{"id":608,"date":"2017-12-22T22:45:16","date_gmt":"2017-12-22T21:45:16","guid":{"rendered":"http:\/\/fichtenblatt.de\/?p=608"},"modified":"2018-02-26T16:03:41","modified_gmt":"2018-02-26T15:03:41","slug":"analyse-des-songs-wagenburg-kettcar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=608","title":{"rendered":"Analyse des Songs &#8222;Wagenburg&#8220; (Kettcar)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Diese <strong>Liedtextanalyse <\/strong>entstand als freiwilliger Beitrag im Rahmen des <strong>Leistungskurses Politikwissenschaft Q1<\/strong>. Der*die Autor*in m\u00f6chte anonym bleiben. In den PW-Kursen des ersten Oberstufensemester wird das Themenfeld \u201e<strong>Gegner der Demokratie\u201c<\/strong>\u00a0 unterrichtet. Der Song \u201eWagenburg\u201c erschien auf dem 2017 ver\u00f6ffentlichten Album \u201eIch vs. Wir\u201c .<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eWer genau ist da gemeint? &#8211; Der Titel basiert auf dem Song \u201eWagenburg\u201c, wo das Ich und das Wir in verschiedenster Konstellation gegeneinander krachen, da spielen wir mit Ambivalenzen. ,Wir sind das Volk\u00b4meint ja \u2013 Stichwort Pegida \u2013 am Ende ,ich bin das Volk\u00b4, das ist eine Ansammlung von Egoisten, die alles f\u00fcr sich wollen und sich daf\u00fcr unter einem v\u00f6lkischen Begriff sammeln.\u201c Das antwortete Marcus Wiebusch auf die Frage nach der Bedeutung des Albumnamens \u201eIch vs. Wir\u201c, das er gemeinsam mit seiner Band Kettcar nun nach und nach vorstellt. \u201eWagenburg\u201c ist seiner eigenen Aussage nach, Grundlage des Albumtitels und r\u00fcckte damit in den Fokus unseres Leistungskurses der Politikwissenschaft. Ich m\u00f6chte die kurze Analyse des Liedtextes an dieser Stelle fortf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><div style=\"text-algn:left\"><span style=\"display:inline-block;text-align:center;\"><iframe allow=\"autoplay\" class=\"youtube_embed_iframe\"    allowFullScreen=\"true\" style=\"width:640px; height:360px\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/CKWKJitQM74?autoplay=0&theme=dark&loop=0&fs=1&showinfo=1&modestbranding=0&iv_load_policy=3&color=red&autohide=1&disablekb=0&enablejsapi=1&version=3\"><\/iframe><\/span><\/div><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bevor dies jedoch geschehen kann, ist zun\u00e4chst eine Einordnung der Produzenten und ihrer politischen Grundhaltung notwendig. Als Marcus Wiebusch gemeinsam mit f\u00fcnf weiteren Herren die Band Kettcar im Jahr 2001 gr\u00fcndete, war er bereits bekannter Musiker der Punkszene. Die Musikgruppe \u201ebut alive\u201c geh\u00f6rte &#8211; <a href=\"http:\/\/www.but-alive.de\/band_bio.htm\">nach Angaben ihrer Fans<\/a> &#8211;\u00a0 zu den f\u00fchrenden Bands der Punkbewegung. Es werden Vergleiche, in der Popularit\u00e4t, mit Wizo aufgestellt, die Band wird als hochpolitisch, linksradikal und um einiges inhaltreicher als die Mehrheit der Punkrockgruppen bezeichnet. Als wichtigster Akteur der Band \u201ebut alive\u201c galt Marcus Wiebusch, der diese Position auch in \u201eKettcar\u201c innehat. In einigen Biografien wird die Band als etwas weniger politisch motiviert betrachtet, als dies noch bei \u201ebut alive\u201c der Fall gewesen sei. Dem entgegenzustellen ist jedoch zweierlei: Erstens schart sich noch immer eine sehr politische Zuh\u00f6rerschaft um die Gruppe. Das lie\u00df sich in den Kommentaren zu dem Lied erkennen, in dem viel diskutiert wurde und die Nutzer sich selbst als linksradikal betitelten. Demnach ist das Klientel f\u00fcr eine angeblich nicht politische Band sehr auf Politik gerichtet. Zweiteres l\u00e4sst sich ebenfalls an Kommentaren, Rezension und Selbstdarstellung der Gruppe erkennen. So sieht Wiebusch sein Album als \u201eVermittlung von Inhalten\u201c, und will \u201eeine(r) Haltung, von der ich zutiefst \u00fcberzeugt bin, kraftvoll Geh\u00f6r verschaffen.