{"id":1450,"date":"2020-04-07T22:13:10","date_gmt":"2020-04-07T20:13:10","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1450"},"modified":"2020-04-07T22:13:10","modified_gmt":"2020-04-07T20:13:10","slug":"liken-und-abonnieren-geht-ueber-studieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1450","title":{"rendered":"Liken und abonnieren geht \u00fcber studieren!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Beitrag von <strong>Antonia Nolde<\/strong>, Abiturientin der Fichtenberg-Oberschule im Jahrgang 2018-19.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hi, ich bin Toni und ich habe 2019 mein Abi an der Fichte gemacht. Die*der eine oder andere w\u00fcrde sagen, dass ich durch die freiwillige Wiederholung der elften Stufe ein Lebensjahr \u201everschwendet\u201d habe (wenn man diese Stufe dann aber an einer anderen, sehr tollen Schule mit einer \u201eabstrakten\u201d Au\u00dfenfassade und einem wundersch\u00f6nen Innenleben wiederholt und zusammen mit so tollen Pers\u00f6nlichkeiten sein Abitur macht, ist eher dieser Vorwurf eine Verschwendung). Letztendlich war es das Beste, was ich h\u00e4tte machen k\u00f6nnen. Denn in dieser Zeit konnte ich mich nochmal gr\u00fcndlich umsehen und herausfinden, was ich mit meinem Leben anfangen m\u00f6chte. Au\u00dferdem bin ich immer noch sehr stolz auf unsere Schule, vor allem jetzt, wo ich euren offenen Brief an die Bildungssenatorin gelesen habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin mit zwei Journalisten aufgewachsen und so war es irgendwie klar, dass ich mal \u201eirgendwas mit Medien\u201d machen m\u00f6chte. Aber wie ihr euch vielleicht denken k\u00f6nnt, ist das ein sehr oberfl\u00e4chlicher Begriff f\u00fcr so eine riesige Landschaft. Da ich ein ziemlich gro\u00dfer Fan vom <a href=\"https:\/\/www.funk.net\/\">\u201ejungen Angebot\u201d (auch als funk bekannt)<\/a> der \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender bin, hatte ich gro\u00dfe Lust darauf, bei einer der Produktionsfirmen, die die verschiedenen YouTube- oder Instagram-Kan\u00e4le betreiben, ein Praktikum zu machen. Nun gibt es eine sehr wichtige Sache, die ich jeder*jedem Praktikant*in (schon in der neunten Klasse) ans Herz legen m\u00f6chte, die*der sich f\u00fcr die Medienbranche interessiert: Die Standardformulierungen, die eure Lehrer*innen euch netterweise f\u00fcr die Bewerbungen beibringen, um euch einen guten Rahmen zu geben, k\u00f6nnt ihr streichen. Im Videojournalismus (wof\u00fcr ich mich besonders interessiere) sind diese Satzbausteine vollkommen egal. Wichtig ist, was ihr k\u00f6nnt, wof\u00fcr ihr euch interessiert und vor allem: was ihr lernen wollt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann ging es auch schon los. Auf 15 Bewerbungen kamen vier Antworten, drei davon Absagen. Ich habe mich initiativ, also nicht auf eine ausgeschriebene Stelle beworben, sodass viele Firmen meine Anfrage wahrscheinlich aus diesem Grund gar nicht erst beantworteten. Die einzige Zusage f\u00fcr ein Bewerbungsgespr\u00e4ch kam von Labo M, einer Produktionsfirma, die unter anderem die Formate Karayaka-Talk, Deutschland3000 und follow me.reports f\u00fcr funk produziert. Im Gespr\u00e4ch ging es aber um mehr, als ich erwartet hatte. Welche Videos ich besonders gut fand, welche eher nicht so gut und warum, all das wollte die CvD (Chef*in vom Dienst) der kleinen Redaktion von follow me.reports wissen. Als das Gespr\u00e4ch vorbei war, war ich mir mehr als unsicher, ob sie mich nehmen w\u00fcrden, zumal sie mir gesagt hatte, dass sie erst noch einen anderen Bewerber anh\u00f6ren wollte und sich am n\u00e4chsten Tag melden w\u00fcrde. Mir war bis dahin konstant schlecht, weil ich (wie eigentlich immer) keinen Plan B hatte. Dann die Mail. Ich war dabei. Mit mir bestand die Redaktion aus vier Personen: Joana, Christoph und Karla. Christoph hatte als freier Journalist angefangen, Karla hatte ihr Philosophiestudium abgebrochen (h\u00e4tte sie Herrn Panthel getroffen, w\u00e4re es vermutlich anders gelaufen) und