{"id":938,"date":"2018-04-30T18:54:11","date_gmt":"2018-04-30T16:54:11","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=938"},"modified":"2026-01-22T08:18:17","modified_gmt":"2026-01-22T07:18:17","slug":"feindbild-islam-und-institutioneller-rassismus-rezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=938","title":{"rendered":"&#8222;Feindbild Islam und institutioneller Rassismus&#8220; (Rezension)"},"content":{"rendered":"<p lang=\"zxx\" align=\"LEFT\"><em>Ein Beitrag von <strong>Bennett W. <\/strong>(Q2).<br \/>\nDer Artikel entstand im Rahmen des Besuchs der Leipziger Buchmesse (LK Deutsch Q2; Kursltg: Fr. Lemme).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"zxx\">Auf der Leipziger Buchmesse besuchte ich die halbst\u00fcndige Vorstellung des Buches &#8222;<\/span><span lang=\"zxx\">Feindbild Islam und institutioneller Rassismus &#8211; Menschenrechtsarbeit in Zeiten von Migration und Anti-Terrorismus&#8220;<\/span><span lang=\"zxx\">, erschienen beim VSA Verlag. Der Autor Eberhard Schultz, Menschenrechtsanwalt, der sich vorrangig f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und Migranten einsetzt, stellte sein Buch am Stand des Verlags vor.<\/span><\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: justify;\">Der 75 Jahre alte Autor begann seinen Vortrag, indem er sich zun\u00e4chst selbst vorstellte. Er ging dabei auf die von ihm gegr\u00fcndete und nach ihm benannte Eberhard-Schultz-Stiftung ein und beschrieb seine T\u00e4tigkeit als Menschenrechtsanwalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"zxx\">In seinem Buch befasst er sich ebenfalls mit den ihn am Herzen liegenden Themen wie Migration und Asyl. Das Buch besteht laut eigener Aussage zum Gro\u00dfteil aus Beispielen seiner eigenen F\u00e4lle und juristischen Ausf\u00fchrungen diesbez\u00fcglich. Einen gro\u00dfen Teil seines Vortrags ging es um weitere gesellschaftspolitische Ansichten, die er in seinem Buch vertritt. Ein Kernbegriff seines Buches bildet der &#8222;<\/span><span lang=\"zxx\">antimuslimische Rassismus<\/span><span lang=\"zxx\">\u201d, den er zu Beginn seines Vortrags den Zuschauern erkl\u00e4rte. Er definiert dieses gro\u00dfe Problem der deutschen Gesellschaft wie folgt: &#8222;<\/span><span lang=\"zxx\">antimuslimischer Rassismus ist eine Form von Rassismus, die sich gegen Menschen richtet, denen eine muslimische Religionszugeh\u00f6rigkeit zugeschrieben wird.\u201d<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin allerdings der Meinung, dass der Begriff in diesem Sinne irref\u00fchrend und falsch verwendet wird. Der Terminus Rassismus bezeichnet per Definition eine Einstellung, die Menschen aufgrund ihrer ph\u00e4notypischen Merkmale einer Ethnie zuordnet, in Rassen kategorisiert und deshalb unterdr\u00fcckt. Da der Islam allerdings keine homogene Ethnie darstellt, sondern eine kulturelle und politische Ideologie, ist der Begriff &#8222;antimuslimischer Rassismus&#8220; ein Widerspruch in sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass der Autor trotzdem diesen Begriff w\u00e4hlt, l\u00e4sst entweder die Option offen, dass er der Meinung ist, man k\u00f6nne Muslime an ihrem Aussehen erkennen oder aber, dass er den Begriff nur gew\u00e4hlt hat, um die stark negativ konnotierte Bedeutung und schreckliche Geschichte, die mit diesem Begriff unweigerlich verbunden ist, f\u00fcr seine Zwecke zu nutzen und den*die Leser*in seines Buches von der Tragweite des von ihm beschriebenen Ph\u00e4nomens zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese falsche Verwendung des Begriffs ist meiner Meinung nach nicht f\u00f6rderlich, denn dadurch wird der Begriff Rassismus stark aufgeweicht und verallgemeinert, sodass wirklich rassistische Aussagen und Vorkommnisse nicht mehr ad\u00e4quat benannt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seiner Karriere als Anwalt hatte der Autor Eberhard Schultz laut eigener Aussage selbst h\u00e4ufiger mit F\u00e4llen des &#8222;antimuslimischen Rassismus&#8220; zu tun. Dieser Rassismus gehe weitgehend auch von Institutionen aus, daher der &#8222;institutionelle Rasissmus&#8220; von dem er im Titel seines Buches spricht. Um diese Behauptung zu belegen, erz\u00e4hlte er dem Publikum von einem Beispiel. Aus seiner Sicht als Anwalt eines VW-Mitarbeiters beschrieb er den Fall wie folgt:<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: justify;\">\u201cNachdem sich VW im Zuge des Abgasskandals dazu gezwungen gesehen hatte, Mitarbeiter zu entlassen, wurde dem muslimischen Mandanten eine Abfindung von 50.000 \u20ac angeboten, welche er allerdings ablehnte und auf eine Fortsetzung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses bestand. Daraufhin wurde er von VW mit der Begr\u00fcndung, seine etwaige Mitgliedschaft in einer salafistischen Gruppierung und Sympathien mit gewaltt\u00e4tigen Islamisten stellten eine Bedrohung f\u00fcr den Betriebsfrieden dar, entlassen. Dagegen zog er, mit anwaltlicher Unterst\u00fctzung von mir, vor Gericht. Die im Laufe des Prozesses angebotenen Vergleiche lehnte VW ab.