\u201c \u00c4quivalent ist die Meinung der breiten Mehrheit seiner Zuh\u00f6rer. Es ist demnach bei der Liedanalyse notwendig auch auf Merkmale f\u00fcr die politische Grundhaltung, die in Bezug auf Wiebusch und Kettcars Vorgeschichte vermutlich links zu verorten ist, zu achten und diese bei der Herausarbeitung der Botschaft des Liedes einzubeziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese kann im Allgemeinen als die Ablehnung der Entstehung einer \u201eAnsammlung von Egoisten\u201c, die sich rechten Ideen zuwendet, beschrieben werden. Belege finden sich in dem oben aufgef\u00fchrten Zitat, indem eben dieser Egoismus auch als Ausgangspunkt f\u00fcr das Lied \u201eWagenburg\u201c genutzt wurde. Die Zielgruppe ist nach Angaben von Wiebusch weniger der Egoist selbst, sondern die Personen, die nicht zur besorgten B\u00fcrgerschaft z\u00e4hlen. Der \u201eWutb\u00fcrger\u201c ist Objekt des Textes. Das ist an verschieden Stellen belegbar. Zum einen bilden \u201edie besorgten B\u00fcrger\u201c das einzige klar benannte Subjekt des Lieds. W\u00e4hrend beinahe im gesamten Text nur zwischen Eigenschaften des Wir und des Ichs unterschieden wird, ist der besorgte B\u00fcrger in der zweiten Strophe Teil der \u201eGruppe\u201c, die eben diese sucht, also aus einem Ich ein Wir machen will. Zum anderen wird regelm\u00e4\u00dfig ein Pegidabezug hergestellt. So wird der Indentifikationsruf der Bewegung \u201eWir sind das Volk\u201c aufgegriffen, ebenso wie das oft genutzte Unwort des Jahres 2015 \u201eGutmensch\u201c.\u00a0 Die Bewertung des \u201ebesorgten B\u00fcrgers\u201c im Text weist Merkmale linksradikaler Musik auf (<a href=\"http:\/\/www.hss.de\/publikationen\/linksextremistische-musik-pub938\/\">Definitionsnutzung von Ulrike Madest zu linksextremer\/-radikaler Musik<\/a>). So findet sich im Refrain die Bezeichnung \u201eEgoschwein\u201c. Das gilt laut Madest als Hinweis f\u00fcr linksextreme Hintergr\u00fcnde, da eine Dehumanisierung, in Musik solcher Grundhaltungen, \u00fcblich ist. Damit geht auch die Darstellung des \u201ebesorgten B\u00fcrgers\u201c als schlichtweg b\u00f6se einher. Hier kann die Anspielung auf den Hitlergru\u00df, \u201eEin wir hebt gleichzeitig den Arm\u201c, als Beleg gesehen werden. Dennoch kann nicht von einem linksextremen St\u00fcck gesprochen werden. Das ist sowohl an Quantit\u00e4t als auch Qualit\u00e4t der Br\u00fccken zum Linksextremismus festzumachen. Die beiden genannten Stellen sind die einzigen, die als solche Verbindung gesehen werden k\u00f6nnten, jedoch werden sie nur benannt, nicht jedoch in irgendeiner Weise als zu bek\u00e4mpfen dargestellt. Darum handelt es sich meines Erachtens nach mehr um eine subjektive Beschreibung des Wutb\u00fcrgertums, mit stark linker Auspr\u00e4gung. Das ist mit der ausgemachten Grundposition ebenfalls \u00fcbereinstimmend. Der \u00fcbrige Liedtext enth\u00e4lt eben diese Erkl\u00e4rung und Einsch\u00e4tzung der Wutb\u00fcrger. So beginnt das Lied mit der Feststellung, dass der Wutb\u00fcrger die sozialen Medien als Kanal nutze und von \u201eSelbstverwirklichung tr\u00e4ume\u201c. Es folgt der erste Vergleich mit dem \u201eWir\u201c, das \u201eraus auf die Stra\u00dfe gehe\u201c und nach Selbsterm\u00e4chtigung strebe. Hier ist der Bezug zum populistischen Moment herzustellen. Dieser beschreibt eine unzufriedene B\u00fcrgergruppe, die unter anderem durch die Enthemmung der Medien, zu der \u00dcberzeugung kommt, von einer \u201epolitischen Klasse\u201c \u00fcbergangen und vernachl\u00e4ssigt zu werden. Darum wolle man der einem aufgezwungenen politischen Ohnmacht entfliehen, durch