{"id":555,"date":"2017-10-13T19:27:30","date_gmt":"2017-10-13T17:27:30","guid":{"rendered":"http:\/\/fichtenblatt.de\/?p=555"},"modified":"2018-02-26T16:03:42","modified_gmt":"2018-02-26T15:03:42","slug":"freiwilliges-soziales-jahr-gibts-das-auch-fuer-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=555","title":{"rendered":"Freiwilliges Soziales Jahr \u2013 gibts das auch f\u00fcr Politik?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Beitrag von <strong>Antonia M\u00fcller<\/strong>, Abiturientin der Fichtenberg-Oberschule im Jahrgang 2015-2016. Dieser Beitrag wurde in ihrem Politblog\u00a0 <a href=\"http:\/\/politisches-leben.de\/\">politisches-leben.de<\/a> am 18. August 2017 erstver\u00f6ffentlicht. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder kennt das Freiwillige Soziale Jahr. Ob in s<em>ozialen<\/em> Einrichtungen, z.B. in Kindertagesst\u00e4tten, Behindertenheimen oder in Altenpflegeeinrichtungen,\u00a0in <em>kulturellen<\/em> Einrichtungen wie Jugendkulturzentren, Musikschulen, Theatern oder Museen, in Sportvereinen oder in der Denkmalpflege. Es ist die perfekte M\u00f6glichkeit, um sich ein Jahr zu orientieren, das auszuprobieren, von dem man denkt, dass es der Traumberuf w\u00e4re und trotzdem noch einen kleinen Obolus daf\u00fcr bekommen.<br \/>\nDas Ganze dient zwar nicht dem gro\u00dfen Reichtum, daf\u00fcr ist aber auch nicht gedacht. Man soll als junger Mensch etwas f\u00fcr die Gesellschaft tun, neue Leute kennenlernen und in einen Themenbereich reinschnuppern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch was, wenn man dieses FSJ im politischen Bereich absolvieren will? Ich selbst habe mich letztes Jahr dazu entschieden, mich dieser Sache anzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Tr\u00e4ger ist die ijgd. Im Alter von 16 bis 26 Jahren ist man berechtigt, solch ein FSJ zu absolvieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der eigenen Weiterentwicklung, der \u00dcberpr\u00fcfung des eigenen Berufswunsches, dem Kennenlernen neuer Leute, mehr Selbstbewusstsein und Verantwortungsbewusstsein, l\u00e4sst dich ein FSJ im Politischen Bereich selbst aktiv werden und politisch handeln, Politik besser verstehen, Strukturen, Aufgaben und Arbeitsabl\u00e4ufe kennenlernen und Respekt und Toleranz gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die m<\/strong><strong>\u00f6glichen Einsatzstellen sind:\u00a0<\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>politische Stiftungen<\/li>\n<li>Aussch\u00fcsse, Verwaltungen und Gremien der Landes- und Kommunalparlamente<\/li>\n<li>\u00c4mter der Kommunalverwaltung, B\u00fcrgerb\u00fcros, Ausl\u00e4nderr\u00e4te<\/li>\n<li>Kommunalverb\u00e4nde<\/li>\n<li>K\u00f6rperschaften \u00f6ffentlichen Rechts<\/li>\n<li>\u00f6ffentlich-rechtliche Medien, Jugendpresse<\/li>\n<li>Strukturen der Sozialverb\u00e4nde und kirchlichen Verb\u00e4nde<\/li>\n<li>Einrichtungen der \u00fcberparteilichen Bildung<\/li>\n<li>politische Fraktionen des Landtags<\/li>\n<li>Menschenrechtsorganisationen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Momentan wird das FSJ Politik\/Demokratie in\u00a0Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin und Brandenburg angeboten. <em>Meiner Meinung nach, ist es ein Vers\u00e4umnis, dass es nur in diesen Bundesl\u00e4ndern durchgef\u00fchrt werden kann.