{"id":437,"date":"2017-03-14T21:18:19","date_gmt":"2017-03-14T20:18:19","guid":{"rendered":"http:\/\/fichtenblatt.de\/?p=437"},"modified":"2019-04-04T15:21:27","modified_gmt":"2019-04-04T13:21:27","slug":"jenseits-der-blauen-grenze-dorit-linke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=437","title":{"rendered":"&#8222;Jenseits der blauen Grenze&#8220; (Dorit Linke)"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\"><em>Eine Rezension von <strong>Maurice Rosenbaum<\/strong> (Q4)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\">Jenseits der blauen Grenze\u201c ist ein Roman von Dorit Linke, der 2014 im Magellan Verlag ver\u00f6ffentlicht wurde. Es ist der erste Roman von Dorit Linke und handelt von zwei beziehungsweise drei Jugendlichen in der DDR. Das Thema ist vornehmlich die sozialistische Jugend in der DDR, die sich zwischen jugendlicher Leichtsinnigkeit und ernsthaften Konsequenzen zurechtfinden muss. Hanna ist Protagonistin und Ich-Erz\u00e4hlerin. Sie und ihr bester Freund Andreas besuchen die Erweiterte Oberschule in Rostock. Im Verlauf des Buches kommt Jens Blum auf die Schule, der zuvor in Dresden wohnte. Die drei freunden sich an und verbringen ihre Freizeit miteinander. Das \u00e4ndert sich allerdings als Sachsen-Jensi, wie er von Hanna und Andreas genannt wird, dank eines Ausreise-Antrags die DDR verlassen darf und gen Westen zieht. Aufgrund einer Protestaktion von Hannas Gro\u00dfvater werden sie und Andreas der Schule verwiesen und von allen Bildungsm\u00f6glichkeiten sowie Sportangeboten ausgeschlossen. Nun liegt die Zukunft der beiden in Tr\u00fcmmern und sie sind gezwungen im Dieselmotorenwerk Rostock zu arbeiten. Daraufhin f\u00e4llt Andreas eine Entscheidung: Er m\u00f6chte fliehen, \u00fcber die Ostsee, bis nach Fehmarn schwimmen. Hanna schlie\u00dft sich ihm an.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Linke spricht mit ihrem Roman nicht nur Leser*innen an, die interessiert am Leben und Alltag in der DDR sind, sondern auch diejenigen, die diesen selbst erlebt haben. Sie wuchs selbst in der DDR auf und war im Jahr 1989 beim Mauerfall 18 Jahre alt. Sie sagt, sie habe den Mauerfall bewusst miterlebt. Ihr eigenes Erleben wird in gewissem Ma\u00dfe im Buch widergespiegelt, denn sie war selbst Leistungssportlerin und Rettungsschwimmerin und war zum Abitur zugelassen, genauso wie Hanna. Dass sie das alles am eigenen Leib erlebt hat, wird vor allem durch ihren Schreibstil bemerkbar. Sie verwendet viele Abk\u00fcrzungen und Begrifflichkeiten aus der DDR, die lediglich ohne Verweis in einem Glossar am Ende erl\u00e4utert werden. Auch spielt sie mit Klischees und Vorurteilen, vor allem Sachsen-Jensi gegen\u00fcber, die damals sehr verbreitet waren und bindet diese geschickt in die Geschichte der drei Jugendlichen ein. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Autorin schafft es durchweg ein genaues Bild des Alltags unter der Autorit\u00e4t der DDR zu zeichnen, ohne dabei zu langweilen. Immer und \u00fcberall sind die Jugendlichen jemandem unterstellt, nie sind sie frei. Das erzeugt nichts mehr als den sehnlichen Wunsch nach Freiheit, der sie sogar zu einem absolut t\u00f6dlichen Fluchtman\u00f6ver bewegt. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Besonders ist auch der Schreibstil, denn die Kapitel spielen abwechselnd in der Gegenwart, in der sich Hanna und Andreas bereits auf der Ostsee befinden, und in der Vergangenheit, die zumeist als eine Art Flashback bzw. Erinnerung Hannas auftauchen. Das macht das Buch durchg\u00e4ngig relativ spannend, da der Nervenkitzel der Flucht immer wieder angeregt wird. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Flucht \u00fcber die Ostsee versuchten damals viele Menschen, allerdings schafften es nur wenige. Auch Andreas und Hanna verlangt die Flucht alles ab. Gerade dieser Abschnitt, in dem die beiden an ihre Grenzen kommen, zeigt die schriftstellerischen Qualit\u00e4ten von Linke, die zeitweise fast nur Haupts\u00e4tze benutzt, um die Einfachheit und gleichzeitig die Gefahr zu beleuchten, der Hanna und Andreas ausgesetzt sind.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-size: medium;\">Insgesamt ist das Buch jeder*m zu empfehlen, die*der ein geschichtliches Interesse am Leben in der DDR hat. Wer das nicht hat, sollte sich zu Beginn des Buches nicht vom Weiterlesen abbringen lassen. Anfangs scheint der Spannungsaufbau einige Anfahrtsschwierigkeiten zu haben, die allerdings sp\u00e4ter ausgebessert werden. Das Durchhalten lohnt sich, denn im Verlauf des Buches wird die Geschichte der zwei Jugendlichen wirklich fesselnd dargelegt und gerade f\u00fcr jemanden, der es nicht miterlebt hat, kann dieses Buch eine genaue Vorstellung vom Leben in der DDR vermitteln.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Rezension von Maurice Rosenbaum (Q4) \u201eJenseits der blauen Grenze\u201c ist ein Roman von Dorit Linke, der 2014 im Magellan Verlag ver\u00f6ffentlicht wurde. Es ist der erste Roman von Dorit Linke und handelt von zwei beziehungsweise drei Jugendlichen in der DDR. 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