{"id":1987,"date":"2023-04-02T22:57:19","date_gmt":"2023-04-02T20:57:19","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1987"},"modified":"2023-04-02T22:57:41","modified_gmt":"2023-04-02T20:57:41","slug":"der-vietnamkrieg-1964-1973-in-truth-a-noble-war-2023-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1987","title":{"rendered":"Der Vietnamkrieg 1964-1973 \u2013 \u201ein truth a noble war\u201c? (2023-II)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Beitrag von <strong>Malin B\u00f6sl <\/strong>(Q4). Dieser Text entstand im Rahmen des Geschichtsgrundkurses Q4 (Fachlehrkraft: Hr. Lang; Schuljahr 2022\/2023). Das Unterrichtsmaterial kann aus rechtlichen Gr\u00fcnden hier nicht ver\u00f6ffentlicht werden.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vietnamkrieg folgte auf den Krieg zwischen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und der vietnamesischen Befreiungsbewegung, der mit der Niederlage Frankreichs 1954 endete und zur Teilung des Landes f\u00fchrte. Zun\u00e4chst war der Vietnamkrieg ein B\u00fcrgerkrieg, der sich nach dem Eintreten externer Kriegsparteien wie z.B. den USA 1964 zu einem Krieg ausweitete, der nach dem R\u00fcckzug der USA (1973) schlie\u00dflich 1975 endete. Nach dem Sieg des kommunistischen Nordvietnam \u00fcber S\u00fcdvietnam 1975 kam es schlie\u00dflich zur Wiedervereinigung als Sozialistische Republik Vietnam 1976.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vietnamkrieg standen sich ab 1955 kommunistische Kr\u00e4fte, die von Nordvietnam (sp\u00e4ter auch von der Sowjetunion und China) unterst\u00fctzt wurden, und s\u00fcdvietnamesische Kr\u00e4fte gegen\u00fcber. In den fr\u00fchen 1960er Jahren begannen vor allem die USA, direkte milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung f\u00fcr S\u00fcdvietnam bereitzustellen, einschlie\u00dflich der Entsendung von Bodentruppen. Im Laufe der n\u00e4chsten Jahre wuchs das US-Milit\u00e4rkontingent schnell an und erreichte im Jahr 1968 einen H\u00f6hepunkt von rund 500.000 Soldaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Krieg war von Guerillak\u00e4mpfen und asymmetrischer Kriegsf\u00fchrung gepr\u00e4gt, was bedeutete, dass die Nordvietnamesen und ihre Verb\u00fcndeten, die Viet Cong, auf taktische Flexibilit\u00e4t und gezielte Angriffe setzten, um ihre Ziele zu erreichen. Die US-Truppen waren oft in konventionellen K\u00e4mpfen gefangen und f\u00fchrten massive Bombenangriffe durch, um den feindlichen Widerstand zu brechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den sp\u00e4ten 1960er Jahren wandelte sich die \u00f6ffentliche Meinung in den USA gegen den Krieg und Pr\u00e4sident Richard Nixon startete eine Strategie der &#8222;Vietnamisierung&#8220;, bei der die Verantwortung f\u00fcr den Krieg an die s\u00fcdvietnamesischen Streitkr\u00e4fte \u00fcbergeben wurde. Im Jahr 1973 wurde ein Abkommen zwischen den USA und Nordvietnam geschlossen, das einen Waffenstillstand vorsah, aber der Krieg ging in S\u00fcdvietnam weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1975 fiel schlie\u00dflich Saigon, die Hauptstadt S\u00fcdvietnams, und der Krieg endete mit einer Niederlage der USA und ihren s\u00fcdvietnamesischen Verb\u00fcndeten. Der Krieg forderte sch\u00e4tzungsweise 1,5 bis 3 Millionen Menschenleben und f\u00fchrte zu gro\u00dfen politischen und sozialen Ver\u00e4nderungen in Vietnam und den USA.