Protestmarsch und -wahl. \u00dcberspringt man vorl\u00e4ufig eine Strophe erkennt man eine Fortsetzung der Beschreibung des populistischen Moments. \u201eEin wir ist Sturm auf die Bastille\u201c er\u00f6ffnet diese und wird fortgesetzt mit dem Aufruf \u201eFight the Power\u201c. Hier kann in zweierlei Richtung gedacht werden. Die eine ist die bereits eingef\u00fchrte. Der Sturm auf die Bastille war ein Sinnbild der franz\u00f6sischen Revolution, die gegen die politischen Machthaber gerichtet war, welche keine zwei Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung ausmachten. Genau dieser Vorwurf wird auch bei den \u201eModernisierungsverlieren\u201c, dem Klientel des <a href=\"http:\/\/katapult-magazin.de\/de\/artikel\/artikel\/fulltext\/moralische-entruestung-greift-zu-kurz\/\">populistischen Moments<\/a>, laut. Hier ist die Rede von einer Elite, die sich vom Volk, der Mehrheit also, nichts sagen lie\u00dfe. Darum \u201eFight the power\u201c. Der andere Ansatz beinhaltet die bereits ausgemachte negative Sichtweise der Band auf das Liedobjekt. Bei der Franz\u00f6sischen Revolution wurden die Grunds\u00e4tze Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit erk\u00e4mpft und bei \u201efight the power\u201c handelt es sich um einen Song von \u201ePublic Enemy\u201c, die in diesem die rassistische amerikansiche Regierung anprangern. Wer linke Ansichten \u00fcber Rechts kennt, der wei\u00df, dass jene diesen vorwerfen, die Gleichheit und Br\u00fcderlichkeit einzuschr\u00e4nken, sowie die Menschlichkeit zu verletzten. Es entsteht ein Widerspruch zwischen dem von den Populisten kommunizierten Anti-Establishmentkampf und den genutzten Symbolen der Rechten, die in der Bedeutung der Zeichen enthalten sind. Es k\u00f6nnte eine absichtliche Nutzung solch anzweifelbarer Symbole vorliegen um die Falschheit und Unbegr\u00fcndbarkeit der rechten Idee darzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesen beiden Ans\u00e4tzen werde ich nun folgen. Ersterer, der sich besonders mit dem Erkl\u00e4ren der im Text genutzten Zeichen widmet, wird zuerst bedient: Die vierte Strophe startet mit der Definierung des Ichs als eines, dass \u201eGutmensch\u201c sagt. Dieser Begriff wurde in den letzten drei Jahren (vor allem durch die Pegidabewegung) negativ konnotiert und ist inzwischen die Verachtung eines engagierten Deutschen, der Fl\u00fcchtlingen bei der Integration zur Seite steht. In Kontrast gesetzt wird dieses Ich-Verhalten daraufhin mit dem Wir, dass aktiv werden und sich stark f\u00fchlen will. Hier greife ich nun auf die zweite Strophe zur\u00fcck in der das Ich als \u201eerhaben \u00fcber kollektive Zw\u00e4nge\u201c beschrieben wird. Das Wir ist in dieser Strophe eine \u201efiese Menschenmenge\u201c. Die Korrelation beider Strophen ergibt, dass sich das Wir keineswegs wie der Gutmensch engagieren will, sondern in entgegensetzte Richtung. Die letzte Strophe vor dem Refrain bescheinigt einem Wir eine Kenntnis \u00fcber Solidarit\u00e4t, hingegen das Ich nur f\u00fcr sich selbst k\u00e4mpfe. Das Wir nenne sich das Volk und es folgt die Ellipse \u201eMontagsmarsch Pegida\u201c. Auch hier ergibt der Zusammenhang der Strophe ein anders Bild als die Betrachtung jedes Verses. Mag es zun\u00e4chst so scheinen als w\u00fcrde ein Wir Solidarit\u00e4tsgef\u00fchl bewirken, vielleicht sogar Solidarit\u00e4t mit anderen, und ein Wir das Volk bilden und so wichtig f\u00fcr die Funktionst\u00fcchtigkeit der Demokratie sein, ver\u00e4ndert das Gesamtbesehen den Eindruck. Es ergibt sich, dass ein Wir nur untereinander \u201esolidarisch\u201c ist. Die Nutzung des Wortes \u201eschreien\u201c erzeugt einen fast schon l\u00e4cherlich wirkenden Anspruch dieses Wirs, ein Volk zu sein, dass aber eigentlich nur