{"id":715,"date":"2018-02-05T22:15:57","date_gmt":"2018-02-05T21:15:57","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=715"},"modified":"2019-09-27T12:03:40","modified_gmt":"2019-09-27T10:03:40","slug":"benjamin-und-brecht-denken-in-extremen-lohnt-sich-ein-besuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=715","title":{"rendered":"\u201eBenjamin und Brecht &#8211; Denken in Extremen\u201c &#8211; Lohnt sich ein Besuch?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Beitrag von <strong>Laura Visca<\/strong> (Q2).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 04. Januar 2018 besuchte unser Deutsch-Leistungskurs die Ausstellung <em><a href=\"https:\/\/www.adk.de\/de\/programm\/?we_objectID=57258\">\u201eBenjamin und Brecht &#8211; Denken in Extremen\u201c<\/a>\u00a0 <\/em>in der Akademie der K\u00fcnste. Da zu unserem Kurs zwei blinde Sch\u00fclerinnen geh\u00f6ren und diese Ausstellung speziell f\u00fcr sehbehinderte Menschen gemacht wurde, nahmen wir das zum Anlass, uns auf eine Zeitreise der Freundschaft von Brecht und Benjamin zu begeben. Auf diese wurden wir von drei F\u00fchrer*innen und vier Schauspieler*innen mitgenommen. Die F\u00fchrer*innen informierten uns \u00fcber die spezielle Freundschaft der beiden Autoren, aber auch \u00fcber ihre Freunde, von denen nicht alle angetan von der Bekanntschaft schienen und dies in Briefen mitteilten. Diese Briefe wurden uns von den Schauspieler*innen vorgetragen. So schrieb Theodor W. Andorno: \u201eUnter Brechts Einfluss treibt Benjamin nur dumme Dinge\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die F\u00fchrung begann mit der Vorstellung des K\u00fcnstlers Brecht und des Kunstkritikers Benjamin. Bertold Brecht (1898-1956) und Walter Benjamin (1892-1940) \u00a0verband eine spezielle und dennoch innige Freundschaft. Der eine ist bekannt als einer der bedeutsamsten Dichter des 20. Jahrhunderts, der andere ein rational denkender Kritiker. Beide interessierten sich f\u00fcr Literatur, Kultur, Politik und Kunst. Gerne stritten sie auch \u00fcber diese Themen, denn \u201ederen Freundschaft war sozusagen asymmetrisch\u201c, so G\u00fcnther Anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was Brecht und Benjamin jedoch am meisten verband, war die Tatsache, dass sie wegen des NS-Regimes ins Exil gehen mussten. So trifft das Sprichwort \u201egeteiltes Leid, ist halbes Leid\u201c wohl sehr gut auf den Kommunisten Brecht und den, in einer j\u00fcdisch assimilierten Familie aufgewachsenen, Benjamin zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ger\u00fcstet mit diesem Vorwissen begaben wir uns vom ersten in den zweiten Ausstellungsraum. Dort berichtete man uns zun\u00e4chst von einem gemeinsamen Hobby der beiden: dem Schachspielen. Eine Partie der klugen M\u00e4nner wurde einst per Foto dokumentiert und festgehalten. Dies nahm die <em>Akademie der K\u00fcnste<\/em> zum Anlass, dieses Schach-Duell nachzustellen. Dabei war festzustellen, dass auch Benjamin und Brecht nicht alles perfekt beherrschten, da die Z\u00fcge nicht wirklich raffiniert waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hauptausstellungsraum war wie eine Bibliothek aufgebaut. \u00a0Er zeichnete sich durch eine hohe Decke und den hohen, f\u00fcr Bibliotheken typischen B\u00fccherregalen aus, die so aufgestellt wurden, dass Bibliotheksg\u00e4nge entstanden. Jeder Gang der Bibliothek beschrieb den Austausch \u00fcber ein bestimmtes Thema, das den Dichter und den