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitte der 1980er bezeichnete der damals amtierende US-Pr\u00e4sident Ronald Reagan den Vietnamkrieg als &#8222;In truth a noble war&#8220;, also als &#8222;einen wahrhaft edlen Krieg&#8220;. Das bedeutet, dass der Krieg legitim und moralisch notwendig war und dass er im Interesse des globalen Gemeinwohls und der Weltgemeinschaft gef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus heutiger Perspektive kann argumentiert werden, dass der Vietnamkrieg ein Ergebnis der geopolitischen und ideologischen Spannungen des Kalten Krieges war. Die USA betrachteten den Konflikt als Teil eines globalen Wettbewerbs zwischen Kapitalismus und Kommunismus und unterst\u00fctzten daher die s\u00fcdvietnamesische Regierung im Kampf gegen die nordvietnamesische Armee und ihre Unterst\u00fctzer. Die USA verfolgten eine Politik der Eind\u00e4mmung des kommunistischen Expansionismus und bef\u00fcrchteten, dass ein erfolgreicher kommunistischer Aufstand in Vietnam zu einem Dominoeffekt in der gesamten Region f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die US-Regierung begr\u00fcndete ihre milit\u00e4rische Intervention in Vietnam auch mit moralischen Argumenten. Sie argumentierte, dass sie Demokratie, Freiheit und Menschenrechte gegen die Bedrohung durch den Kommunismus verteidigen m\u00fcsse. In diesem Sinne betrachteten einige US-B\u00fcrger den Krieg als &#8222;noble&#8220; (edel), weil er als notwendig und moralisch gerechtfertigt angesehen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings wird diese Position von vielen Historikern und der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung in den USA und auf der ganzen Welt bezweifelt. Denn zun\u00e4chst war der Vietnamkrieg ein verheerender Konflikt, der sowohl f\u00fcr die vietnamesische Bev\u00f6lkerung als auch f\u00fcr die US\u0002Soldaten katastrophale Auswirkungen hatte. Mehr als drei Millionen Menschen starben in dem Konflikt, darunter viele unschuldige Zivilisten. Die Verwendung von \u201eAgent Orange\u201c, einem chemischen Entlaubungsmittel, durch die USA vernichtete nicht nur gro\u00dfe Teile des Laubes der W\u00e4lder und von Biodiversit\u00e4t. Nach Sch\u00e4tzungen des Roten Kreuzes f\u00fchrte es auch dazu, dass nach dem Krieg bis zu eine Million Vietnamesen an gesundheitlichen Sch\u00e4den durch Sp\u00e4tfolgen von Agent Orange leiden, darunter etwa 100.000 Kinder mit angeborenen Fehlbildungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Teilung Vietnams war die s\u00fcdvietnamesische Regierung instabil und es war unklar, ob sie die Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung hatte. Die US-Regierung unterst\u00fctzte die s\u00fcdvietnamesische Regierung und intervenierte schlie\u00dflich milit\u00e4risch, ohne die Folgen ihrer Handlungen und das Potenzial f\u00fcr eine Eskalation des Konflikts angemessen zu beurteilen. Dar\u00fcber hinaus gab es Vorw\u00fcrfe von Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen, die von US-Truppen begangen wurden, einschlie\u00dflich des My Lai-Massakers mit \u00fcber 500 toten Zivilisten, das die Welt schockierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meines Erachtens war der Vietnamkrieg kein \u201enoble war\u201c, kein wahrhaft edler Krieg, sondern ein klassischer Stellvertreterkrieg im Kalten Krieg, bei dem es um die politische, milit\u00e4rische und wirtschaftliche Vorherrschaft der USA gegen\u00fcber der kommunistischen Sowjetunion ging. Um die Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den Krieg zu erh\u00f6hen, hatte man ihn als Krieg gegen den Kommunismus bezeichnet, der den amerikanischen Prinzipien von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten widerspricht und auf diese Weise moralisch legitimiert.