{"id":1673,"date":"2021-06-10T10:07:56","date_gmt":"2021-06-10T08:07:56","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1673"},"modified":"2021-06-10T10:10:30","modified_gmt":"2021-06-10T08:10:30","slug":"sollte-man-gendern-oder-sollte-man-es-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1673","title":{"rendered":"Sollte man gendern oder sollte man es lassen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sollte man gendern oder sollte man es lassen? \u2013 Eine praktische Empfehlung f\u00fcr die Fichtenberg-Oberschule<br \/>\n<\/strong><em>Eine inhaltliche Zusammenfassung der Pr\u00fcfung in besonderer Form (MSA) von <strong>Johanna Langeheinicke<\/strong>, <strong>Paulina Lerchner und Laura Sewing <\/strong>(10a)<\/em><strong>.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Definition:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gendern kommt urspr\u00fcnglich aus dem englischen Sprachraum und bedeutet im Allgemeinen Analyse des Geschlechter-Aspekts in Wissenschaft, Statistik und Lehre. Im Deutschen wird ,,Gendern\u201c meist als \u00dcberbegriff f\u00fcr eine geschlechtergerechte Sprache verwendet, bei der es um das Ziel der Gleichberechtigung der Geschlechter geht, wodurch die schriftliche und gesprochene Sprache ver\u00e4ndert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Arten des Genderns:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt verschiedene Arten zu gendern, jedoch sollte man sich f\u00fcr eine Variante entscheiden, wenn man beispielsweise einen Text schreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Art zu gendern ist die vollst\u00e4ndige Paarform, bei der die weibliche Form vor der m\u00e4nnlichen genannt wird, dies ist meistens die Regel. Eine vollst\u00e4ndige Paarform w\u00e4re zum Beispiel \u201eSch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Art zu gendern w\u00e4re die verk\u00fcrzte Paarform, bei der das \u201eund\u201c durch einen Schr\u00e4gstrich ersetzt wird. -&gt; \u201edie Sch\u00fclerin\/ der Sch\u00fcler\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Medien wird oft, wenn gegendert wird, das Zusammenziehen mit Binnen-I genutzt. Bei dieser Form schreibt man die weibliche Form mit einem gro\u00dfen \u201eI\u201c und macht beim Sprechen eine Pause zwischen dem Stamm des Wortes und der Endung, also beispielsweise \u201eSch\u00fcler-Pause-Innen\u201c. Diese Pause wird Glottisschlag genannt (nicht verwechseln mit dem Gottesschlag)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn sich die weibliche und die m\u00e4nnliche Form nur durch ihre Endung unterscheiden kann man auch die Form des Zusammenziehens mit Schr\u00e4gstrich nutzen. Beispiel: \u201eEin\/e Sch\u00fcler\/in\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei diesen genannten Formen werden nur M\u00e4nner und Frauen angesprochen, aber es gibt auch Formen, bei denen auch die Personen miteinbezogen werden, die sich mit keinem der beiden Geschlechter identifizieren k\u00f6nnen, wie beispielsweise mit Unterstrich auch Gender-gap genannt, L\u00fccke, Doppelpunkt, Punkt und Sternchen zwischen der maskulinen Form des Wortes und der weiblichen Endung im Plural. Beispiel: \u201eSch\u00fcler_innen, Sch\u00fcler innen, Sch\u00fcler:innen, Sch\u00fcler.innen\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Verwendung dieser Arten zu gendern ist es wichtig anzumerken, dass dies auch f\u00fcr beispielsweise Sehbehinderte von Screenreadern richtig vorlesbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die oft verwendete Variante mit Sternchen ist jedoch nicht korrekt vorlesbar, also nicht barrierefrei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt auch noch die M\u00f6glichkeit geschlechtsneutrale Formulierungen, auch partizipiale Formen genannt, zu nutzen, wie zum Beispiel Sch\u00fclerschaft, Mitglieder oder Studierende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Argumente f\u00fcr das Gendern:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Medien wird momentan beispielsweise in der Tagesschau, in den ZDF-Nachrichten wie auch in den rbb-Nachrichten bei