aus den Pegidaanh\u00e4ngern und nicht aus einer gesamten Bev\u00f6lkerung bestehe (das zeigt sich in dem Folgevers \u201eMontagsmarsch Pegida\u201c ebenso, denn in diesem wird die Gruppe definiert). Der Refrain erl\u00e4utert die Entwicklung vom Ich zum Wir als einen Prozess, in dem das \u201eEgoschwein\u201c nach wie vor nur an sich denkt, und die anderen \u201eEgoschweine\u201c, die das gleiche wollen, statt dass eine Gemeinschaft eine gesamtsolidare Einstellung entwickelt. Das zeigt auch die darauffolgende Feststellung, ein Wir sei nur Ansammlung vieler Ich, die eine Wagenburg formieren wollten. Das erlaubt eine weitere Br\u00fccke zum populistischem Moment, der eine Art Wohlstandschauvinismus als signifikantes Merkmal nennt. Eben dies kann mit dem Bild der Wagenburg kenntlich gemacht werden. Diese ist eine Schutzform der Siedler Amerikas vor \u00dcbergriffen durch fremde V\u00f6lker. Nach dem Refrain wird das Wir als eine Einheit beschrieben, die \u201eim Takt klatscht\u201c und \u201egleichzeitig den Arm hebt\u201c. Eben diese Einheit mache auch das Ich kenntlich, in dem es durch Onlinepetitionen die Vielzahl an Gleichgesinnten zeigt. Hier kann interpretiert werden, dass Kettcar sich \u00fcber die Stumpfheit der Zurschaustellung der Gr\u00f6\u00dfe echauffiert. Das erh\u00e4rtet sich in der sechsten Strophe, die zum Schluss wiederholt wird und mit der Aufl\u00f6sung beginnt, wer den Wir und Ich ist. So hei\u00dft es, dass ein Wir \u201eseinen \u00f6ffentlichen Raum wolle\u201c und ein Ich \u201eseinen Teil vom Kuchen\u201c.\u00a0 Auch in dieser Passage kann ein Bezug auf den populistischen Moment genommen werden. Sowohl der oben angedeutete Wohlstandschauvinismus, als auch die Befreiung aus der politischen Ohnmacht sind wiederzuerkennen, und erneut ist sie negativ dargestellt. Der Teil vom Kuchen ist vergleichbar mit der Idee vom Platz an der Sonne und ist somit f\u00fcr mich klar negativ gepr\u00e4gt, da besonders in der heutigen Weltlage Deutschland mit am besten dasteht und die Idee kaum mehr zeitgem\u00e4\u00df ist. Da es sich um linke Interpreten handelt ist ein \u00e4hnlicher Gedankengang vermutbar. Nach der erneuten Wiederholung der Refrains wird das Ich als ein in vielen T\u00e4tigkeiten befindliches Objekt beschrieben. Es sei Hedgefonds-Manager, Amokl\u00e4ufer und Selbstmordattent\u00e4ter. Hier l\u00e4sst sich erneut eine Stigmatisierung einer rechten Weltanschauung als vollst\u00e4ndig b\u00f6se einstufen. Die beiden letzteren sind in ihrer Bedeutung offensichtlich, die erste T\u00e4tigkeit mit Einbezug der linken Gesinnung Kettcars ebenfalls. So sei das wir \u201eVolk, Nation, Gesinnung, Gang, Mob und (M\u00f6rder von Verr\u00e4tern)\u201c. Auch hier ist das Zusammenspiel aus Mob und Gang mit Volk und Nation Ursache einer negativen Botschaft, die mit Hinblick auf den gesamten Text deutlich wird. So bleibt die herbe Kritik an den besorgten B\u00fcrgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch verstecken sich noch mehr potentielle Stellen f\u00fcr die Einstufung des Textes als einen mit mehrdeutigen Botschaften in dem Lied?\u00a0 Sicherlich. Zwei sind mir dabei noch besonders aufgefallen. Zun\u00e4chst die Nutzung des \u201eMontagsmarsches\u201c. Dieser war, wie der Sturm auf die Bastille unter anderem eine Freiheitsbewegung, in der die Menschen der DDR f\u00fcr die \u00d6ffnung von Grenzen einstanden. Eben diese will Pegida nun wieder schlie\u00dfen, aber nicht f\u00fcr sich, sondern f\u00fcr andere. Gleiches gilt f\u00fcr das zweite Beispiel, die Wagenburg. Diese wurde damals von Menschen errichtet, die strenggenommen geklautes Gut vor seinen eigentlichen Eigent\u00fcmern sch\u00fctzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In beidem kann ein erster Versuch