{"id":998,"date":"2018-07-09T13:51:10","date_gmt":"2018-07-09T11:51:10","guid":{"rendered":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=998"},"modified":"2018-07-09T18:36:24","modified_gmt":"2018-07-09T16:36:24","slug":"irgendwie-die-welt-veraendern-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=998","title":{"rendered":"\u201eIrgendwie die Welt ver\u00e4ndern\u201c (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein Beitrag von <strong>Lisa Rosenbaum<\/strong>, Abiturientin der Fichtenberg-Oberschule des Jahrgangs 2015. <a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1004\">Teil 2 finden Sie hier.<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vorbemerkung der Autorin: Ich m\u00f6chte an dieser Stelle ausdr\u00fccklich darauf hinweisen, dass alle hier geschilderten Erfahrungen und Einsch\u00e4tzungen lediglich meine Ansicht wiedergeben. Sie sollen weder ein zu befolgendes Beispiel noch eine abschreckende Darstellung sein. Jeder junge Mensch muss seine ganz eigenen Erfahrungen sammeln und individuelle Schl\u00fcsse daraus ziehen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIrgendwie die Welt ver\u00e4ndern\u201c- das war mein leicht naives Ziel nach meinem Abitur vor drei Jahren an der Fichte. \u201eAber erst einmal durchatmen nach G8.\u201c Ich war frisch 18 Jahre alt und sah nicht die Notwendigkeit, nach zw\u00f6lf Jahren Schule direkt mit einem Studium weitermachen zu m\u00fcssen. Zudem hatten \u00e4ltere Freund*innen mit Fotos von ihren Reisen eine M\u00f6glichkeit pr\u00e4sentiert, wie man ansonsten erstmal seine Zeit vertreiben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich fing deshalb im zweiten Halbjahr der elften Klasse an, mit dem Roller Pizza auszuliefern. Ich wollte schlie\u00dflich fr\u00fchzeitig anfangen, Geld beiseite zu legen, um mir nach meinem Abitur bis dahin unbekannte Teile dieser Welt anzuschauen. Hinzu kamen Babysitting und kleinere Aushilfsjobs in der Geb\u00e4udereinigung. Akribisch kalkulierte ich und rechnete mir aus, was ich monatlich in das Einmachglas f\u00fcr die kleine Weltreise gesteckt hatte. Mit den Abschlusspr\u00fcfungen kamen jedoch auch der Abiball, der Abistreich, das Abidenkmal, die Abiturverleihung und alles weitere. Durch mein jahrelanges Engagement in der Sch\u00fcler*innenvertretung und in verschiedenen AGs mischte ich auch dort in den Organisationsgruppen vorne mit. Als ich dann auf der Abiturverleihung mein Abitur in den H\u00e4nden halten konnte und auch alles andere schon hinter mir lag, war ich richtig \u201eurlaubsreif\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon vorher hatte ich mir die grobe Route \u00fcberlegt, Visa beantragt und Fl\u00fcge gebucht. Es sollte nach Japan, Vietnam, Laos, Indien und Mexiko gehen. In Japan war mein damaliger Lebensabschnittsgef\u00e4hrte dabei, Vietnam und Laos nahm ich mir allein vor, um ihn dann in Indien wiederzutreffen und in Mexiko allein den \u201eD\u00eda de los muertos\u201c \u2013 den mexikanischen Totentag &#8211; mitzuerleben. Ich hatte lang dar\u00fcber nachgedacht, ob allein reisen am anderen Ende des Planeten wirklich eine kluge Idee sei. Doch wurde mir beim Surfen auf Kontaktwebseiten f\u00fcr Reisepartner*innen ziemlich schnell klar, dass einem dadurch sehr viel Gestaltungsfreiheit genommen wird. Leider hatte keine*r aus meinem bestehenden Freund*innenkreis dasselbe Vorhaben wie ich, weshalb ich mich sehr z\u00fcgig mit dem Gedanken des Ein-Frau-Reisens angefreundet hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC00999.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1001\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC00999-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC00999-300x225.jpg 300w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC00999-768x576.jpg 768w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC00999.jpg 1024w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC00999-816x612.jpg 816w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ende Juli 2015 ging es los. Das erste Ziel war Tokio. Drei Wochen verbrachte ich in dieser Metropole und ihrer Umgebung. Obwohl ich mein gesamtes junges Leben in Berlin gelebt hatte, war Tokio unglaublich \u00fcberw\u00e4ltigend. Alles war \u00fcberdimensional, bunt beleuchtet und mit unendlich scheinenden Menschenmassen gef\u00fcllt. Diese Umst\u00e4nde waren entgegen meiner Erwartung doch sehr erm\u00fcdend, sodass fast auf jeden erlebnisreichen Touri-Tag ein Erholungstag folgte. Ich besuchte das zweitgr\u00f6\u00dfte Geb\u00e4ude der Welt &#8211; den Sky Tree &#8211; und konnte so Tokio von oben bestaunen. Generell ist man dauerhaft mit unvorstellbar riesigen Einkaufszentren umh\u00fcllt und kommt gar nicht darum herum, durch diese zu wandern. F\u00fcr alle Sushi-Liebhaber ist Tokio nat\u00fcrlich ein Paradies, da der Fisch tagesfrisch ist. Etwas, was dort sehr teuer ist, sind Unterk\u00fcnfte. Gute Erfahrungen konnte ich mit einer Privatwohnungsvermittlung sammeln und alle paar Tage stand ein Umzug in