{"id":1408,"date":"2020-03-11T23:16:16","date_gmt":"2020-03-11T22:16:16","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1408"},"modified":"2020-03-11T23:16:16","modified_gmt":"2020-03-11T22:16:16","slug":"mit-erasmus-in-daenemark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1408","title":{"rendered":"Mit Erasmus in D\u00e4nemark"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Der folgende Artikel wurde zuvor in der <a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1341\">1. Ausgabe des gedruckten Fichtenblattes<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Artikel von<strong> Noelle Olivier <\/strong>(Q3).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber ein <strong>Erasmus-Programm<\/strong> wurde es sechs Sch\u00fcler*innen sowie drei Lehrkr\u00e4ften unserer Schule erm\u00f6glicht, f\u00fcnf Tage in <strong>D\u00e4nemark<\/strong> zu verbringen, um sich \u00fcber die verschiedenen Schulsysteme und Wege nach der Schule auszutauschen. Neben den deutschen und rund zwanzig d\u00e4nischen Sch\u00fcler*innen waren zudem sechs polnische und sechs mazedonische Sch\u00fcler*innen mit ihren Lehrkr\u00e4ften anwesend. Auch ein norwegischer Schulleiter nahm an dem Austausch teil.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/836dd1bc-0f8c-4721-98c7-ec3d2ae88cd6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1409 alignleft\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/836dd1bc-0f8c-4721-98c7-ec3d2ae88cd6-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"381\" height=\"286\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/836dd1bc-0f8c-4721-98c7-ec3d2ae88cd6-300x225.jpg 300w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/836dd1bc-0f8c-4721-98c7-ec3d2ae88cd6-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/836dd1bc-0f8c-4721-98c7-ec3d2ae88cd6-768x576.jpg 768w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/836dd1bc-0f8c-4721-98c7-ec3d2ae88cd6-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/836dd1bc-0f8c-4721-98c7-ec3d2ae88cd6-816x612.jpg 816w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/836dd1bc-0f8c-4721-98c7-ec3d2ae88cd6.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 381px) 100vw, 381px\" \/><\/a>Am ersten Tag wurden die Sch\u00fcler*innen in zwei Gruppen aufgeteilt und besichtigten zuerst die d\u00e4nischen Schulen. Im Anschluss hielten die Sch\u00fcler*innen Pr\u00e4sentationen \u00fcber sich selbst, ihre Karrierew\u00fcnsche, die Bedeutung der EU f\u00fcr sie und ihr Herkunftsland. Anschlie\u00dfend wurde das <strong>\u201eUgeskema\u201c<\/strong> beobachtet. Das ist ein Konzept, dass es in Deutschland nicht gibt. Die Sch\u00fcler*innen haben ein bis zwei Stunden pro Tag, in denen sie von den Lehrer*innen aufgegebene Aufgaben l\u00f6sen k\u00f6nnen. Wer in den Stunden nicht arbeitet, muss die Aufgaben zu Hause machen. Hausaufgaben gibt es sonst in dem Sinne nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anschluss gab es Mittagessen und die Sch\u00fcler*innen fuhren zu einer Sporthalle. Dort wurden gruppenbildende Spiele gespielt, die das Kommunizieren der verschiedenen Sch\u00fcler*innen erforderten. Gesprochen wurde haupts\u00e4chlich in Englisch oder in der eigenen Sprache, wenn man mit den eigenen Mitsch\u00fcler*innen sprach. Danach ging es zur\u00fcck zu den <strong>Gastfamilien<\/strong>. Wir gingen mit unserer Gastschwester schwimmen, da die Familie lediglich 400 Meter von der Nordsee entfernt wohnt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleich am ersten Tag fiel uns auf, wie viel gr\u00f6\u00dfer die d\u00e4nische Schule war, obwohl sie nur von ca. 200 Sch\u00fcler*innen mehr besucht wird als die Fichte. So gibt es pro Stufe mindestens zwei <strong>Aufenthaltsr\u00e4ume<\/strong> mit K\u00fcche, Pool-Tisch, Aquarium oder Sofas. Auch die <strong>Ausstattung<\/strong> ist erstaunlich. Besonders den Biologie-Raum schauten wir uns n\u00e4her an. Sie besitzen zwei 3D-Drucker, da diese f\u00fcr ein Projekt letztes Jahr gebraucht wurden. Zudem haben sie ein \u00d6kosystem im Glas, dass bereits seit 2004 existiert. Neben zahlreichen ausgestopften Tieren