{"id":340,"date":"2016-09-14T13:26:49","date_gmt":"2016-09-14T11:26:49","guid":{"rendered":"http:\/\/fichtenblatt.de\/?p=340"},"modified":"2018-10-23T23:20:58","modified_gmt":"2018-10-23T21:20:58","slug":"sommercamp-in-buchenwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=340","title":{"rendered":"Sommercamp in Buchenwald"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Bericht von <strong>Resa<\/strong> (Q3).<br \/>\n<\/em><br \/>\nBuchenwald, ein Ort mit dem viel verbunden wird. NS-Terrorherrschaft, Ungerechtigkeit oder Tod, aber sicherlich nicht Ferien, Freund*innenschaft oder internationaler Austausch. Jedes Jahr kommen unz\u00e4hlige Menschen, um sich das ehemalige Konzentrationslager auf dem Ettersberg bei Weimar anzusehen &#8211; Tourist*innen, Schulklassen &#8211; wie aus der Fichte im letzten Januar &#8211; und Freiwillige. Freiwillige? Wie viele andere Gedenkst\u00e4tten in der BRD betreibt auch Buchenwald in Kooperation mit Freiwilligenorganisationen internationale Jugendbegegnungen. Diesen Sommer waren es\u00a0 zwei, bei denen ca. 40 junge Menschen aus unterschiedlichen L\u00e4ndern nach Buchenwald gekommen sind, um sich mehr mit der Geschichte des Ortes und der Umgebung, denn wer \u00fcber Buchenwald spricht, sollte Weimar w\u00e4hrend dieser Zeit nicht vergessen, auseinanderzusetzen und bei praktischer Arbeit, die anf\u00e4llt, zu helfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Die Geschichte von Buchenwald<br \/>\n<\/u>Wenn man an die Kulturstadt Weimar denkt, denkt man an Goethe, Schiller, Bauhaus und vielleicht, wenn man schon mal etwas davon geh\u00f6rt hat, an das 10 km entfernte Buchenwald. Weimar und Buchenwald, zwei so unterschiedliche Orte, die auf den ersten Blick sehr schwer zusammenpassen. Weimar und der Ettersberg, den bereits Goethe wegen seiner Sch\u00f6nheit erw\u00e4hnte, passen schon eher zusammen, aber nicht das D\u00fcstere, das von Buchenwald ausgeht. Die wundersch\u00f6ne Kulturstadt an der Ilm und Buchenwald &#8211; diese zwei Gegens\u00e4tze passen einfach nicht zusammen. Doch sobald man sich mehr mit diesen beiden so unterschiedlichen Orten befasst, wird klar, dass man sie nur zusammen nennen kann, um die Geschichte richtig wiederzugeben.<br \/>\nSchon vor 1933 war Weimar nationalsozialistisch gewesen und wurde gerne von Adolf Hitler besucht, der dann im Hotel Elephant gastierte und vom Balkon aus gro\u00dfe Reden schwang. 1937 entschieden die Nazis, dass der nah gelegene Ettersberg gut geeignet war f\u00fcr ein Schutzhaftlager, in dem sp\u00e4ter auch Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und ausl\u00e4ndische Kriegsgefangene inhaftiert wurden. Das System Buchenwald wurde riesig, mit mehreren Dutzend Sub-Camps und unz\u00e4hligen Insassen &#8211; fast nur M\u00e4nner mit Ausnahme der Frauen, die gezwungen waren im H\u00e4ftlingsbordell zu arbeiten. Arbeit, ein Wort das 13 Jahre lang, auch nach der Nazizeit \u00fcber Leben und Tod entschied. Die Arbeit war hart im Steinbruch, kostete viele das Leben, genauso wie denjenigen, die in den Gustloffwerken arbeiteten, die sp\u00e4ter von den Alliierten bombardiert wurden. Nach 1945 war Buchenwald sowjetisches Speziallager, in dem viele Insassen arbeiten wollten,\u00a0 u.a. um der Langeweile zu entfliehen. 1950 wurde das Speziallager Nummer 2 geschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je l\u00e4nger man Zeit in dem ehemaligen KZ verbringt, desto bitterer wird die Wahrheit. Der Mythos \u201eWir haben alle nichts gewusst!