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wird gef\u00f6rdert durch das Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), das Ministerium f\u00fcr Gesundheit und Soziales Sachsen-Anhalt sowie das Sozialministerium Mecklenburg Vorpommern und durch ESF-Mittel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie erw\u00e4hnt, geht es dabei ja um das freiwillige Engagement, weswegen die Bezahlung recht klein ist. Es gibt ein monatliches Taschengeld und\u00a0Verpflegung (bzw. ein entsprechender finanzieller Ausgleich).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man hat einen Urlaubsanspruch von 26 Tagen. Des Weiteren werden beide Anteile der Sozialversicherung (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) \u00fcbernommen. In der Regel gibt es auch einen Anspruch auf Kindergeld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Praktischerweise kann dieses FSJ auch an einigen Universit\u00e4ten angerechnet werden, sollte man auch einen Studiengang in diesem Bereich beabsichtigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.ijgd.de\/dienste-in-deutschland\/fsj-politikdemokratie\/bewerbung-kontakt.html\">Bewerben<\/a> kann man sich beim Tr\u00e4ger, der ijdg in Berlin. Es gibt ein <a href=\"https:\/\/www.ijgd.de\/fileadmin\/user_upload\/Bewerbungsbogen2016a.pdf\">Online-Bewerbungsformular<\/a>, das man mit einigen anderen Daten versenden soll. Es gibt auch einen kleinen<a href=\"https:\/\/fsj-berlin.ijgd.de\/fileadmin\/content\/berlin\/dokumente\/ijgd-flyer_fsj-ges_10-2013_web.pdf\"> Informationsflyer<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Meine eigene Erfahrung mit dem FSJ Politik\/Demokratie<\/strong><\/p>\n<p>Nach meinem Abitur im Jahr 2016 war mir zwar klar, was ich studieren wollte, nur an der Umsetzung haperte es. Denn der NC f\u00fcr Politikwissenschaften ist in und um Berlin einfach zu hoch f\u00fcr mich gewesen. Also dachte ich, dass es die beste Alternative f\u00fcr mich w\u00e4re, ein FSJ in der Politik zu absolvieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war sp\u00e4t dran, schickte meine Bewerbungsunterlagen im Juli 2016 zum Tr\u00e4ger und wurde auch direkt zu einem Kennenlerntag in deren B\u00fcro eingeladen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir waren insgesamt zehn Jugendliche, die dort sa\u00dfen, sich Informationen zum FSJ im Allgemeinen, aber auch zu m\u00f6glichen Einsatzstellen anh\u00f6rten. Ich geh\u00f6rt zu den wenigen, die noch nicht untergekommen waren. Da wusste ich aber auch noch nicht, wie kompliziert es werden w\u00fcrde, denn mir war klar, dass ich nur direkt in die Politik wollte. Also in den <strong>Bundestag<\/strong>. Fast alle Abgeordneten, die ein FSJ anboten, waren vergeben, so machte ich mich selbst auf die Suche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und es hagelte bergeweise Absagen. Teilweise wird es an mir gelegen haben, das l\u00e4sst sich nicht in Abrede stellen. Aber es lag auch an der anderen Seite, denn kaum jemand war bereit dazu, Geld f\u00fcr einen Freiwilligen auszugeben. Das hat mich schockiert. Denn eigentlich w\u00e4re ich eine billige Arbeitskraft gewesen, 40 Stunden die Woche, 326\u20ac \u00a0Verg\u00fctung im Monat <em>(Meiner Erinnerung nach)<\/em>\u00a0 plus die Versicherungen. Besonders in der Politik h\u00e4tte ich erwartet, dass man sich \u00fcber mein Engagement freuen w\u00fcrde. \u00a0Ich habe meine parteilichen Pr\u00e4ferenzen dann sausen lassen und mich \u00fcberall beworben. Und trotzdem ging ich am Ende leer aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich muss jedoch betonen, dass der Tr\u00e4ger wirklich versucht hat, mich unterzubringen, mir Kontakte vermittelt und bei der Bewerbung geholfen hat. Doch mein Ziel war dann