Radio Fritz gegendert \u2013 ein Schritt zu mehr Selbstverst\u00e4ndlichkeit in Sachen \u201eGendern\u201c in unser Gesellschaft. Denn je h\u00e4ufiger \u00f6ffentlich gegendert wird, desto eher wird Gendern zur Normalit\u00e4t. Beispielsweise die Sprecher:innen verwenden den Glottisschlag und sagen dann: \u201eExpert \u2013 Pause \u2013 innen\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem ist geschlechtergerechte Sprache nicht nur eine nette Sache f\u00fcr weltoffene Menschen, sondern genau genommen bereits Bestandteil in verschiedenen Gesetzen. Denn sowohl im Grundgesetz (GG) als auch im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist unter anderem geregelt, dass M\u00e4nner und Frauen gleichgestellt sind und keine Person aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit es die dritte Geschlechtsoption \u201edivers\u201c gibt, ist zudem gesetzlich verankert, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. So ist es zum Beispiel notwendig, dass Stellenanzeigen geschlechtergerecht gestaltet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Des Weiteren spricht man in einer Rede oder einem Text meistens nicht nur die m\u00e4nnlichen Personen an, sondern eben alle. Man sollte also auch hier geschlechtergerechte Sprache anwenden. Spricht man beispielsweise die Sch\u00fclerschaft an, meint man nat\u00fcrlich, alle die an der Schule unterrichtet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit den 1980er Jahren sind mehrere Studien ver\u00f6ffentlich worden, die belegen, dass sich nicht alle Menschen vom generischen Maskulinum angesprochen f\u00fchlen \u2013 ein weiteres Argument f\u00fcr das Gendern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Deutschland leben mehr als 80 Million Menschen. Mehrere in Deutschland durchgef\u00fchrte Umfragen haben ergeben, dass 25 % der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr das Gendern sind \u2013 das w\u00e4ren dann ungef\u00e4hr 20 Millionen Menschen! Wahrscheinlich w\u00e4chst der Anteil weiter, weil der Diskurs zum Gendern immer noch relativ jung ist. Und diesen relativ gro\u00dfen Anteil sollte man nicht unber\u00fccksichtigt lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus w\u00fcnschen sich die meisten Menschen Toleranz und Integration \u2013 auch dann w\u00e4re Gendern eine guter und geeigneter Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben auf IServ eine Umfrage durchgef\u00fchrt, um herauszufinden, welche Meinung die Sch\u00fcler:innen der Fichtenberg-Oberschule rund um das Thema Gendern vertreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das Ergebnis ist so ausgefallen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt haben 462 von 797 Teilnehmer:innen mitgemacht, das sind 58%.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der ersten Frage, ob man an unserer Schule gendern sollte, haben 80% mit Ja und 20% mit Nein gestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der zweiten Frage, ob man an unserer Schule einheitlich gendern sollte, haben 70% f\u00fcr Ja und 30% f\u00fcr Nein gestimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Frage, ob man gendern wichtig finde, stimmten ebenfalls 70% f\u00fcr Ja und 30% f\u00fcr Nein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der letzten Frage, n\u00e4mlich ob gendern eine sinnvolle Ma\u00dfnahme f\u00fcr die Gleichberechtigung der Geschlechter ist, stimmten 77% f\u00fcr Ja und 23% f\u00fcr Nein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Ergebnisse der Umfrage zeigen uns, dass eine Mehrheit der Sch\u00fcler:innen unser Schule das Gendern wichtig ist und es auch als Ma\u00dfnahme f\u00fcr mehr Gleichstellung der Geschlechter an der Schule umsetzen m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Argumente gegen das Gendern:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gegner des Genderns meinen, das generische Maskulinum reiche aus und schlie\u00dfe alle Menschen\/Geschlechter ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit argumentierte auch der Bundesgerichtshof, welcher meinte, dass es keine Benachteiligung der