besitzen sie einen Schildkr\u00f6tenpanzer und pr\u00e4parierte Insekten. Au\u00dferdem bekommt jede*r Sch\u00fcler*in ab der 7. Klasse einen <strong>Laptop<\/strong> vom Staat gestellt. Dementsprechend schockiert reagierten die d\u00e4nischen Sch\u00fcler*innen, als wir berichteten, dass wir auf Papier und per Hand schreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am zweiten Tag besuchten wir eine <strong>Schweinefarm<\/strong>. Die Farm ist ein Zuchtbetrieb und somit haben sie mehrere Weibchen, ein paar Eber und Ferkel. Die Ferkel bleiben bei den Muttertieren, bis sie drei Wochen alt sind. Danach kommen sie auf eine Farm, auf der sie aufgezogen werden, und dann kehren sie entweder in den Zuchtbetrieb zur\u00fcck oder werden geschlachtet. Die Muttertiere sind so eingez\u00e4unt, dass sie ausschlie\u00dflich stehen und liegen konnten, w\u00e4hrend die Ferkel sich in den Boxen frei bewegen k\u00f6nnen. Zudem ist ein Sicherheitsmechanismus in Form von Metallb\u00fcgeln eingebaut, der verhindert, dass sich die Muttertiere auf die Ferkel legen und sie zerquetschen. W\u00e4hrend eine unserer Erasmus-Gruppen anwesend war, wurden Ferkel kastriert, bekamen ihren Ohrclip, ihre Schw\u00e4nze wurden gek\u00fcrzt, da sie sich diese sonst aufgrund von Platzmangel gegenseitig abbei\u00dfen, und bekamen eine L\u00f6sung mit vorbeugenden Medikamenten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Nachmittag kehrten wir in die Schule zur\u00fcck, denn in der <strong>Schulk\u00fcche<\/strong> sollte gekocht werden. Ein Metzger erkl\u00e4rte Sch\u00fcler*innen und Lehrer*innen, aus welchem Teil des Schweins man welche Nahrungsmittel herstellt und zeigte dies mit Hilfe eines halben Schweins, welches sp\u00e4ter ebenfalls als Zutat f\u00fcr die Gerichte diente. Die Rezepte f\u00fcr die verschiedenen Gerichte waren nur auf D\u00e4nisch vorhanden, so dass die Sch\u00fcler*innen erneut auf Kommunikation angewiesen waren. Das stellte sich teilweise als etwas kompliziert heraus, da einem Worte nicht einfielen oder man versehentlich seine Muttersprache sprach. Zum gemeinsamen Abendessen wurden die Gastfamilien eingeladen. Da in unserer Gruppe mehrere Sch\u00fcler*innen in Gr\u00fcppchen bei Lehrer*innen unterkamen, waren jedoch nicht so viele Personen da.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am zweiten Tag fiel uns auf, dass die Leute, mit denen wir uns unterhielten, deutlich weniger <strong>Umweltbewusstsein<\/strong> besa\u00dfen als von uns urspr\u00fcnglich angenommen. So wurden beispielsweise Wasserpf\u00fctzen mit Papiert\u00fcchern aufgewischt, vieles war in Plastik verpackt, die zahlreichen Essensreste wurden weggeschmissen und Fridays for Future war den meisten unbekannt. Zudem wurde sich \u00fcber uns lustig gemacht, als wir klarstellten, dass wir uns f\u00fcr den <strong>Klimaschutz<\/strong> einsetzen. Unsere Schule war die einzige, die sich \u00fcber die Behandlung der Schweine schockiert zeigte, was uns ebenfalls verwunderte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am dritten und somit letzten Tag vor der Abreise fuhren die Sch\u00fcler*innen in eine \u201e<strong>TechSkole<\/strong>\u201c. Das ist eine Schule f\u00fcr Ausbildungsberufe, die ab der zehnten Klasse besucht werden kann. Dort wurden die Sch\u00fcler*innen in Gruppen unterteilt und durchliefen nacheinander acht verschiedene <strong>Stationen<\/strong>, an denen sie verschiedene handwerkliche Berufe kennenlernten und 30 Minuten lang ausprobierten. Bei den Grafikdesigner*innen wurde uns das Programm n\u00e4hergebracht, das sie nutzen, und es durfte ein eigenes Design erstellt werden. In der Druckerei konnten T-Shirts bedruckt werden, daf\u00fcr konnten jedoch leider nicht die vorher erstellten Designs verwendet werden, da das zu zeitintensiv gewesen w\u00e4re. An der Elektrik-Station bauten die Sch\u00fcler*innen in Zweiergruppen Verteilersteckdosen, die sp\u00e4ter auf ihre Funktionalit\u00e4t gepr\u00fcft wurden. Danach ging es in die K\u00fcche und es wurden Cupcakes verziert. Bei den Automechaniker*innen montierten die Sch\u00fcler*innen Reifen ab und wieder an, sahen sich