{"id":929,"date":"2018-04-18T21:04:12","date_gmt":"2018-04-18T19:04:12","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=929"},"modified":"2018-04-18T21:07:45","modified_gmt":"2018-04-18T19:07:45","slug":"auf-dem-weg-zum-smartstick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=929","title":{"rendered":"Auf dem Weg zum SmartStick"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Beitrag von <strong>Antonia Nolde<\/strong> (Q2).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Programmieren wollte ich eigentlich nie lernen. Wozu auch? Irgendwer kann es eh immer besser, und au\u00dferdem ist das quasi Mathe oder so. Tja, so sollte man nie an eine Sache herangehen. Schon gar nicht, wenn man nicht wei\u00df, was einem das Programmieren erm\u00f6glicht.<\/p>\n<div id=\"attachment_930\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Foto-1-Fichtenblatt.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-930\" class=\"wp-image-930 size-medium\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Foto-1-Fichtenblatt-300x200.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Foto-1-Fichtenblatt-300x200.png 300w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Foto-1-Fichtenblatt.png 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-930\" class=\"wp-caption-text\">Antonia (Bildmitte) und Zahid (rechts) w\u00e4hrend der Arbeit am &#8222;SmartsStick&#8220;<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der IFA mache ich erste Erfahrungen. Ein kleines Ger\u00e4t, verbunden mit einem iPad. Meine Freundin und ich probieren die Bausteine aus, die man aneinander reiht und so Befehle an das Ger\u00e4t gibt. Einmal die Farbe Gr\u00fcn blinken lassen, einmal \u201ed\u00fcdeld\u00fc\u201c spielen. Und es funktioniert. Die Motivation steigt. Obwohl ich im Hinterkopf habe, dass die Leute aus dem Informatik-LK vermutlich die Augen verdrehen w\u00fcrden. Klar, im Prinzip spielen wir hier noch mit Duplosteinen. Also auf zur n\u00e4chsten Station: Lego. Dazu gibt es dann noch eine App, die einem verschiedene Modelle aus Lego anbietet, die man dann mithilfe von zwei kleinen Ger\u00e4tschaften programmieren kann. Diese App ist eigentlich f\u00fcr Grundsch\u00fcler*innen, und so sehen letztendlich auch die Aufgaben-stellungen aus. Man muss immer zwei Figuren namens Max und Mila bei ihren Problemchen helfen; hier mal ein Windrad bauen, das sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit drehen soll, da einen Satelliten. Das Bauen macht Spa\u00df, erinnert an die Kindheit. Und dann muss man erstmal nachdenken. Das ganze funktioniert auch wieder nach dem Bausteinprinzip; trotzdem muss man erst einmal verstehen, was man wie machen muss, um das zu erzielen, was gefordert ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztendlich wende ich mich dann aber doch an jemanden aus dem Informatik-LK: Womit fange ich an? Sie lernen momentan Java, Python sei aber \u00e4hnlich \u201eeinfach\u201c. Ich nehme mir vor, in die B\u00fccherei zu gehen und mich \u00fcber Python zu informieren. Aber wozu gibt es das Internet!? Die Website \u201e<a href=\"http:\/\/codeacademy.com\">codeacademy.com<\/a>&#8220; gibt einem kostenlosen Unterricht in verschiedenen Programmiersprachen. Ich klicke Python an und schon geht es los. Es macht Spa\u00df, das ganze ist in Units unterteilt, es gibt immer ein Erkl\u00e4rfenster und eines f\u00fcr eine Aufgabe, die man bew\u00e4ltigen muss. Sollte man einmal nicht weiterkommen, bekommt man einen Tipp. Irgendwann fange ich an, mir ein Notizheft anzulegen, in dem ich mir die Befehle notiere, um den \u00dcberblick nicht zu verlieren. Ich bekomme immer mehr Spa\u00df am Programmieren, genau wie meine beste Freundin Nika. Statt zusammen bei unserer n\u00e4chsten \u00dcbernachtung \u201eThe Walking Dead\u201c zu schauen und uns \u00fcber die Charaktere aufzuregen, sitzen wir in aller