\u201d<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: justify;\">Diese Beschreibungen lassen den Zuschauer in der Vermutung zur\u00fcck, der Mandat des Autors sei eindeutig unfair behandelt worden und VW sei im Unrecht. Eberhard Schultz spricht von einer \u201cwahnsinnigen Hexenjagd auf den Islamismus\u201d und davon, dass sein Mandat ein Opfer des \u201cinstitutionellen antimuslimischen Rassismus\u201d sei.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: justify;\">In der sp\u00e4teren Recherche stellte sich heraus, dass der Autor (absichtlich?) wichtige Fakten unerw\u00e4hnt lie\u00df.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: justify;\">Sein Mandant war h\u00f6chstwahrscheinlich Mitglied einer dschihadistischen Vereinigung, wurde bei der mutma\u00dflichen Ausreise nach Syrien mit 9.000 \u20ac Bargeld im Gep\u00e4ck gestoppt und soll seinen Kollegen bei VW gedroht haben, sie alle umzubringen. Unter der Betrachtung aller Informationen zeichnet sich eindeutig ab, dass der Autor versucht hat, das Publikum von seiner Position zu \u00fcberzeugen, um seinem angesprochenen Problem mehr Gewicht zu verleihen und seine Position zu rechtfertigen.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: justify;\">Als er dazu aus dem Publikum angesprochen wurde, ging er nicht einmal auf den Vorwurf, sein Mandat sei ein Islamist, ein, sondern kritisierte lediglich VW daf\u00fcr, ihn \u201cnur aufgrund seines muslimischen Glaubens&#8220; zu entlassen und klagte \u00fcber eine mediale Hetzjagd.<\/p>\n<p lang=\"zxx\" style=\"text-align: justify;\">Von meinem Standpunkt aus klingt diese Erz\u00e4hlung, die er als eine der interessantesten und f\u00fcr das Problem des \u201cinstitutionellen Rassismus\u201d als bezeichnenden ansieht, nicht nach einem vern\u00fcnftigen Beispiel. Dass der Arbeitgeber VW in diesem Fall versucht, auf Basis erdr\u00fcckender Beweislage, einen islamistischen Gef\u00e4hrder zu entlassen, erscheint nur vern\u00fcnftig. Dies stellt meiner Meinung nach in diesem Fall keinen Rassismus oder eine Diskriminierung dar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span lang=\"zxx\">Nach dieser Erz\u00e4hlung ging der Autor darauf ein, f\u00fcr wen das Buch geeignet w\u00e4re. Er sagt, das Buch sei zwar recht juristisch trocken gehalten, aber eben auch durch <\/span><span lang=\"zxx\">\u201cinteressante\u201d <\/span><span lang=\"zxx\">Beispiele aus seiner Karriere erweitert worden. Daher empfiehlt er es Menschen, die an Menschenrechten und der Arbeit eines Menschenrechtsanwalts interessiert sind oder sich \u00fcber den <\/span><span lang=\"zxx\">\u201cantimuslimischen institutionellen Rassismus\u201d<\/span><span lang=\"zxx\"> informieren wollen.<\/span> <span lang=\"zxx\">Dieser Empfehlung w\u00fcrde ich mich anschlie\u00dfen. Das Buch ist nicht daf\u00fcr ausgelegt, ein Bestseller zu werden und wird diesem Nicht-Anspruch auch gerecht. Es spricht eine recht kleine Gruppe an und ist insgesamt gesehen auch nicht objektiv geschrieben. Die F\u00e4lle, die beschrieben werden, sind teilweise unvollst\u00e4ndig dargestellt und das Problem des <\/span><span lang=\"zxx\">\u201cantimuslimischen institutionellen Rassismus\u201d<\/span><span lang=\"zxx\"> wirkt durch die fehlenden Belege aufgebauscht. Ich bin der Meinung, die Darstellung von Eberhard Schultz in seinem Buch ist \u00fcbertrieben und wirkt, als versuche der Autor, die Notwendigkeit seiner T\u00e4tigkeit als Menschenrechtsanwalt in Deutschland, zu rechtfertigen. Das nicht zu verleugnende Problem der Diskriminierung von Muslimen in Deutschland wird, aus welchem Grund auch immer, unn\u00f6tig \u00fcbertrieben dargestellt. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Bennett W. (Q2). 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