{"id":2344,"date":"2026-06-21T17:27:17","date_gmt":"2026-06-21T15:27:17","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=2344"},"modified":"2026-06-21T17:27:17","modified_gmt":"2026-06-21T15:27:17","slug":"farbenfrohe-heiterkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=2344","title":{"rendered":"Farbenfrohe Heiterkeit"},"content":{"rendered":"<p>Von Lea Schmid (8c)<\/p>\n<p>Die Lehrerin warf einen letzten Blick durch die verstummte Klasse. Ein niemand wagte einen weiteren Versuch, denn die Unbeholfenheit obsiegte. Ratlosigkeit spiegelte sich auf den Gesichtern der Sch\u00fcler, nur ein Gesicht trotzte der Schmach. Eine Hand s\u00e4umte sich im Himmel empor, bereit, das Unm\u00f6gliche zu bezwingen. Die Hoffnung bereits verloren, nahm die Lehrerin die letzte Mutige ran und die unausgesprochenen Worte standen wie ein Dunst um sie herum. Wie erkl\u00e4rt man einem Blinden Farben?<\/p>\n<p>Eine philosophische Frage, welcher sich viele gestellt hatten, aber alle verloren. Doch war es gar nicht sie, die dieser Antwort bedarf, sondern ein Junge, der neben ihr mit erhobenem Haup<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2345 alignright\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Farbenfroh_Bild-300x164.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"164\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Farbenfroh_Bild-300x164.png 300w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Farbenfroh_Bild-1024x559.png 1024w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Farbenfroh_Bild-768x419.png 768w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Farbenfroh_Bild-816x445.png 816w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Farbenfroh_Bild.png 1408w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>t und farblosen Augen stand. Das M\u00e4dchen erhob sich von ihrem Platz und ging auf den Blinden zu. Als sie begann zu sprechen, war ihre Stimme bedacht und wissend. \u201eBevor du sie sehen kannst, musst du verstehen, was sie sind.\u201c Sie lie\u00df die Worte im Raum stehen und fuhr fort, \u201eFarben sind Licht und Licht ist das Gegenteil von dem, was du siehst. Du siehst das Nichts, eine Leere, etwas, das nicht vorhanden ist und Licht ist das Gegenteil. Licht ist alles, das warme Gef\u00fchl auf deiner Haut, wenn die Sonne scheint, was du nicht einmal sehen kannst. Licht ist das hier\u201c, sie ber\u00fchrte mit der Hand seinen Arm und die W\u00e4rme ihres K\u00f6rpers \u00fcbertrug sich auf seinen kalten. \u201eFarben sind alles. Farben sind \u00fcberall und allgegenw\u00e4rtig. Alles um dich herum hat Farben. Jeder Gegenstand, den du ber\u00fchrst, jedes Gesicht, das du ertastest, jeder Fussel, der deine Haut streift, jeder Grashalm, der dich an den F\u00fc\u00dfen kitzelt. Eine Welt ohne Farben g\u00e4be es nicht, denn selbst Grau ist eine Farbe und eine Welt ohne Farbe w\u00e4re das Nichts und das ist, was du siehst. Und doch gibt es die Welt, denn eine Welt ohne Farben gibt es nicht.\u201c<\/p>\n<p>Die Worte waberten zwischen ihnen, doch der Junge blieb erwartungslos. \u201eAber, was sind denn nun die einzelnen Farben? Man sollte meinen, dass es einfach ist zu erkl\u00e4ren, denn wir verbringen unsere Zeit in der Literatur und Kunst mit nichts anderem und doch, wenn die Frage kommt, wei\u00df ein niemand wie zu antworten.\u201c \u201eFarben sind nicht eindeutig, man sieht selten nur eine Farbe, denn Farben k\u00f6nnen sich auch vermischen, wie wenn du zwei verschiedene Joghurtsorten nimmst und sie miteinander vermischst, dann entsteht ein neuer Geschmack, gepr\u00e4gt von den anderen beiden. Und diesen neuen Geschmack kannst du dann wieder mit einem anderen Gemisch vermengen und dann kommt wieder etwas Neues heraus, gepr\u00e4gt von dem davor. Das hei\u00dft, Farben kann man mischen, aber es gibt drei Grundfarben, die man nicht mischen kann, die sind einfach da und aus denen entstehen alle anderen. Die drei Grundfarben hast du bestimmt schon mal geh\u00f6rt.