ein Volontariat bekommen. Joana hatte bei einem anderen Format in der Firma angefangen. Wir sa\u00dfen an einem gro\u00dfen Tisch am Fenster, einander gegen\u00fcber, alles sehr entspannt. Ich habe leider nur an der Drehvorbereitung teilnehmen k\u00f6nnen, denn die Drehs selbst fanden in der Zeit, in der ich da war, immer au\u00dferhalb Berlins statt. Ihr denkt, ihr k\u00f6nnt Recherche? Bad news: K\u00f6nnt ihr nicht. Das musste ich auf die harte Tour lernen. Nein, das ist keine Prim\u00e4rquelle, bitte die originale Studie finden, nein, ein Recherchedokument legt man anders an und der schlimmste Teil (der sp\u00e4ter meine Lieblingsaufgabe wurde, weil man dadurch viel neues entdeckt hat) waren die Musikmeldungen (danke daf\u00fcr, liebe GEMA). Eine weitere Aufgabe, die mir am meisten Spa\u00df gemacht hat, war das Telefonieren mit m\u00f6glichen Protagonisten f\u00fcr unsere Reportagen. Die Stimmung im Gro\u00dfraumb\u00fcro war mehr als angenehm und wir sind oft zusammen Mittagessen gegangen. Au\u00dferdem verdanke ich es der Volont\u00e4rin in meiner Redaktion, dass ich die perfekte Hochschule f\u00fcr mich gefunden habe, aber dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Praktikum bei follow me.reports war von Juli bis Ende Oktober gegangen. Wenn ich jetzt nicht noch ein Praktikum machen w\u00fcrde, dann w\u00fcrde der Winter noch langweiliger als sonst. Und dann, einige Wochen vor dem Ende meines Praktikums kam die heilige Botschaft: Eine Zusage f\u00fcr ein weiteres Praktikum bei der Kooperative Berlin!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die n\u00e4chsten drei Monate stand mein Leben KOPF. Denn dieses Praktikum war viel anstrengender. Nicht nur, dass der Weg deutlich l\u00e4nger war (unsere Familie hat kein Auto und ich m\u00f6chte mir gar nicht erst vorstellen, wie es w\u00e4re, in Coronazeiten mit dem Fahrrad anzureisen), es war auch eine vollkommen andere Arbeitsweise. Meine treuen Begleiter wurden mein Laptop und mein Tretroller aus Kindertagen (Gr\u00fc\u00dfe an das kleine M\u00e4dchen, das mir mitgeteilt hat, dass auf diesem Gef\u00e4hrt nur Babys fahren). Damit machte ich alle Boteng\u00e4nge. Im B\u00fcro gab es Hot Desking, jeden Tag setzte man sich also in einen anderen Raum und kommunizierte fast ausschlie\u00dflich \u00fcber Messenger. Aber hey, wir hatten zwei B\u00fcrohunde, die die Arbeitsmotivation EXTREM gesteigert haben. Alle Abl\u00e4ufe waren sehr detailliert geregelt. Montagmorgen das Weekly mit einer Lockerungs\u00fcbung, dann in die Teams (ich war im Team \u201eStory\u201d, das umfasst alle YouTube-Formate, die die Kooperative produziert), dann wieder an den Schreibtisch. Anfangs habe ich bei einem Format gearbeitet, das in einem Studio gedreht wird. Wof\u00fcr waren die Praktikant*innen zust\u00e4ndig? F\u00fcr das Catering (Tipp: Humus, Guacamole, irgendeine Creme aus Gem\u00fcse und Brot &#8211; ihr seid die Sieger der Herzen). Das liegt daran, dass die meisten der Regisseure von zu Hause arbeiten und deshalb keine Drehvorbereitung brauchen. Nach dem ersten Drittel meines Praktikums ist das Format ausgelaufen, die letzten Folgen bekamen von funk ein Budget von 30,-\u20ac. Was jetzt? Ganz ehrlich: Von da an f\u00fchlte ich mich ziemlich einsam. Ich hatte keine wirkliche Bezugsperson, Kontakte zu kn\u00fcpfen war wegen der Onlinekommunikation schwierig, aber daf\u00fcr hatte ich jetzt die Chance, einen Einblick in andere Formate zu gewinnen (Jesus, ich klinge wie ein Boomer). Hier konnte ich meine \u201eheftigen\u201d Rechercheskills anwenden und so allen m\u00f6glichen Redaktionen und Projekten helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Januar war das Praktikum vorbei und jetzt kam die stressigste Zeit meines Lebens. Denn ich hatte (wie immer) keinen Plan B. Zwar hatte ich mehrere Hochschulen auf meiner Liste, die alle einen \u00e4hnlichen Studiengang anbieten. Dabei handelt es sich um ein sehr praktisch gepr\u00e4gtes Studium, in dem du anhand von Projekten alles rund um Film lernst, also Drehbuch, Regie, Kamera, Ton, Schnitt, und so weiter. Das Problem: Die eine forderte einen NC, den ich nicht hatte, die andere forderte einen NC, den ich hatte, aber es dauerte noch, bis sie Bewerbungen annahmen und die n\u00e4chste forderte mehrere Filme oder zumindest Drehb\u00fccher. Kein Problem, aber ich konnte nicht so lang warten. Karla hatte mir die perfekte Hochschule empfohlen, hier in Berlin, eigentlich fast neben Labo M: die Beuth Hochschule.