<br \/>\nAufgrund fehlender Erfahrungen in der Region hat die US-Regierung den Konflikt falsch eingesch\u00e4tzt und deshalb falsche strategische Entscheidungen getroffen, mit gravierenden Folgen f\u00fcr Millionen von Menschen. Dabei h\u00e4tte die US-Regierung meines Erachtens auch andere M\u00f6glichkeiten gehabt, den Konflikt zu l\u00f6sen, ohne milit\u00e4risch zu intervenieren. Diplomatische Bem\u00fchungen und eine st\u00e4rkere Unterst\u00fctzung der s\u00fcdvietnamesischen Regierung h\u00e4tten m\u00f6glicherweise zu einem anderen Ergebnis gef\u00fchrt. Dar\u00fcber hinaus war der Einsatz von chemischen Entlaubungsmitteln und anderen Waffen (wie Streubomben) mit verheerenden Folgen f\u00fcr Menschen und Umwelt ein beispielloses Verbrechen und keineswegs \u201enoble\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die moralischen und ideologischen Argumente, die von der US-Regierung verwendet wurden, um ihre Handlungen zu rechtfertigen, m\u00fcssen kritisch hinterfragt werden. Meines Erachtens ging es den USA im Vietnamkrieg weniger um einen Kampf f\u00fcr die Freiheit und die Demokratie, sondern eher um ein Eind\u00e4mmen des zunehmenden Einflusses der kommunistischen Sowjetunion und von China und es ging um die US Vorherrschaft in der Region. Hierf\u00fcr starben viele Menschen, unter ihnen viele unschuldige Zivilisten. Diesen Krieg als &#8222;noble&#8220; zu bezeichnen, darf daher bezweifelt werden.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus hatte der Vietnamkrieg auch tiefgreifende Auswirkungen auf die amerikanische Gesellschaft und die Weltordnung. Schlie\u00dflich war er einer der l\u00e4ngsten und umstrittensten Konflikte in der US-Amerikanischen Geschichte. Er f\u00fchrte au\u00dferdem zu einer zunehmenden Spaltung und Polarisierung in der amerikanischen Gesellschaft, da viele Menschen gegen den Krieg protestierten und dessen moralische Legitimit\u00e4t in Frage stellten.<br \/>\nDer Vietnamkrieg f\u00f6rderte dabei soziale Bewegungen f\u00fcr B\u00fcrgerrechte und soziale Gerechtigkeit und trug dazu bei, die politische Landschaft in den USA zu ver\u00e4ndern. Au\u00dferdem beeinflusste der Konflikt auch die Ausrichtung der US-Au\u00dfenpolitik und die Beziehungen zu anderen L\u00e4ndern. Denn der Vietnamkrieg wurde zugleich zum Symbol f\u00fcr die Unf\u00e4higkeit der USA, ihre milit\u00e4rische \u00dcberlegenheit zu nutzen, um globale Konflikte zu l\u00f6sen und f\u00fchrte zu Misstrauen und Feindseligkeit gegen\u00fcber den USA bei. Aus heutiger Perspektive halte ich den Vietnamkrieg und die Beteiligung der USA daran (1964-1973) f\u00fcr einen verheerenden Konflikt mit katastrophalen Auswirkungen und millionenfachem Leid. Es ist wichtig, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und sicherzustellen, dass es nie wieder zu solchen Konflikten kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quellen (letzter Zugriff jeweils am 03.03.2023):<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/lexika\/das-junge-politik\u0002lexikon\/321344\/vietnamkrieg\/\">https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/lexika\/das-junge-politik\u0002lexikon\/321344\/vietnamkrieg\/<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/zeitgeschichte-gegenwart\/politik\u0002gesellschaft\/chronik-vietnamkrieg-100.html\">https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/zeitgeschichte-gegenwart\/politik\u0002gesellschaft\/chronik-vietnamkrieg-100.html<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/kapitel\/geteiltes-deutschland\u0002modernisierung\/internationale-entwicklungen\/vietnam-krieg.html\">https:\/\/www.hdg.de\/lemo\/kapitel\/geteiltes-deutschland\u0002modernisierung\/internationale-entwicklungen\/vietnam-krieg.html<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article140194483\/Sechs-Gruende-warum-die-USA\u0002in-Vietnam-verloren.htm\">https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article140194483\/Sechs-Gruende-warum-die-USA\u0002in-Vietnam-verloren.htm<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Malin B\u00f6sl (Q4). 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