{"id":378,"date":"2016-11-16T17:30:23","date_gmt":"2016-11-16T16:30:23","guid":{"rendered":"http:\/\/fichtenblatt.de\/?p=378"},"modified":"2018-02-26T16:03:55","modified_gmt":"2018-02-26T15:03:55","slug":"artikel-zum-willkommensklassen-jubilaeum-vom-anpacken-und-ankommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=378","title":{"rendered":"Artikel zum Willkommensklassen-Jubil\u00e4um &#8211; Vom Anpacken und Ankommen"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Artikel von <strong>Resa<\/strong> (Q3)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den meisten wird es mittlerweile aufgefallen sein, dass die Fichte zwei sogenannte \u201eWillkommensklassen\u201c <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> eingerichtet hat. Sp\u00e4testens durch das Bewerben f\u00fcr das Paten*innensystem letztes Jahr wurde publik, dass wir endlich gefl\u00fcchteten Sch\u00fclern*innen eine M\u00f6glichkeit der Beschulung bieten. Und daf\u00fcr hatten wir lange gek\u00e4mpft.\u00a0 Nicht, weil es so \u00e4u\u00dferst popul\u00e4r w\u00e4re. Viele Schulen wollten, bis man sie dazu zwang, gar keine Gefl\u00fcchteten aufnehmen, sondern weil es das Richtige ist. Alle haben ein Recht auf Bildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Uns als Schule, praktisch umgesetzt aber vor allem durch die KaGeRa, war wichtig, dass wir unseren neuen Mitsch\u00fclern*innen anders begegnen, denn wir hatten aus vielen Schulen schon mehr Negatives als Gutes geh\u00f6rt. Wenig Kontakt zwischen den \u201ealten\u201c Sch\u00fclern*innen und den \u201eneuen\u201c Sch\u00fclern*innen, ja sogar Z\u00e4une an Schulen, bei denen die Sporthalle zur notd\u00fcrftigen Unterkunft wurde oder Warnmails an Eltern sowie der Versuch den Kontakt gar nicht erst m\u00f6glich zu machen. Das sollte also Integration sein? An manchen Schulen wussten einige Sch\u00fcler*innen anfangs gar nicht, dass es \u201eWillkommensklassen\u201c gab. Wir wollten das alles anders machen. Ein Konzept musste her. Dar\u00fcber entstand das Paten*innensystem, an dem schon viele noch vor dem Eintreffen der Neulinge Interesse hatten. Die KaGeRa stellte das System im prallgef\u00fcllten Zeichensaal vor und Dutzende trugen sich ein. F\u00fcr uns als KaGeRa war das damals ein gutes Gef\u00fchl, was unsere \u00dcberzeugung, dass es richtig war, uns so lange f\u00fcr Willkommensklassen einzusetzen, nur noch best\u00e4rkte. Schlie\u00dflich h\u00e4tte die Schulgemeinschaft das Projekt auch weniger gut aufnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht alles hat immer reibungslos geklappt hat, schlie\u00dflich gingen alle Beteiligten selber noch zur Schule. Sprachbarrieren mussten \u00fcberwunden werden, auch sind nicht alle Gruppen miteinander warm geworden (das ist menschlich!) oder man musste sich nach kurzer Zeit wieder verabschieden. F\u00fcr alle war das eine komplett neue Situation. Die gut gemeistert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gemeinsame Aktionen, an denen sich wieder viele Sch\u00fcler*innen beteiligten, folgten. Wir gingen zusammen ins Bowling-Center oder kochten, was im \u00dcbrigen super lecker war und wir wiederholen sollten. Einige trafen sich freitags zum Fu\u00dfball und jetzt gibt es einmal im Monat einen Spielenachmittag, der f\u00fcr alle offen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Jahr ist vor\u00fcber, viele haben neue Freunde*innen gefunden, andere neue Freunde mussten uns leider schon wieder verlassen. Einige alte Sch\u00fcler*innen konnten eine Hilfe beim Eingliedern sein und haben teilweise nicht nur Deutsch gelehrt, sondern sind selber um eine neue Sprache reicher geworden.