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Karla ist gro\u00dfartig und hat mir ihre Bewerbungsmappe gezeigt, damit ich einen \u00dcberblick hatte, wie sie aussehen muss. Zehn Fotos, drei Portr\u00e4ts, ein Motivationsschreiben, eine Filmbeschreibung, ein Lebenslauf. Puh. Bis zum 02. Februar war es ein einziges Gerenne. Fotostudio, hallo, ich hatte ihnen eine Mail geschickt, hoppla, an den Fotos sind wei\u00dfe R\u00e4nder, ja, weil sie die Fill-Out-Funktion vergessen haben, okay, dann mach ich das hier am Automaten und komme morgen fr\u00fch wieder, jetzt muss ich den Hund rausbringen, okay, dann lauf ich mit ihr halt schnell zum Copyshop, ups, Stick vergessen, wieder nach Hause, achso, ich hatte ihn die ganze Zeit in der Tasche, dann kann ich ja nochmal schnell mit dem Bus los, okay, morgen dann abgeben, krass, der Campus ist ja riesig, wo muss ich das jetzt hinbringen, die Menschen da vorne sehen nett aus, vielleicht kann ich die mal fragen, oh, die studieren ja das gleiche wie ich (hoffentlich) bald, puh, geschafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur, dass es eben noch nicht geschafft ist. Ich muss eine Bef\u00e4higungspr\u00fcfung bestehen, bei der man ein Thema genannt bekommt, innerhalb von 45 Minuten eine Geschichte schreiben muss und dann 24 Stunden Zeit hat, sie in acht Bildern abzubilden und diese zu entwickeln. Ihr d\u00fcrft raten, warum sie jetzt verlegt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solltet ihr auch Interesse an Journalismus haben, kann ich euch die sogenannte Reporterfabrik w\u00e4rmstens empfehlen und w\u00fcnsche euch ansonsten viel Gl\u00fcck auf eurem Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Toni<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Antonia Nolde, Abiturientin der Fichtenberg-Oberschule im Jahrgang 2018-19. Hi, ich bin Toni und ich habe 2019 mein Abi an der Fichte gemacht. Die*der eine oder andere w\u00fcrde sagen, dass ich durch die freiwillige Wiederholung der elften Stufe ein Lebensjahr \u201everschwendet\u201d habe (wenn man diese Stufe dann aber an einer anderen, sehr tollen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1452,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,1],"tags":[],"class_list":["post-1450","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-abi","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fichtenblatt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1450","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fichtenblatt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fichtenblatt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fichtenblatt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fichtenblatt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1450"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/fichtenblatt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1450\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1453,"href":"https:\/\/fichtenblatt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1450\/revisions\/1453"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fichtenblatt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1452"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fichtenblatt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1450"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fichtenblatt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1450"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fichtenblatt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1450"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}