{"id":458,"date":"2017-03-22T16:21:51","date_gmt":"2017-03-22T15:21:51","guid":{"rendered":"http:\/\/fichtenblatt.de\/?p=458"},"modified":"2018-10-23T23:20:34","modified_gmt":"2018-10-23T21:20:34","slug":"fiktives-interview-zum-thema-rechtsextremismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=458","title":{"rendered":"Fiktives Interview zum Thema Rechtsextremismus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das <strong>fiktive<\/strong> Interview wurde von <strong>Ilayda Hohmann<\/strong>, <strong>Noelle Olivier<\/strong> und <strong>Milena Venn<\/strong> (9c) innerhalb eines Seminars im Haus der Wannseekonferenz im Rahmen des Wahlpflichtkurses Gesellschaftswissenschaften (Klasse 9) erstellt.<u><br \/>\n<\/u><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interviewer*in: <\/strong>Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von WissenRadio. Heute sprechen wir mit zwei schwedischen Frauen, die ein Selbstexperiment gestartet haben. Sie bewegten sich ein Jahr lang in der rechten Szene in Deutschland. Sie berichten heute von einigen ihrer Erfahrungen. Bei uns sind Agnes Br\u00f6msted und Elli Holmsted.<br \/>\nFrau Br\u00f6msted beginnen wir mit ihnen, wie kamen sie auf die Idee, das Selbstexperiment durchzuf\u00fchren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Br\u00f6msted: <\/strong>Wir haben nat\u00fcrlich schon oft von Rechtsextremismus geh\u00f6rt. Das ist ja auch kein Einzelfall in Europa und wir wollten einfach mitf\u00fchlen, wie es ist, zu hassen, und wir h\u00e4tten ja rein theoretisch auch nach Frankreich gehen k\u00f6nnen, aber wir haben fr\u00fcher in der Schule Deutsch gelernt und da hat es sich angeboten, es in Deutschland durchzuf\u00fchren und auch mit der deutschen Geschichte war es ja ein sehr viel interessanterer Zusammenhang und wir wollten einfach wissen, wie es ist als Rechte*r zu leben und wie man sich dabei f\u00fchlt, Tag f\u00fcr Tag hasserf\u00fcllt zu sein und den Hass einfach zu leben und was man an einem Tag macht als Rechter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interviewer*in: <\/strong>Ich habe geh\u00f6rt, dass sie die Veranstaltungen der Rechten zusammen besucht haben. Berichten sie doch beide einmal \u00fcber den Alltag einer*s Rechtsextremen. Frau Holmsted beginnen sie doch mal.<\/p>\n<p><strong>Holmsted: <\/strong>Es gab tats\u00e4chlich einen Tag, der uns sehr in Erinnerung geblieben ist. Da hatten wir das Konzert der Band \u201eAbsurd\u201c besucht. Es war eine Art Metal-Musik und es gab sehr verst\u00f6rende Texte, zum Beispiel eine Lobhymne an die Pest. Die Stimmung da war irgendwie sehr aggressiv und alle waren total rassistisch logischerweise und es war alles sehr antisemitisch. Die Stimmung wurde immer besser, je rassistischer das Lied war und statt Applaus machten sie K\u00fchnengr\u00fc\u00dfe, was eine Abwandlung des Hitlergru\u00dfes ist oder eben auch den Hitlergru\u00df, was ich pers\u00f6nlich sehr verst\u00f6rend fand, weil beiden Gestiken verboten sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interviewer*in: <\/strong>Rechtsextreme Symbole spielen eine sehr gro\u00dfe Rolle in der Szene. Haben sie dort schon welche erkannt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Holmsted: <\/strong>Ja nat\u00fcrlich, es gab zahlreiche Symbole. Unter anderem trugen sie Pullis mit der schwarzen Sonne darauf, das ist ein SS-Symbol und sieht aus wie eine Art Sonnenrad. Man kann darin drei Hakenkreuze erkennen. Dies ist eines der wenigen Symbole, das nicht verboten ist. Au\u00dferdem gab es Tattoos mit der Zahl 88. Das kann \u201eSS\u201c oder \u201eHeil Hitler\u201c bedeuten. Dann das Keltenkreuz, welches ebenfalls verboten ist und \u201e\u00dcberlegenheit der wei\u00dfen, deutsch Rasse\u201c bedeuten soll. Es gab auch noch zahlreiche andere Symbole, unter anderem Hakenkreuze.