\u00a0 Manche der Sch\u00fcler*innen aus den \u201eWillkommensklassen\u201c nehmen am Unterricht der \u201eRegelklassen\u201c teil und das nach so kurzer Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Jahr vergeht wie im Flug und jedes Jahr kommen neue Sch\u00fcler*innen an die Fichte, wie bei jeder anderen Schule auch. Macht das im Schulalltag dann noch einen wirklichen Unterschied, ob Mensch gefl\u00fcchtet ist oder nicht?<br \/>\nNein.\u00a0 Meiner Meinung nach nicht, denn Integration von jedem neuen Teil einer Klasse, einer Schule oder der Gesellschaft, kann nicht bedeuten, dass alle gleich sagen: \u201eAch guck mal, da ist ja der*die Neue\u201c. Im Gegenteil. Bei gelungener Integration sind die neuen Menschen Teil von etwas, in unserem Fall der Schulgemeinschaft. Und k\u00f6nnen ebenso die M\u00f6glichkeit nutzen in der Masse unterzugehen, wie jede*r andere auch. Oder aber sich gelegentlich in den Mittelpunkt stellen, durch besondere F\u00e4higkeiten oder Charaktereigenschaften. Neu sein ist n\u00e4mlich keine F\u00e4higkeit, ebenso wenig wie gefl\u00fcchtet sein eine ist. Also m\u00fcssen wir endlich alle damit aufh\u00f6ren, Menschen nur auf eine Sache zu reduzieren, das verhindert n\u00e4mlich, sowohl dass mensch sich besser kennenlernt als auch Integration, wonach ganz Deutschland zu schreien scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich ist auch bei uns nicht alles Gold, was gl\u00e4nzt, und eine vollst\u00e4ndige Integration kann es erst dann geben, wenn so etwas wie Willkommensklassen aufgel\u00f6st werden und die neuen Sch\u00fcler*innen viel schneller in die \u201eRegelklassen\u201c kommen, dort aber weiterhin alle bedarfsgerecht gef\u00f6rdert werden, sodass jede*r die Hilfe bekommt, die er*sie ben\u00f6tigt. Trotzdem ist die Fichte auf einem guten Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schickt uns gerne auch eure Meinung zu dem Thema! Einfach an:\u00a0 <a href=\"mailto:fichtenblatt@fichtenberg-oberschule.net\">fichtenblatt@fichtenberg-oberschule.net<\/a> schreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der Begriff Willkommensklassen ist ein wenig problematisch, da es zwar die \u201eWillkommenskultur\u201c der BRD suggerieren soll, Gefl\u00fcchtete aber zumeist nicht willkommen sind, weder vom Staat, der viele wieder abschiebt und alles daran setzt, dass keine mehr in die EU kommen, noch vom Mob auf der Stra\u00dfe. Zus\u00e4tzlich schafft dieser Begriff eine Distanz zwischen Mir und Dir oder Wir und Sie. Zwar ist eine Sprachlernklasse f\u00fcr viele, die weder Deutsch noch Englisch sprachen, als sie ankamen, oder noch nie eine Schule vorher besucht hatten, notwendig, allerdings schafft der Name und der Umstand der Klassen einen Sonderstatus, der hinderlich f\u00fcr Integration ist. Denn man kann nie wissen, wann ein*e neue*r Mitsch\u00fcler*in abgeschoben wird oder die Schule wechseln muss. Au\u00dferdem suggeriert es, dass diese Sch\u00fcler*innen nur aus einem Akt der N\u00e4chstenliebe beschult werden, obwohl in der BRD nicht nur allen, ungeachtet ihrer*seiner Herkunft oder ihres*seines Geschlechts eine Beschulung zusteht, sondern eine allgemeine Schulpflicht herrscht. Au\u00dferdem, was ist der Unterschied zwischen einer \u201eWillkommensklasse\u201c und einer \u201enormalen\u201c, ist das dann eine \u201eNicht-Willkommensklasse\u201c?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Artikel von Resa (Q3) Den meisten wird es mittlerweile aufgefallen sein, dass die Fichte zwei sogenannte \u201eWillkommensklassen\u201c [1] eingerichtet hat. Sp\u00e4testens durch das Bewerben f\u00fcr das Paten*innensystem letztes Jahr wurde publik, dass wir endlich gefl\u00fcchteten Sch\u00fclern*innen eine M\u00f6glichkeit der Beschulung bieten. Und daf\u00fcr hatten wir lange gek\u00e4mpft.\u00a0 Nicht, weil es so \u00e4u\u00dferst popul\u00e4r w\u00e4re. 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