Ruhe auf Ninas Bett und coden. Gemeinsam, nicht jede f\u00fcr sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann kommen die Weihnachtsfeiern. Ich code eine ganze Weile nicht mehr. Bis Nika mit einer Idee ankommt, die uns beide begeistert: Ein Coding-Camp. Sofort fragen wir unsere Eltern, die sind einverstanden, dann geht es los. Also &#8211; noch nicht wirklich. Erst in den Winterferien k\u00f6nnen wir uns vier Tage Coding \u201eg\u00f6nnen\u201c. Uns mailt der Chef des Camps und l\u00e4dt uns zu \u201eSlack\u201c ein: WhatsApp f\u00fcr Programmierer*innen. Als ich auf den Profilbildern der anderen auch weibliche Gesichter erkenne, bin ich etwas erleichterter. Und schlie\u00dflich ist Nika ja auch noch dabei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Foto-2-Fichtenblatt.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-931\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Foto-2-Fichtenblatt-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Foto-2-Fichtenblatt-300x225.jpeg 300w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Foto-2-Fichtenblatt.jpeg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ich habe keine gro\u00dfen Erwartungen an das Camp. Was f\u00fcr ein Projekt kann man schon in vier Tagen beenden? Trotzdem stelle ich meine Idee bei der Pr\u00e4sentation vor. Vier Jungs haben Bock, mit Nika und mir einen intelligenten Blindenstock zu programmieren. Ich rufe Samantha und \u00d6zge, zwei Freundinnen von mir an und erkundige mich nach ihren gr\u00f6\u00dften Problemen im Alltag. Das Ergebnis: Hindernisse. Wir verteilen die Aufgaben. Einer entwirft die Karte f\u00fcr die Navigation mithilfe von GoogleMaps, zwei andere Jungs k\u00fcmmern sich um das Voiceover, einer um unsere Website. Nika und ich besch\u00e4ftigen uns mit dem Stock an sich. Hier lerne ich, dass das \u201ekleine Ger\u00e4t\u201c, dass ich auf der IFA ausprobiert habe, ein sogenannter Arduino ist. Mit diesem Ding werden wir also vier Tage lang arbeiten. Pascal, ein Student der sogenannten &lt;ode-University (ja, das \u201e&lt;ode\u201c wird extra so geschrieben), die das Camp auch unterst\u00fctzt, kennt sich damit sehr gut aus und hilft uns, wenn wir Fragen haben. An der &lt;ode-University werden drei Studieng\u00e4nge angeboten: Bachelor of Arts in Software Engineering, Bachelor of Arts in Interaction Design und Bachelor of Arts in Interaction Design. Man braucht daf\u00fcr keine Vorkenntnisse und lernt an richtigen Projekten, wie das entsprechende Fach in der Realit\u00e4t funktioniert. Doch das w\u00fcrde zu weit gehen. Also zur\u00fcck zum Codecamp.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir wollen einen Ultraschallsensor anbringen. Daf\u00fcr suchen wir uns den entsprechenden Code im Internet und kopieren ihn einfach in das Programm &#8211; schlie\u00dflich dr\u00e4ngt die Zeit. Pascal schleppt drei riesige Kisten voller Zubeh\u00f6r an, denn au\u00dfer dem Arduino und dem Sensor brauchen wir nat\u00fcrlich Kabel und Widerst\u00e4nde. F\u00fcr die Kabel gibt es genaue Vorgaben, welche in welchen Kanal des Arduinos gesteckt werden m\u00fcssen. Das Board, auf dem wir den Sensor anbringen, wird durch die Kabel mit dem Arduino verbunden. Um einem Kurzschluss vorzubeugen, benutzt man Widerst\u00e4nde. Zu \u00fcberlegen, wo und wie diese in das Board gesteckt werden, ist eine ganz sch\u00f6ne Herausforderung. Und schwups, schon ist der erste Tag vorbei. Leckeres Essen, nette Leute, tolle und vor allem produktive Atmosph\u00e4re. Ich falle ersch\u00f6pft ins Bett.