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interviewer*in: <\/strong>Interessant, es gab also auch auff\u00e4llige Kleidungsst\u00fccke und Accessoires. Nun kommen wir wieder zu Frau Br\u00f6msted, was haben sie denn so erlebt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Br\u00f6msted: <\/strong>Gleich nach dem Konzert konnten wir dann mit unseren \u201eFreunden\u201c zu einer Demo gegen Fl\u00fcchtlinge gehen und unsere Erfahrungen noch erweitern. Die Leute dort waren sehr ver\u00e4rgert und echt sauer auf die Fl\u00fcchtlinge und ich glaube einfach, dass sie Angst hatten. Viele Leute haben dar\u00fcber geredet,\u00a0 dass sie einfach Bazillen mitbringen und aus dieser Angst heraus kam sozusagen eine sehr sehr gro\u00dfe Wut. Und jede*r hat einfach mitgeschrien, egal was f\u00fcr Parolen es waren. Jede*r hat einfach ohne nachzudenken geschrien und mitgebr\u00fcllt. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass einfach die Wut raus musste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interviewer*in: <\/strong>Und gab es dort irgendwelche auff\u00e4lligen Zeichen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Br\u00f6msted: <\/strong>Ja, sehr auff\u00e4llig war zum Beispiel ein CD-Stand, wo jede CD 14,88 gekostet hat, also eine Kombination aus den Zeichen bzw. Zahlen &#8222;14&#8220; und &#8222;88&#8220;.\u00a0 Die 88 steht ja zum Beispiel f\u00fcr \u201eHeil Hitler\u201c oder \u201eSS\u201c. Au\u00dferdem hat man auch viele Pullis mit Firmennamen gesehen, in den Codew\u00f6rter vorkamen. Zum Beispiel gab es die Marke \u201eConsdaple\u201c, in deren Namen sich \u201eNSDAP\u201c findet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interviewer*in: <\/strong>Sie haben sich bestimmt auch mit den Leuten unterhalten, was f\u00fcr Unterhaltungen gab es denn?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0Br\u00f6msted: <\/strong>Das ist tats\u00e4chlich sehr lustig, dass sie das jetzt fragen, weil das ist ein Teil unseres Buches, was wir dar\u00fcber geschrieben haben und wir haben uns einfach mit diesen Leuten unterhalten und die Unterhaltungen aufgezeichnet und so konnten wir dann wortgerreue Sachen in unserem Buch schreiben. Das war echt sehr interessant. Vor allem weil es meistens sehr oberfl\u00e4chliche und klischeehafte Unterhaltungen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interviewer*in: <\/strong>In zwei Worte, wie haben sie dieses Jahr erlebt in dieser rechtsextremen Szene in Deutschland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>Holmsted: <\/strong>Meine zwei Worten w\u00e4ren auf jeden Fall \u201esehr verst\u00f6rend\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interviewer*in: <\/strong>Und ihr Frau Br\u00f6msted?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Br\u00f6msted: <\/strong>Meine w\u00e4ren glaube ich \u201eHass\u201c und \u201eAngst\u201c, weil das einfach diese massiven Gef\u00fchle sind, die da aufeinander getroffen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Interviewer*in: <\/strong>Einen umfangreicheren Einblick erhalten sie in dem Buch der zwei Reporterinnen \u201eEin Jahr hassen\u201c. Dies ist ab morgen verk\u00e4uflich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das fiktive Interview wurde von Ilayda Hohmann, Noelle Olivier und Milena Venn (9c) innerhalb eines Seminars im Haus der Wannseekonferenz im Rahmen des Wahlpflichtkurses Gesellschaftswissenschaften (Klasse 9) erstellt. Interviewer*in: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von WissenRadio. Heute sprechen wir mit zwei schwedischen Frauen, die ein Selbstexperiment gestartet haben. 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