{"id":1700,"date":"2021-08-25T21:53:47","date_gmt":"2021-08-25T19:53:47","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1700"},"modified":"2021-08-25T21:53:47","modified_gmt":"2021-08-25T19:53:47","slug":"ex-machina-was-bedeutet-es-menschlich-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1700","title":{"rendered":"Ex Machina: Was bedeutet es, menschlich zu sein?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein anonymer Beitrag. Der Text\u00a0 entstand\u00a0 im Rahmen eines Grundkurses Philosophie an der Fichtenberg-Oberschule im Schuljahr 2020\/21.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 2015 erschienene Spielfilm <em>Ex Machina<\/em> handelt von dem Menschen Caleb, von der k\u00fcnstlichen Intelligenz Ava und von ihrem Erfinder Nathan. Beide Menschen sterben am Ende des Filmes, wohingegen Ava das Haus freiheitlich verl\u00e4sst. So stellt sich die Frage, was dies \u00fcber unsere Menschlichkeit aussagt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine der ersten Definitionen \u00fcber den Menschen stammt von dem griechischen Dichter Sophokles in seiner Trag\u00f6die <em>Antigone<\/em>. Der Mensch wird dort als ein Ungeheurer bezeichnet. Damit bringt er zum Ausdruck, dass der Mensch nichts Abgeschlossenes ist, dass er nicht ein f\u00fcr alle Mal eingeordnet werden kann, sondern dass er \u00fcber jede Bestimmung herausragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies wird im Film durch Nathan verk\u00f6rpert, da er sich selbst als Gott ansieht. Er sieht seine Maschinen als n\u00e4chste evolution\u00e4re Stufe an, welche er als Genie erschuf. Allerdings scheitert er bei seinem Versuch, da Ava ihn nicht als Gott ansieht, sondern als Bedrohung gegen\u00fcber ihrer Selbstbestimmung, sodass sie ihn letztendlich t\u00f6tet. Dies spiegelt sich auch in dem Filmtitel, da das <em>Deus<\/em> aus <em>Deus Ex Machina<\/em> fehlt. Der Gott, der wichtigste Bestandteil des Titels ist nicht vorhanden, sodass nur noch die Maschine pr\u00e4sent ist. Der Film verneint somit die Idee des menschlichen Fortschritts. Bereits Friedrich Nietzsche erkannte, dass der Sinn des Lebens nicht objektiv feststellbar sei. Es gelte nicht mehr irgendwohin zu gelangen, sondern jeden Augenblick zu gestalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Laufe des Films stellt sich ein zunehmender Dualismus zwischen der menschlichen und der k\u00fcnstlichen Existenz heraus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum einen entfaltet sich dieser Kontrast anhand der Thematik des Bewusstseins. Ein zentrales Motiv des Films ist das <a href=\"http:\/\/pds9.egloos.com\/pds\/200805\/23\/58\/c0029158_4835ad7cb4570.jpg\">Gem\u00e4lde No. 5 von Jackson Pollock<\/a>. Es wurde mit der Intention gemalt, das menschliche Unterbewusstsein darzustellen. Letzteres macht einen Gro\u00dfteil unseres Verhaltens aus, da unsere bewussten Handlungen laut Freud einerseits nur einen kleinen Teil unseres Geistes ausmachen und andererseits stark von unserem Unterbewusstsein beeinflusst sind. So sind Caleb und Nathan von ihren Trieben beeinflusst. Caleb indem er sich in Ava verliebt, sodass er ihre Manipulation nicht realisiert, und Nathan, indem er nur weibliche Roboter erschafft und durch seinen Alkoholismus seinen eigenen Untergang befeuert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Aspekt der Menschlichkeit ist unsere Endlichkeit. Die Tatsache, dass jeder Mensch eines Tages sterben wird, macht jeden Moment wertvoll. So sieht Nietzsche in der objektiven Sinnlosigkeit den Wert jeden Augenblickes, wohingegen Martin Heidegger im 20. Jahrhundert feststellt, dass es gerade die Begrenztheit und Endlichkeit ist, die dem Menschen einen Sinnhorizont aufzwingt. Seine Sch\u00fclerin Hannah Arendt setzt dem zus\u00e4tzlich das Konzept der Geb\u00fcrtlichkeit entgegen. So sind die Geburt und der Tod die universalen \u00a0Fixpunkte des Menschen. Bei Ava stellt sich so gesehen die Frage, inwiefern sie ohne Endlichkeit ihrem Dasein einen Sinn geben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man erkennt, dass in Ebenen des Bewusstseins, der Endlichkeit und der Bestimmung Unterschiede zwischen dem Menschen und der k\u00fcnstlichen Intelligenz vorhanden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vergleich zu der Tierwelt ist der Mensch in der Lage gleichzeitig Subjekt und Objekt der Erkenntnis zu sein. Er ist nicht nur erkennendes, sondern auch ein handelndes Wesen, wobei er von seinen Instinkten und seiner Vernunft geleitet ist. Diese Unterscheidung l\u00e4sst sich jedoch nicht wirklich auf k\u00fcnstliche Intelligenzen anwenden, da diese solch geistige Leistungen ebenfalls beherrschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Film sieht man, dass in der unber\u00fchrtesten Natur eine hochmoderne, sterile Forschungseinrichtung steht. Letzteres steht f\u00fcr die Geisteswelt, welche gegen\u00fcber der Naturwelt steht. Meiner Ansicht nach ist der Mensch in der Lage beide Welten miteinander zu vereinen. Die Quintessenz all der genannten Punkte ist somit, dass der Mensch die Schnittstelle von Natur und Vernunft, Materie und Geist bildet. Er macht Fehler, er kann sterben, er hat keinen Sinn im Leben, er ist Knecht seines Unterbewusstseins und er ist kein Ebenbild Gottes und genau darin ist er menschlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein anonymer Beitrag. Der Text\u00a0 entstand\u00a0 im Rahmen eines Grundkurses Philosophie an der Fichtenberg-Oberschule im Schuljahr 2020\/21. 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