{"id":343,"date":"2016-09-24T12:36:00","date_gmt":"2016-09-24T10:36:00","guid":{"rendered":"http:\/\/fichtenblatt.de\/?p=343"},"modified":"2018-10-23T23:20:49","modified_gmt":"2018-10-23T21:20:49","slug":"rassismus-und-schulstreik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=343","title":{"rendered":"Rassismus und Schulstreik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Beitrag von <strong>Resa<\/strong> (Q3).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fr\u00fchsommer verhandelte die EU \u00fcber einen Deal mit der T\u00fcrkei. Die T\u00fcrkei wird dabei als vertrauensw\u00fcrdiger \u201eVerhandlungspartner\u201c dargestellt und zu einem sicheren Herkunftsland gemacht, das sie nie war und nach dem versuchten Milit\u00e4rputsch und dem darauffolgenden erstarkenden t\u00fcrkischen Nationalismus f\u00fcr Gefl\u00fcchtete und unliebsame Minderheiten, wie Kurd*Innen und Alevit*innen, noch weniger ist. Im Rahmen des Projekttags an der Fichte fand genau zu diesem Thema eine Podiumsdiskussion statt. Unterschiedliche Teilnehmer*innen des Podiums konnten sogar Erfahrungsberichte \u00fcber die Situation in der T\u00fcrkei sowie die Lage der Gefl\u00fcchteten auf Lesbos geben. Ergebnis dieser Diskussion war, dass sich die T\u00fcrkei immer weiter von einem demokratischen Staat und somit legitimen Verhandlungspartner*In weg entfernt und es gerade deswegen keine andere M\u00f6glichkeit als die Aufnahme von Gefl\u00fcchteten gibt, da die Situation in Lagern in S\u00fcdeuropa menschenunw\u00fcrdig ist. Zus\u00e4tzlich kommen jeden Tag mehr Menschen, die sich gezwungen sehen zu fliehen. Zu Fu\u00df, \u00fcbers Meer, manchmal Tage, manchmal Jahre unterwegs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konflikte gibt es in vielen Teilen der Welt, sei es in der T\u00fcrkei, durch den Krieg und die Gefahr des IS in Syrien,\u00a0 durch autorit\u00e4re und unterdr\u00fcckerische Systeme wie in Eritrea, durch weitere Milit\u00e4rdiktaturen oder von Milizen bedrohte Regionen in Afrika, aber auch die politische Lage in westlichen L\u00e4ndern wie Amerika br\u00f6ckelt. Das Land ist vor der Wahl gespalten und der Wahlkampf ist gepr\u00e4gt von Skandalen, Hetze und Populismus. Zugleich wird in der jetzigen Debatte vergessen, dass es nicht nur neue Krisenherde und instabile L\u00e4nder gibt, sondern auch Konflikte, die schon jahrzehntelang anhalten und in denen die Menschen \u00fcber Generationen hinweg schon in Fl\u00fcchtlingslagern unter sehr schlechten Bedingungen leben. So zum Beispiel in Kenia, wo sich das gr\u00f6\u00dfte Fl\u00fcchtlingslager der Welt befindet (ca. 600.000 Menschen) und wo Menschen leben, die u.a. aus dem S\u00fcdsudan oder Somalia fliehen mussten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Welt brennt, doch Europa schaut zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und in Europa selbst wird Rechtspopulismus zum neuen, alten Trend von Frankreich und Le Pen \u00fcber Ungarn und Hofer. In der BRD gewinnt die rechtspopulistische AfD bei den Wahlen vor allem die Massen der Nichtw\u00e4hler*innen. Rassistische \u00dcbergriffe nehmen zu. Mittlerweile weichen sogar so genannte linke Parteien von ihrem Kurs, sodass auch die SPD eine Obergrenze fordert und die Linke &#8211; vertreten durch Sahra Wagenknecht &#8211; mit S\u00e4tzen wie \u201eWer sein Gastrecht missbraucht, der hat sein Gastrecht eben auch verwirkt.