\u201c Er sprach: \u201eJa, habe ich. Sie hei\u00dfen Rot, Gelb und Blau. Aber was sind diese Farben?\u201c Verzweiflung schwang in seiner Stimme.<\/p>\n<p>\u201eRot verleiht seinem Tr\u00e4ger Macht und Eindruck. Es ist eine kraftvolle Farbe, die oft mit Gewalt und St\u00e4rke verbunden wird. Wenn man Rot tr\u00e4gt, dann wirkt man unterbewusst temperamentvoll, selbstsicher und willensstark, aber auch aggressiv. Rot gilt in der Historie als eine Kriegsfarbe. Aber Rot ist auch die Farbe der Liebe. Rot ist auch W\u00e4rme und Geborgenheit, Lust und Verlangen. Rot pr\u00e4gt sich in unsere Sicht ein\u201c, beschrieb sie die erste Farbe. Seine Gesichtsz\u00fcge schienen weicher zu werden. \u201eUnd Gelb?\u201c, fragte er. \u201eGelb verbindet man oft mit Licht. Wenn man ein Bild zeichnet, zeichnet man die Sonne oft gelb, weil sie genauso warm und grell ist wie die Sonne, denn Sonne ist die Grundlage f\u00fcr alles, der Inbegriff der Gegenteile. Nachts ist die Welt still und leise, tags\u00fcber ist sie belebt und aufgeweckt, das macht das Licht, welches die Welt gelblich f\u00e4rbt. Also in den Farben der Natur wirst du immer Gelb finden. Gelb ist auch genauso sauer wie eine Zitrone. Gelb spricht f\u00fcr Leben und lebendig sein, und dazu geh\u00f6rt auch, dass man mal sauer und stechend ist.\u201c Er grinste: \u201eGef\u00e4llt mir, freche Farbe!\u201c<\/p>\n<p>\u201eBlau ist genauso einpr\u00e4gsam wie Rot, nur ausgewogener und sanftm\u00fctiger, aber kann von einem Moment zum anderen umschlagen und zu einer kr\u00e4ftigen und bedrohlichen Flutwelle werden. Blau ist ged\u00e4mpfter und zur\u00fcckhaltender als Rot, aber sie geh\u00f6ren zusammen wie Feuer und Wasser und das Ironische dabei ist, dass diese Elemente, welche perfekt zu der Farbe passen, tats\u00e4chlich diese Farben in unseren Augen haben. Blau verk\u00f6rpert die Wogen des Lebens und seiner Gem\u00fcter. Aus diesen drei Farben entstehen andere Farben mit neuen Eigenschaften, behalten allerdings immer noch einen Teil ihrer Erschaffer. Orange zum Beispiel besteht aus Gelb und Rot. Einer sauren Grellen und einer warmen Temperamentvollen. Sie hat etwas vom feurigen Rot, aber bei weitem nicht so stark. Gr\u00fcn dagegen ist eine Kombination der Farben Gelb und Blau, welche perfekt die Wellen der Meere und Strahlen der Sonne verk\u00f6rpert, zum Wunder der friedlichen Natur. Durch den leichten, dunklen Stich des Blaus, verleiht es der Farbe etwas T\u00fcckisches. Und Lila ist die Mischung aus Rot und Blau. Genauso elegant wie das Wasser, aber so scharf wie das Feuer.\u201c Bei dem Satz musste er schallend loslachen. \u201eUnd gibt es noch mehr Farben?\u201c, erkundigte er sich begeistert. \u201eJa! Viel mehr, mehr als ich \u00fcberhaupt kenne.\u201c Die farblosen Augen schimmerten bei diesen Worten. \u201eIch will alle kennenlernen\u201c, bestimmte er.<\/p>\n<p>Nun war die Lehrerin gezwungen, wieder zu Wort zu kommen. Sie schritt auf sie zu und unterband die weiteren Ausf\u00fchrungen nur widerwillig. Beim Hinausgehen drehte der blinde Junge sich ein letztes Mal zu der Sch\u00fclerin um und fragte: \u201eWelche Farbe hat mein T-Shirt?\u201c \u201eRot\u201c, kam die Antwort. \u201eUnd deines?\u201c, wollte er wissen. \u201eBlau\u201c, gab sie zur Antwort.<\/p>\n<p>Mit einem Schimmern in den Augen und einem L\u00e4cheln auf den Lippen verlie\u00df er den Raum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Lea Schmid (8c) Die Lehrerin warf einen letzten Blick durch die verstummte Klasse. Ein niemand wagte einen weiteren Versuch, denn die Unbeholfenheit obsiegte. Ratlosigkeit spiegelte sich auf den Gesichtern der Sch\u00fcler, nur ein Gesicht trotzte der Schmach. Eine Hand s\u00e4umte sich im Himmel empor, bereit, das Unm\u00f6gliche zu bezwingen. 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