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am n\u00e4chsten Tag geht es raus: Zum einen sollen wir das Navigationsprogramm ein bisschen testen, indem wir durch die Gegend laufen und schauen, ob wir als ein Punkt angezeigt werden und die Route, die uns vorgeschlagen wird, richtig und schnell ist. Es ist \u00fcberraschend genau, aber hier und da merkt man, dass all das Prototypen sind. Zweiter Gang: Samantha. Sie hat noch einen Kinderblindenstock, f\u00fcr den sie eindeutig zu gro\u00df ist. Sehr umst\u00e4ndlich und mithilfe von jeder Menge pinkem Gaffatape bringen wir das wei\u00dfe Board und den Arduino an den Stock an. Peter, ein erfahrener Junge, der an einem Einhornspiel arbeitet, wird mir sp\u00e4ter erz\u00e4hlen, dass es sowohl die Arduinos als auch die Boards in einer Nanovariante gibt und man sie mit Ausnahme des Ultraschallsensors innerhalb des Stocks anbringen k\u00f6nnte. Ich rufe mir das Motto \u201ePrototyp\u201c ins Ged\u00e4chtnis. Trotzdem behalte ich Peters Idee im Hinterkopf. Es kommen Interessent*innen von der BARMER, der &lt;ode-University, vom Kinderkanal und eine StartUp-Gr\u00fcnderin, die von unserem Projekt sehr angetan sind, was uns nat\u00fcrlich sehr freut. Wir arbeiten nun an den Alarmstufen. Das Programm sieht drei davon vor, bei denen der Sensor unterschiedlich piept. Wir \u00e4ndern die Stufen, schlie\u00dflich soll der Stock so fr\u00fch wie m\u00f6glich zu erkennen geben, dass ein Hindernis naht. Abends rennen wir die ganze Zeit geb\u00fcckt, mit einem Akku f\u00fcr die Stromzufuhr des Arduino in der einen und dem Stock in der anderen Hand durch das Workspace. Schon ist der zweite Tag vorbei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der dritte Tag beginnt auf eine \u00e4u\u00dferst ung\u00fcnstige Weise: Nika ist krank. Ich mache dennoch weiter, probiere herum, versuche, LEDs anzubringen, die die drei Punkte aufblinken lassen sollen, damit im Dunkeln verdeutlicht wird, dass sich ein blinder Mensch n\u00e4hert und man aufpassen muss. Im Nachhinein stelle ich fest, dass dies im Prinzip gegen unsere Idee spricht. Die sehbehinderten Leute sollen durch unseren Stock selbstst\u00e4ndiger sein und sich nicht mehr so f\u00fchlen, als w\u00e4ren sie ein Problem, da alle auf sie achten m\u00fcssen. Aber diesen Einfall bekomme ich w\u00e4hrenddessen nicht. Stattdessen suche ich abwechselnd Pascals oder Peters Rat, denn mit den Widerst\u00e4nden vor und hinter den Leuchtdioden bin ich komplett \u00fcberfordert. Bestimmt f\u00fcnfmal versucht Pascal mir zu erkl\u00e4ren, auf welcher Seite des Boards der Strom wie flie\u00dft, aber mein Kopf raucht schon beim ersten Mal. Physik eben. Der Strom reicht f\u00fcr die vielen LEDs aber sowieso nicht aus, weshalb ich letztendlich das leuchtende Zeichen ganz weglasse. Denk dran. Prototyp. Nicht mehr, nicht weniger. Den restlichen Tag verbringe ich mit ziellosem Rumgerenne durch das Workspace und drau\u00dfen, um den Ultraschallsensor zu \u201eperfektionieren\u201c. Ab nach Hause, gegessen hab ich ja schon, hinlegen, gute Nacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">N\u00e4chster Tag: Stichtag. Heute werden wir unsere Produkte vor Eltern und weiteren Interessenten vorstellen. Dazu feilen Zahid (der Website-Designer) und ich an der Pr\u00e4sentation bzw. Moderation. Uns hilft Amanda, eine der Coaches. Sie kommt wie viele andere auch aus den USA. Von ihr bekommen wir im Schnelldurchlauf erkl\u00e4rt, wie man sein Produkt am besten pr\u00e4sentiert. Einige Stunden sp\u00e4ter ist es so weit. Wir stehen relativ oben auf der Liste. Nach sogar recht professioneller Vorstellung des \u201eSmartSticks&#8220;, wie ich ihn getauft habe, gibt es tosenden Applaus. Und wir schw\u00f6ren uns, weiter an dem Stock zu arbeiten &#8211; auch au\u00dferhalb des Camps.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Antonia Nolde (Q2). Programmieren wollte ich eigentlich nie lernen. Wozu auch? Irgendwer kann es eh immer besser, und au\u00dferdem ist das quasi Mathe oder so. Tja, so sollte man nie an eine Sache herangehen. Schon gar nicht, wenn man nicht wei\u00df, was einem das Programmieren erm\u00f6glicht. 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