\u201c auffallen. Es ist anscheinend endg\u00fcltig wieder O.K. Rassist*in zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">ABER, das sollte nicht so sein. Jede*r Mensch, der vor Verfolgung oder Krieg flieht, muss ein Anrecht auf Asyl haben, ansonsten k\u00f6nnten wir das Asylrecht aus s\u00e4mtlichen Gesetzb\u00fcchern streichen. Gute oder schlechte Gefl\u00fcchtete gibt es nicht, es sind Menschen wie alle anderen auch mit St\u00e4rken und Fehlern. Rassismus ist keine L\u00f6sung, spaltet die Gesellschaft und muss in jeder Form bek\u00e4mpft werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt ist schon wieder ein halbes Jahr rum und die Lage von gefl\u00fcchteten in der EU hat sich nicht verbessert &#8211; ganz im Gegenteil! Der EU-T\u00fcrkei-Deal sowie der starke antieurop\u00e4ische Kurs, der sich sowohl im Brexit als auch in den Wahlen in \u00d6sterreich und der Abschottung weiterer europ\u00e4ischer L\u00e4nder zeigt. Der Anstieg von Rassismus in der Gesellschaft hat die EU stark ersch\u00fcttert. Mitte September standen in \u00a0Berlin die\u00a0 Regionalwahlen an und die rechtspopulistische \u00a0AfD zog dank vieler Stimmen unter anderem aus Steglitz-Zehlendorf ins Abgeordnetenhaus ein, d.h. dass sie \u00fcber alle politischen Prozesse mitentscheiden darf, so auch \u00fcber Fragen die Jugendliche, Schulen\u00a0 Migrant*innen oder Projekte gegen Rechtsextremismus betreffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 6.9. konnten Jugendliche eine Kundgebung der NPD mit lautstarkem Protest am Rathaus Steglitz vorzeitig beenden. Jetzt da die AfD erstmal im Abgeordnetenhaus ist, wird Protest gegen sie und ihren Rassismus nicht mehr so einfach sein wie gegen die NPD. Wenn wir diesen besiegen wollen, m\u00fcssen wir aktiv werden. Und nicht vergessen, Rassismus beginnt im Kopf! Menschen aufkl\u00e4ren, in die Diskussion treten, uns einmischen. Die Jugend ist die n\u00e4chste Generation und kann die Gesellschaft ver\u00e4ndern, au\u00dferdem ist sie noch nicht so deprimiert, wie es viele \u00e4ltere Antirassist*innen sind. Unter dem Motto \u201eRassismus stoppen\u201c ruft das bundesweite B\u00fcndnis Jugend gegen Rassismus in mehreren St\u00e4dten u.a. in Berlin am 29.9. wieder dazu auf die Schule zu bestreiken. Sie sehen das Mittel des Streiks, das sonst nur Erwachsenen in ihrem Lohnkampf zur Verf\u00fcgung steht, als ein Sich-weigern an. Gemeinsam wollen sie sich weigern, die jetzige Situation in Berlin, Deutschland und Europa hinzunehmen. Mit vielen anderen Jugendlichen wollen sie auf der Stra\u00dfe ein Zeichen setzen und klar machen, dass sie keinen Bock mehr auf Rassismus und menschenunw\u00fcrdige Behandlung von Gefl\u00fcchteten haben, sie wollen keine Bilder mehr aus Orten wie Lesbos, wo die Menschen auf engstem Raum zusammen gepfercht leben m\u00fcssen und selbst Hilfsorganisationen sich zeitweise zur\u00fcckgezogen haben.<\/p>\n<p>Die Demonstration w\u00e4hrend der Schulzeit findet am 29.9. am Alexanderplatz statt und alle Sch\u00fcler*innen und Azubis sind dazu aufgerufen, sich dieser Gesellschaft zu verweigern. Sch\u00fcler*innen haben im Allgemeinen kein Druckmittel wie es Erwachsene haben, die ihren Arbeitsplatz bestreiken, aber sie k\u00f6nnen zeigen, dass sie die Gesellschaft nicht mehr mittragen wollen und nicht mehr mitspielen. Einfach Mal aus der Reihe tanzen. Das einzige was sie in Kauf nehmen ist ein Fehltag. Doch was ist schon ein Fehltag, wenn man gegen Rassismus auf die Stra\u00dfe gegangen ist, Farbe bekannt hat, in einer Gesellschaft die aus Ungerechtigkeit und vielen Dingen besteht, die uns Sch\u00fcler*innen nicht passen und die wir \u00e4ndern wollen? In einer Gesellschaft ohne Rassismus, aber auch ohne Leistungsdruck gibt es dann wahrscheinlich auch keine Fehltage mehr, oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schulstreik, 29.9., Alexanderplatz, 11h<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Resa (Q3). Im Fr\u00fchsommer verhandelte die EU \u00fcber einen Deal mit der T\u00fcrkei. 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