wohl doch zu hoch, obwohl ich bereits in einem Landtag gearbeitet hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann euch also nur raten, euch fr\u00fch genug zu informieren. \u00a0Sucht euch eure m\u00f6glichen Einsatzstellen vorher aus und informiert euch \u00fcber die M\u00f6glichkeiten. Der Tr\u00e4ger wird euch dabei zur Seite stehen. \u00a0Ich denke, je eher man sich informiert und bewirbt, desto h\u00f6her sind die Chancen zum Beispiel auch in den Bundestag zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Endeffekt bin ich einige Zeit sp\u00e4ter doch noch unterkommen. Ich begann ein Praktikum beim SPD-Parteivorstand. Dort durfte ich drei Monate in meiner Wunschabteilung arbeiten. Ich war in der Abteilung II &#8211; Politik, der Abteilung die ma\u00dfgeblich am Wahlprogramm und den Inhalten der Partei beteiligt ist und war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich arbeitete im Referat Kulturelle Moderne, welches unter anderem f\u00fcr die Arbeit der SPD-Grundwertekommission, der Historischen Kommission beim SPD-Parteivorstand, den Bereich Ostdeutschland und viele weitere Bereiche zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Aufgaben waren enorm vielf\u00e4ltig, vom klassischen Recherchieren und Antwortentw\u00fcrfe-Verfassen \u00fcber die Vorbereitung und Begleitung von Sitzungsterminen und Veranstaltungen (<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/buchvorstellung-aufstand-der-anstaendigen-1.3539442\">hier<\/a> findet ihr Infos \u00fcber die Veranstaltung, f\u00fcr die ich am meisten gearbeitet habe) sowie die Ausschreibung des Regine-Hildebrandt-Preises, bis hin zum Lektorat von Ver\u00f6ffentlichungen der Grundwertekommission oder der Gestaltung und inhaltliche Pflege von Internetseiten war echt alles dabei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur, dass ich immer etwas zu tun hatte und mich wie ein vollwertiges Mitglied der Abteilung gef\u00fchlt habe, auch die Mitarbeiter selbst waren alle total aufgeschlossen und lieb zu mir. Die Hierarchien innerhalb meiner Abteilung waren ungewohnt flach, unter Genossen wird sich ja grunds\u00e4tzlich geduzt. Und ich war nicht die Einzige, die sich in jungem Alter daf\u00fcr interessiert, wie die Arbeit in einer Partei ist. Sowohl vor als auch nach mir kamen neue Praktikant*innen und auch w\u00e4hrend meiner Zeit dort war ich nicht alleine. Es gab noch eine weitere Praktikantin sowie diverse Student*innen in meiner Abteilung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach meinen drei Monaten bei der SPD war ich regelrecht traurig, gehen zu m\u00fcssen. Ich hatte sehr viel Spa\u00df bei der Arbeit, habe interessante neue Leute kennengelernt, Martin Schulz pers\u00f6nlich getroffen, konnte Miterleben, wie das Wahlprogramm entstand und habe f\u00fcr mich selbst eine Entscheidung getroffen &#8211; Ich werde irgendwann wiederkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr alle, die Interesse an einem Praktikum bei der SPD haben, geht es <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/service\/jobs\/\">hier<\/a> lang. Und man kann sogar eine Ausbildung zum*r B\u00fcrokaufmann*frau machen, die jeweils zum 1. August des Jahres startet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Antonia M\u00fcller, Abiturientin der Fichtenberg-Oberschule im Jahrgang 2015-2016. Dieser Beitrag wurde in ihrem Politblog\u00a0 politisches-leben.de am 18. August 2017 erstver\u00f6ffentlicht. Jeder kennt das Freiwillige Soziale Jahr. 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