsohne zugutehalten kann, ist, dass das Thema Klimaschutz wieder so pr\u00e4sent ist wie nie. Denn auch der Druck auf die Politik steigt, endlich etwas Konkretes gegen den Klimawandel zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Proteste gegen politische Lethargie und f\u00fcr konkreten Klimaschutz bergen eine Gefahr: <strong>Man macht es sich viel zu einfach!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u201eHow dare you!\u201c-Ansatz (deutsch: \u201eWie k\u00f6nnt ihr es wagen!\u201c) f\u00f6rdert das Freund-Feind-Schema auf erschreckende Weise. Schuld am Klimawandel sind demnach Politik, die den CO2-Aussto\u00df nicht ausreichend begrenzt, und Industrie, die sich dem Klimaschutz st\u00e4rker verschreiben sollte. Unter dieser vermeintlichen Inkompetenz und Handlungsunf\u00e4higkeit leidet der normale B\u00fcrger, der gegen \u201edie da oben\u201c nichts auszurichten vermag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wesentlicher Grundsatz droht dabei aus dem Fokus zu geraten: <strong>Letztendlich ist es unser Lebensstil, das Lebensniveau, das wir einfordern, welches den Klimawandel beschleunigt.<\/strong> Industrie, Politik und Handel existieren nicht im luftleeren Raum, sie orientieren sich an unseren W\u00fcnschen \u2013 und die sind in einer reichen westlichen Konsumgesellschaft wie der deutschen nicht gerade gering.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verschiedene Studien zeigen, dass zum Beispiel gerade Jugendliche auf Fast Fashion (g\u00fcnstige Kleidung, die in regelm\u00e4\u00dfigen kurzen Abst\u00e4nden neu gekauft wird) setzen, obwohl ihnen die f\u00fcr Natur und Mensch problematischen Herstellungsbedingungen in Asien und der CO2-erzeugende Transport um die halbe Welt bekannt sind. <strong>Nachhaltige Mode ist halt einfach nicht cool genug.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenso verh\u00e4lt es sich mit der Ern\u00e4hrung: Wir sind es gewohnt, das ganze Jahr \u00fcber alles essen und trinken zu k\u00f6nnen, worauf wir gerade Lust haben. Am Sonntag zum Brunch die leckere Avocado-Guacamole, einen Orangensaft oder Kakao dazu \u2013 <strong>warum konsumieren wir dies, obwohl wir wissen, dass nichts davon aus Deutschland stammt?<\/strong> Auch diverse Nachhaltigkeitssiegel \u00e4ndern nichts an der Tatsache, dass gro\u00dfe Fl\u00e4chen tropischen Regenwalds f\u00fcr Bananen, Palm\u00f6l oder Kaffee unwiederbringlich gerodet werden \u2013 <strong>eine Katastrophe f\u00fcr das globale Klima<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klimatechnisch wirklich kritisch wird es bei der Verwendung von Smartphones und PCs: Nicht nur deren Herstellung verschlingt wertvolle Ressourcen, auch der (Dauer!-) Betrieb ben\u00f6tigt immer mehr Energie. <strong>Der CO2-Aussto\u00df, der j\u00e4hrlich in Deutschland nur durch Computer- und Internetnutzung erzeugt wird, gleicht dem ganz Kroatiens.<\/strong> Dass Jugendliche ihr Smartphone im Schnitt alle zwei Jahre durch ein neues Modell ersetzen, verbessert diese Bilanz nicht wirklich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Liste lie\u00dfe sich mit vielen anderen Beispielen fortsetzen, m\u00fcndet aber in eine unbequeme Erkenntnis: <strong>Wir m\u00fcssen uns in unserer Lebensweise teils drastisch beschr\u00e4nken, um die Natur zu bewahren und das Klima zu sch\u00fctzen. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei kann die Politik tats\u00e4chlich wertvolle Hilfe leisten: Fleisch m\u00fcsste beispielsweise deutlich teurer werden, ebenso das Fliegen, welches nach wie vor vom Staat subventioniert wird. In diese Kategorie geh\u00f6rt auch der Verkehr: Der Staat m\u00fcsste demnach konkrete Antworten auf die Frage finden, inwiefern man eine Tonne Stahl und Kunststoff braucht, um von A nach B zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesen Fragen geht es aber nicht nur um staatliche Regulierung, sondern auch um die unserer pers\u00f6nlichen (Konsum-) Freiheit, also letztendlich um die Frage: <strong>\u201eHow dare we?\u201c \u2013 Wie k\u00f6nnen wir es wagen, so zu leben?<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Artikel wurde zuvor in der 1. Ausgabe des gedruckten Fichtenblattes ver\u00f6ffentlicht. Richard Bartsch ist Lehrer an der Fichtenberg-Oberschule und unterrichtet die F\u00e4cher Deutsch und Geographie. Du m\u00f6chtest bzw. Sie m\u00f6chten einen Debattenbeitrag zu den Themen Schulstress, Digitalisierung oder Fridays for Future verfassen? Sende diesen einfach an: fichtenblatt@fichtenberg-oberschule.net Du kannst bzw. 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