Frauen g\u00e4be, wenn die m\u00e4nnliche Variante eines Wortes verwendet wird, denn dies sei allgemeiner Sprachgebrauch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch nach den aktuellen, deutschen Rechtschreibregeln muss das grammatikalische Geschlecht \u2013 das Genus \u2013 nicht mit dem biologischen Geschlecht \u2013 dem Sexus \u2013 \u00fcbereinstimmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies hei\u00dft, dass eine Gruppe von Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen als \u201eSch\u00fcler\u201c bezeichnet werden kann. Und auch eine Gruppe, die aus mehr Sch\u00fclerinnen als Sch\u00fclern besteht, w\u00e4ren \u201eSch\u00fcler\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem k\u00f6nnte mit der Bezeichnung \u201eSch\u00fcler\u201c ein M\u00e4dchen oder eine Frau gemeint sein. Das ist ein Generalirrtum, da kein Zusammenhang zwischen dem Genus und dem Sexus besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus entspricht die Verwendung von beispielsweise dem Gendersternchen nicht den Regeln deutscher Rechtschreibung und k\u00f6nnte somit zu Fehlern f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wird in einem Text konsequent und viel gegendert, f\u00fchrt dies oft zu Unterbrechungen im Lesefluss. Zudem sehen viele das Gendern als kompliziert an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Argument, nicht zu gendern, ist, dass unsere Gesellschaft schon aus vielen Gr\u00fcnden gespalten ist und das Gendern nicht zur Zusammenf\u00fchrung betr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass das Gendern schwerer verst\u00e4ndlich ist f\u00fcr Menschen mit intellektuell-kognitiven oder Seh-Beeintr\u00e4chtigungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Abschlie\u00dfend kann festgehalten werden, dass nur etwa 1\/4 der deutschen B\u00fcrger:innen f\u00fcr und \u00fcber die H\u00e4lfte gegen das Gendern sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend kann man sagen, dass es f\u00fcr beide Seiten viele verst\u00e4ndliche Argumente gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es \u00fcberwiegen jedoch die Argumente daf\u00fcr, da das Argument, dass sich ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung nicht durch das generische Maskulinum eingeschlossen f\u00fchlen schwerer wiegt als das Argument, dass zum Beispiel das Gendern die Sprache verkompliziert oder das Gendern nicht den deutschen Rechtschreibregeln entspricht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vorschlag an die Schule:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Vorschlag an die Schule ist nun, dass man mit dem Doppelpunkt, bei Formalen Briefen\/ E-Mails oder Reden gendert, auf Grund unserer bereits genannten Argumente und das gro\u00dfe Interesse der Sch\u00fcler:innen an unserer Schule. Wir haben uns f\u00fcr den Doppelpunkt entschieden, da dieser Barrierefrei ist, und es auch bei uns auf der Schule Sch\u00fcler:innen mit einer Sehbeeintr\u00e4chtigung gibt, die mitbedacht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch im Unterricht sehen wir es als sinnvoll an, wenn man eine gendergerechte Sprache verwendet, um auch eine gewisse Normalit\u00e4t in diesen Sprachgebrauch zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist aber nat\u00fcrlich nur freiwillig und darf von jeder Lehrkraft frei entschieden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus, sollte es in schriftlichen Test\/ Texten oder anderen Abnahmen bzw. Benoteten Arbeiten bei der Verwendung der geschlechtergerechten Sprache keinen Punktabzug geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sollte man gendern oder sollte man es lassen? \u2013 Eine praktische Empfehlung f\u00fcr die Fichtenberg-Oberschule Eine inhaltliche Zusammenfassung der Pr\u00fcfung in besonderer Form (MSA) von Johanna Langeheinicke, Paulina Lerchner und Laura Sewing (10a). Definition: Gendern kommt urspr\u00fcnglich aus dem englischen Sprachraum und bedeutet im Allgemeinen Analyse des Geschlechter-Aspekts in Wissenschaft, Statistik und Lehre. 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