ein anderes Stadtviertel an, um m\u00f6glichst viel von der Gro\u00dfstadt zu sehen. Einer der H\u00f6hepunkte war ein Abendessen in einem Restaurant, das den giftigen Kugelfisch Fugu servierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach drei Wochen flog ich allein nach Hanoi in Vietnam. Die ersten Tage dort waren sehr schwierig. Ich f\u00fchlte mich verloren. Mir fiel es alles andere als leicht zu anderen Reisenden Kontakt aufzunehmen, obwohl ich in einem Backpacker-Hostel untergekommen war. Deshalb lief ich die ersten Tage stundenlang allein durch die Stadt und versuchte, mir einen ersten Eindruck zu verschaffen. Auff\u00e4llig waren die kommunistische Symbolik von Hammer und Sichel, pr\u00e4chtige H\u00e4user aus der franz\u00f6sischen Kolonialzeit und die anhaltende Pr\u00e4senz der Folgen des Vietnamkriegs. Ich beschloss nach einigen Tagen weiter in den Norden zu reisen, um dort eine Wandertour \u00fcber ein paar Tage im Sapa-Gebirge zu machen. Diese Wandertour geh\u00f6rt zu den sch\u00f6nsten Momenten meiner Reise, weil sie von einer jungen Frau aus der Umgebung gef\u00fchrt wurde und sehr viel Einblick in die dortigen Lebensweisen bot. Danach ging es in den Phong Nha Ke Bang Nationalpark weiter, wo einmalige Tropfsteinh\u00f6hlen zu entdecken waren. Dort traf ich auf der Farm, wo ich unterkam, Tara aus der Schweiz und reiste mit ihr weiter. Wir besuchten Hu\u00ea und Hoi An gemeinsam und ich empfand es als sehr sch\u00f6n jemanden zu haben, mit dem*r man sich \u00fcber die vielen Eindr\u00fccke austauschen konnte. Unsere Wege trennten sich jedoch als ich nach Laos weiterzog.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC02349.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1002 alignright\" src=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC02349-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC02349-225x300.jpg 225w, https:\/\/fichtenblatt.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/DSC02349.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Die Busreise von Vietnam nach Laos war der gr\u00f6\u00dfte G\u00e4nsehautmoment auf meiner gesamten Reise. Fast einen vollst\u00e4ndigen Tag verbrachte ich in einem Bus, der so \u00fcberladen war, dass ich mich wunderte, dass er sich \u00fcberhaupt fortbewegen konnte. Da kein Mensch in diesem Bus eine Sprache sprach, die auch ich beherrschte, war es ein nicht-enden-wollender Nervenkitzel voller dauerhafter Angst, mein Ziel nicht zu erreichen. Doch kam ich an meinem Ziel an (v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet) und hielt mich in diesem Moment f\u00fcr den gl\u00fccklichsten Menschen dieser Erde, da ich diese Reise unbeschadet \u00fcberstanden hatte. In Laos besuchte ich im S\u00fcden die 4.000 Inseln im Mekong-Fluss an der Grenze zu Kambodscha und lernte auf dem R\u00fcckweg die US-Amerikanerin Amanda kennen, mit der ich fast meinen gesamten Laos-Aufenthalt verbrachte. Wir reisten gemeinsam von Stadt zu Stadt und teilen sch\u00f6ne Erinnerungen: Zum Beispiel an den Moment, an dem wir in einem Museum echte Dinosaurierknochen in die Hand gedr\u00fcckt bekamen oder als wir zuf\u00e4llig ein Drachenbootrennen verfolgen durften. Am meisten haben mich in diesem Land die pomp\u00f6sen Tempel mit reichen Verzierungen beeindruckt. Sehr bedr\u00fcckend war hingegen die Tatsache, dass Laos durch den Vietnamkrieg das meist bombardierteste Land der Welt ist und bis heute die l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung mit Blindg\u00e4ngern und verseuchtem Agrarland zu k\u00e4mpfen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Laos sollte es eigentlich nach Indien gehen, doch fiel beim Zwischenstopp in Bangkok auf, dass man sich entgegen der eigenen Recherche vorher um ein Visum h\u00e4tte k\u00fcmmern m\u00fcssen. Da meine geplante Begleitung dasselbe Problem hatte, die gebuchten Fl\u00fcge verfielen und ich somit allein h\u00e4tte weiterreisen m\u00fcssen, entschied ich mich gegen einen Aufenthalt in Indien. Es ist vom heutigen Standpunkt schwierig in Worte zu fassen, warum ich damals fr\u00fchzeitig nach Berlin zur\u00fcckkehrte, doch riet mir mein Bauchgef\u00fchl vehement davon ab, meine eigentliche Planung stringent durchzuziehen. Ich denke bis heute, dass dies die beste Entscheidung war, die ich treffen konnte. Somit verbrachte ich ein paar Tage in Bangkok, sah mir die Stadt an und flog dann in die Heimat zur\u00fcck.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/fichtenblatt.de\/?p=1004\"><em>Hier geht es zum zweiten Teil des Artikels.<\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Lisa Rosenbaum, Abiturientin der Fichtenberg-Oberschule des Jahrgangs 2015. Teil 2 finden Sie hier. Vorbemerkung der Autorin: Ich m\u00f6chte an dieser Stelle ausdr\u00fccklich darauf hinweisen, dass alle hier geschilderten Erfahrungen und Einsch\u00e4tzungen lediglich meine Ansicht wiedergeben. Sie sollen weder ein zu befolgendes Beispiel noch eine abschreckende Darstellung sein. 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