\u201c hielt sich lange in der \u00f6ffentlichen Meinung, mitunter wird er durch die noch vorhandenen (Ur-)Gro\u00dfeltern und andere alte Leute, die mit ihm aufgewachsen sind, bis heute vertreten. In der Schule behandelt man diese Frage kritischer, viele wussten viel, aber erst in Buchenwald wurden mir die Ausma\u00dfe klar. Buchenwald liegt an einem Hang, vom Tal konnten die Menschen unten sehen, dass oben auch Menschen waren und dass es dort komischerweise nachts immer Licht gab. Gleichzeitig verdienten viele am KZ mit, da sie es mit Lebensmitteln und anderen G\u00fctern belieferten. Firmen wie \u201eTopf und S\u00f6hne\u201c und viele ihrer Mitarbeiter*innen, Facharbeiter*innen, die ganz normal in Buchenwald zur Arbeit gingen. SS-Offiziere, die ihre Freund*innen aus der Stadt mit hoch brachten, um ihnen den \u201cZoo\u201c zu zeigen, H\u00e4ftlinge, die au\u00dferhalb des Lagers arbeiteten, die vielen Toten, die in der Anfangszeit anfielen\u00a0 und und und &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><u>Freiwilligenarbeit<br \/>\n<\/u>14 Tage gemeinsam mit einer neuen Gruppe in Buchenwald wohnen, kochen, lachen, arbeiten und\u00a0 lernen. Anfang August fand eine deutsch-ukrainisch-russische Begegnung in Buchenwald statt. Bis auf das Wochenende gab es jeden Tag Programm. Zu Beginn \u00fcberwog der Geschichtsteil, damit sich alle Teilnehmer*innen bewusst werden konnten, f\u00fcr was f\u00fcr einen Ort sie sich entschieden hatten. Workshops, F\u00fchrungen und Austausch \u00fcber die anderen Teilnehmer*innen und ihre Herkunftsl\u00e4nder standen auf dem Programm. Man erhielt Einblicke in die Lebensrealit\u00e4t anderer junger Menschen, ihrer nationale Geschichte, wie sie im Unterricht selten vermittelt wird, und was im Klassenzimmer auch so gut wie unm\u00f6glich ist. Einen neuen Zugang zu Teamwork und Geschichte konnte man erleben wie sonst nirgendwo.<br \/>\nDie praktische Arbeit, die anfiel, wurde im Kollektiv verrichtet, egal ob es nun das t\u00e4gliche Kochen oder die Arbeit zur Instandsetzung der ehemaligen Buchenwaldbahntrasse war. Steine und Holz schleppen und die Wege begehbar halten, das waren die Hauptarbeiten, die im Wald anfielen.<br \/>\nArbeiten im Wald sind aber nicht die einzige Arbeit, die anf\u00e4llt. Auch das Restaurieren von kleinen Gegenst\u00e4nden, die auf dem Gel\u00e4nde der Gedenkst\u00e4tte gefunden wurden oder das Erstellen eines Gedenksteins f\u00fcr ein nach Auschwitz deportiertes Kind, sind Teil der Arbeit und die ist noch lange nicht getan. Eigentlich br\u00e4uchte es viel mehr Freiwillige, um diesen Berg an Arbeit zu bew\u00e4ltigen und um die Arbeit an der ehemaligen Buchenwaldbahn, die in erster Linie von ortsans\u00e4ssigen Freiwilligen das Jahr \u00fcber erledigt wird, zu unterst\u00fctzen, damit eines Tages der Gedenkweg fester Bestandteil eines jeden Gedenkst\u00e4ttenbesuchs ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz der vielen Arbeit, die anf\u00e4llt, kommt der Spa\u00df und die Freizeit nicht zu kurz, mehrmalige Besuche der wundersch\u00f6nen, kreativen Stadt Weimar sowie Tagesausfl\u00fcge nach Erfurt oder dem einstigen KZ-Au\u00dfenlager Mittelbau-Dora geh\u00f6rten zu den zwei Wochen, die viel zu schnell vorbei gingen, um alles \u00fcber Buchenwald zu erfahren oder gar das Ende der Arbeit zu sehen. Freund*innenschaften wurden durch die intensive Zeit gekn\u00fcpft und Geschichte &#8222;erlebt&#8220;, wie es kein Klassenzimmer zul\u00e4sst.<br \/>\nIm Gro\u00dfen und Ganzen war es eine sehr &#8222;sch\u00f6ne&#8220; Zeit (, wenn man den Begriff bei der Thematik gebrauchen kann) und die Teilnahme w\u00fcrde ich jeder*m empfehlen, ob Geschichtscrack oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kleine Anmerkung: Die meisten Freiwilligenorganisationen, die Workcamps anbieten, wie beispielsweise SCI, nehmen Freiwillige f\u00fcr Projekte innerhalb Deutschlands ab 16 Jahren. International ab 18 Jahren &#8211; es m\u00fcssen lediglich eine Vermittlungsgeb\u00fchr sowie die Fahrtkosten selber gezahlt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bericht von Resa (Q3). Buchenwald, ein Ort mit dem viel verbunden wird. NS-Terrorherrschaft, Ungerechtigkeit oder Tod, aber sicherlich nicht Ferien, Freund*innenschaft oder internationaler Austausch. 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