einer Deutung des Albumtitels in dem Lied vorgenommen werden. Ein Ich versteckt sich in einem vermeintlichen Wir, dass jedoch \u201eaus vielen Ichs besteht\u201c, um sein v\u00f6lkisches Wir zu sch\u00fctzen und sich einem echten Wir zu verwehren. Darin kann auch die Aussage vom Textbeginn von Marcus Wiebusch eingegliedert werden. Seine Aussage, dass die Vielzahl der Ichs sich nur \u201eunter einem v\u00f6lkischen Begriff sammeln&#8220;, passt dazu. Auch die Textpassage der Ichs, die sich in einem Wir <u>verlieren,<\/u> kann eingebunden werden. Es ergibt sich, dass Ich und Wir zwar \u00e4hnliche Grundpositionen einnehmen, aber kein wirkliches Wir entsteht. Am Ende ist Ich nicht Teil des Wirs, sondern steht im st\u00e4ndigen Konflikt zum v\u00f6lkischen Wir, da es nur seine Interessenvertretung bildet, nicht aber seine Gemeinschaft ist. So wird das Wir vom Ich missbraucht, \u201eum zu zeigen, wieviel man hat\u201c. Es ergibt sich ein Kampf zwischen dem Ich, dass immer sehen muss, dass das Wir es nicht verl\u00e4sst und dem Wir, dass als Schild der Ichs fungiert, aber gar kein Wir mit einheitlichen Werten bildet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade dieser Konflikt aus Ich und Wir ist meines Erachtens nach sehr interessant, weil er treffend formuliert ist. Der Populismus bringt Menschen zusammen, die bis auf ihre Unzufriedenheit und Angst nicht zwingend etwas verbindet. Deswegen identifizieren sie sich als wir \u00fcber eine Ablehnungshaltung und entwickeln sich, zum Beispiel im Umgang mit der Presse, dann und wann zur fiesen Menschenmenge. Jedoch kann ich nicht allem zustimmen. Besonders die \u00dcberspitzung der Gesinnung des besorgten B\u00fcrgers und seine Gleichsetzung mit einem Nazi ist f\u00fcr mich nicht nachvollziehbar. Auch sonst ist der Text sehr einseitig verfasst und geht kaum auf die nachvollziehbaren und zweifellos vorhandenen Ursachen f\u00fcr den populistischen Moment ein. Jedoch ist das laut Interpreten auch nicht Ziel des Liedes und ein bisschen H\u00e4rte und Stigmatisierung durch K\u00fcnstler gegen einen aus Zukunftspessimismus und Liberalisierungsablehnung (siehe <a href=\"http:\/\/katapult-magazin.de\/de\/artikel\/artikel\/fulltext\/moralische-entruestung-greift-zu-kurz\/\">\u201eMoralische Entr\u00fcstung greift zu kurz\u201c<\/a>) entstandenen Populismus d\u00fcrfen erlaubt sein,\u00a0 wenn auch klar sein muss, dass dies zu einer Verh\u00e4rtung der Fronten f\u00fchren kann, sobald dieses Lied popul\u00e4r wird.<\/p>\n<p>Verwendete Internetquellen:<br \/>\n[1] <a href=\"http:\/\/www.but-alive.de\/band_bio.htm\">www.but-alive.de\/band_bio.htm<\/a><br \/>\n[2] <a href=\"http:\/\/www.eventim.de\/kettcar-biografie.html?affiliate=EVE&amp;doc=artistPages\/biography&amp;fun=artist&amp;action=biography&amp;kuid=1095\">www.eventim.de\/kettcar-biografie.html?affiliate=EVE&amp;doc=artistPages\/biography&amp;fun=artist&amp;action=biography&amp;kuid=1095<\/a><br \/>\n[3] <a href=\"http:\/\/katapult-magazin.de\/de\/artikel\/artikel\/fulltext\/moralische-entruestung-greift-zu-kurz\/\">katapult-magazin.de\/de\/artikel\/artikel\/fulltext\/moralische-entruestung-greift-zu-kurz\/<\/a><br \/>\n[4] <a href=\"http:\/\/katapult-magazin.de\/de\/artikel\/artikel\/fulltext\/zurueck-ins-19-jahrhundert\/\">katapult-magazin.de\/de\/artikel\/artikel\/fulltext\/zurueck-ins-19-jahrhundert\/<\/a><br \/>\n[5] <a href=\"https:\/\/www.musikblog.de\/2017\/10\/wir-sind-keine-parolenband-kettcar-im-interview\/\">www.musikblog.de\/2017\/10\/wir-sind-keine-parolenband-kettcar-im-interview\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Liedtextanalyse entstand als freiwilliger Beitrag im Rahmen des Leistungskurses Politikwissenschaft Q1. 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