Kritiker besch\u00e4ftigte. So tauschten sich die beiden z.B. \u00fcber die damaligen Entwicklungen in Russland, den Autor Kafka und den Psychologen Freud aus. Wie sehr sich die beiden in diesen Themengebieten verlieren konnten, sahen wir daran, dass Brecht beispielsweise ein Gedicht \u00fcber politische Entwicklungen in Russland schrieb oder seinen Schriftzug unter einer Kafka-Ausgabe hinterlie\u00df. Briefe, die sich Brecht und Benjamin schickten, wurden bei jeder Station der Zeitreise von den Schauspielern vorgetragen, was die F\u00fchrung sehr lebendig machte und uns den Charme der alten Sprache aufzeigte. Am Ende der Bibliothek angekommen, endete auch das Leben des Walter Benjamin, der sich beim Versuch von Frankreich nach Spanien bis nach Portugal zu fliehen, um von dort in die USA zu kommen, das Leben nahm. Erst zehn Monate sp\u00e4ter erfuhr Brecht vom Tod seines Freundes, als er schon im Exil in den USA lebte. Brecht war ersch\u00fcttert. Er verarbeitete seine Trauer in Briefen, die er an seinen toten Freund schrieb. Sie erinnern schon fast an einen Liebesbrief: \u201eSelbst der Wechsel der\/ Jahreszeiten\/ rechtzeitigt erinnert\/ h\u00e4tte ihn zur\u00fcckhalten\/ m\u00fcssen\/ der Anblick neuer Gesichter\/ und alter auch\/ neuer Gedanken Heraufkunft\/ und neuer Schwierigkeiten\u201c (Bertolt Brecht \u2013 WB). Die Freundschaft reichte \u00fcber den Tod hinaus. So auch die F\u00fchrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben dem Austausch zwischen Brecht und Benjamin waren auch eine Kriminalgeschichte, die sie zusammen geschrieben hatten, und ein Haus, das vollst\u00e4ndig mit Zeitungen aus dem 20. Jahrhundert beklebt war, zu betrachten. Als die F\u00fchrung vorbei war, hatten wir noch Gelegenheit, uns die restliche Ausstellung anzusehen. So waren beispielsweise noch zeitgen\u00f6ssische Texte und Kommentare \u00fcber die Freundschaft der beiden um die Ausstellung herum angeordnet. Diese Texte sollten verdeutlichen, dass die Lebenswerke des Dichters und des Kritikers immer noch Nachklang haben und von Bedeutung sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend l\u00e4sst sagen, dass der Besuch in der <em>Akademie der K\u00fcnste<\/em> sehr informativ war, auch wenn wir uns teilweise von der F\u00fclle der vielen Informationen und der sehr gehobenen, poetischen Sprache erschlagen gef\u00fchlt haben. Dadurch, dass\u00a0 Benjamin und Brecht durch die Schauspieler in gewisser Weise wieder zum Leben erweckt wurden, war es trotz der vielen Informationen erfrischend anders und keinesfalls langweilig. Hinzu kommt nat\u00fcrlich die Tatsache, dass es f\u00fcr Blinde sehr angenehm ist, die Stimmen der Schauspieler zu h\u00f6ren und bestimmte Artefakte ertasten zu k\u00f6nnen. Des Weiteren fanden wir es gut, dass die F\u00fchrung nicht mit dem Suizid Benjamins endete. Denn auch wenn es Benjamin nicht mehr gab, existierte die Verbindung zwischen ihm und Brecht \u00fcber dessen Tod hinaus. Deshalb h\u00e4tten wir gerne mehr zur heutigen Relevanz der beiden erfahren und es begr\u00fc\u00dft, wenn der Aspekt der Bedeutung f\u00fcr die Welt nach Benjamin und Brecht eine Rolle in der F\u00fchrung gespielt h\u00e4tte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Laura Visca (Q2). Am 04. Januar 2018 besuchte unser Deutsch-Leistungskurs die Ausstellung \u201eBenjamin und Brecht &#8211; Denken in Extremen\u201c\u00a0 in der Akademie der K\u00fcnste. 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