den Motorraum eines Rennautos an und bekamen die M\u00f6glichkeit, sich die Technik unter dem Auto anzuschauen. In der Metallverarbeitung wurden Schilder zugeschnitten, scharfe Kanten abgeschliffen, Aufh\u00e4ngungen gebohrt und die Schilder beklebt. Danach ging es zu den Tischler*innen, wo W\u00fcrfel zurecht ges\u00e4gt und bemalt wurden. Zum Abschluss ging es zu den Kosmetiker*innen und Friseur*innen. Dort wurde die Gruppe erneut aufgeteilt. Die eine H\u00e4lfte lernte Handmassagen zu geben, die andere zu flechten und Locken einzudrehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anschluss fuhren wir Sch\u00fcler*innen zur\u00fcck nach <strong>Aalborg<\/strong> und wurden erneut in internationale Gruppen aufgeteilt. Wir bekamen einen Zettel mit acht verschiedenen Orten in Aalborg und acht <strong>Fotochallenges<\/strong>, die erf\u00fcllt werden mussten, wie zum Beispiel ein Selfie oder ein Foto aus der Froschperspektive zu machen. Nach zwei Stunden trafen wir uns an einem <strong>Streetfoodmarkt<\/strong>, bei dem gemeinsam zu Abend gegessen wurde. Anschlie\u00dfend gab es eine <strong>Abschlussfeier<\/strong> in einem Jugendfreizeitheim.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am letzten Tag lernten wir viel \u00fcber die d\u00e4nischen Sch\u00fcler*innen und ihre Interessen, da der zweist\u00fcndige <strong>Spaziergang<\/strong> viel Zeit zum Quatschen mit sich brachte. Im Prinzip sind ihre Hobbys nicht gro\u00df unterschiedlich zu unseren, vor allem machen sie gerne Sport. Die D\u00e4nen, mit denen wir uns unterhielten, spielen Fu\u00dfball, und zocken gerne. Sie haben jedoch deutlich mehr Zeit daf\u00fcr als wir, da sie <strong>keine Hausaufgaben<\/strong> haben, zwischen 14 und 15 Uhr aus der Schule kommen und <strong>deutlich weniger Tests<\/strong> schreiben. Wir redeten erneut \u00fcber die <strong>verschiedenen Schulsysteme<\/strong> und erfuhren so zum Beispiel, dass die D\u00e4nen*innen ihre Lehrer*innen beim Vornamen ansprechen. Die mazedonischen Sch\u00fcler*innen erz\u00e4hlten sp\u00e4ter, dass sie ihre Lehrer*innen nur mit \u201eLehrer\u201c und \u201eLehrerin\u201c ansprechen. Die d\u00e4nischen Sch\u00fcler*innen hatten schon relativ genaue Vorstellungen \u00fcber ihre <strong>zuk\u00fcnftigen Berufe<\/strong>, obwohl sie erst die achte Klasse besuchten. (Nichts gegen Achtkl\u00e4ssler, die meisten aus meiner Klasse hatten zu dem Zeitpunkt aber keinen Plan, was sie sp\u00e4ter werden wollten.) Ich vermute, dass das am d\u00e4nischen Schulsystem liegt. Man besucht bis zur neunten Klasse die allgemeine Schule und kann danach bis zur zw\u00f6lften Klasse ein Gymnasium besuchen, was man tun muss, wenn man studieren m\u00f6chte. Man kann nach der Neunten jedoch auch eine fachspezifische Schule besuchen (zum Beispiel eine Wirtschaftsschule) und dort seinen Abschluss machen oder eine TechSkole besuchen und gleich ins <strong>Berufsleben<\/strong> starten. Auch die TechSkole war sehr interessant, da man in verschiedene Berufe reinschnuppern konnte; ohne ein Praktikum machen zu m\u00fcssen. Bei manchen Berufen merkt man schnell, dass sie einen nicht interessieren und die anderen kann man sp\u00e4ter durch ein Praktikum vertiefen. Zudem konnte man die Auszubildenden nach ihren pers\u00f6nlichen Erfahrungen fragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt haben wir viel Neues durch den Austausch gelernt und waren etwas neidisch auf die d\u00e4nischen Schulen, da sich deutlich zeigte, wie gut ausgestattet Schulen sein k\u00f6nnen, wenn in Bildung investiert wird, und dass gute Bildung trotz geringerer Belastung der Sch\u00fcler*innen erreicht werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Artikel wurde zuvor in der 1. Ausgabe des gedruckten Fichtenblattes ver\u00f6ffentlicht. Ein Artikel von Noelle Olivier (Q3). \u00dcber ein Erasmus-Programm wurde es sechs Sch\u00fcler*innen sowie drei Lehrkr\u00e4ften unserer Schule erm\u00f6glicht, f\u00fcnf Tage in D\u00e4nemark zu verbringen, um sich \u00fcber die verschiedenen Schulsysteme und Wege nach der Schule auszutauschen. 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