Eine anonyme Rezension zum Buch:
Linke, Dorit: Jenseits der blauen Grenze. Bamberg: 2014.

,,Jenseits der blauen Grenze“ ist ein Jugendroman, der von Dorit Linke geschrieben und am 21. Juni 2014 im Magellan Verlag veröffentlicht wurde. Im Jahr 2015 wurde das Buch für den Jugendliteraturpreis nominiert.
Dorit Linke ist eine Zeitzeugin des Lebens in der DDR, da sie in Rostock geboren und aufgewachsen ist. Ihr Roman spielt im Jahr 1989 und erzählt von dem sozialistischen Leben von Jugendlichen in der DDR, sowie von einer gefährlichen Flucht über die Ostsee.

Hanna ist die Protagonistin und Ich-Erzählerin des Romans, sie ist eine gute Schülerin und Leistungsschwimmerin, da sie jedoch des Öfteren negativ auffiel, wird ihr die sportliche Karriere und das Abitur verwehrt. Auch ihr bester Freund Andreas, der einen rebellischen Charakter hat und deswegen Zeit im Jugendwerkhof verbringen musste, darf seine Zukunftspläne nicht umsetzen. Als beide in ein Dieselmotorenwerk strafversetzt werden und ihre Unzufriedenheit und Verzweiflung immer größer wird, fangen sie an, ihre Flucht zu planen. Da sie unter der Autorität der DDR leben, ist die Flucht ihre einzige Möglichkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie entscheiden sich 50 Kilometer über die Ostsee zu schwimmen, um in die BRD zu gelangen.  Von Fehmarn oder Gedser aus wollen sie nach Hamburg, um ihren besten Freund Sachsen-Jensi zu treffen, der zuvor mit seinen Eltern mit dem Zug ausgereist ist.

Seine Fluchtentscheidung begründet Andreas so: ,,Weil ich niemals den Beruf haben werde, den ich haben will. Ich werde niemals sagen können, was ich denke. Ich werde immer lügen müssen. Und ich werde immer anecken. Keiner erklärt einem hier irgendwas. Man muss Befehle befolgen können, das ist alles.“ (S. 270 f.)

Die Kapitel handeln abwechselnd von der Gegenwart und von der Vergangenheit Hannas. Das Buch beginnt am Startpunkt der Flucht in Kühlungsborn, während der Flucht erinnert sich Hanna an ihr Leben in Rostock zurück. Da das Alltagsleben lebendig erzählt wird, erfährt man vieles über das Leben in der DDR. Die Rückblenden handeln von Hanna, Andreas und Sachsen-Jensi, in diesen erfährt man beispielsweise wie ein Schultag abläuft oder wie Verantwortliche auf Aktionen gegen das politische System der DDR reagieren, außerdem erfährt man, warum es zur Flucht der beiden kommt.

In dem Buch kommen zwei gegensätzliche Charaktertypen vor. Einerseits gibt es Figuren, wie beispielsweise die Parteisekretärin, die voll und ganz hinter dem System der DDR stehen, und andererseits gibt es Hanna, die das System zusammen mit ihrem Opa und ihren Freund*innen kritisiert. Dadurch lernt man beide Seiten kennen und bekommt als Leser*in ein realistischeres Bild.
Der Roman wirkt aus mehreren Gründen besonders authentisch und glaubwürdig. Zum einem hat man das Gefühl, dass die Autorin einiges aus ihrem früheren Leben erzählt, da Dorit Linke, genau wie Hanna, Leistungsschwimmerin war.
Dass sie vieles miterlebt hat, wird auch an ihrem Schreibstil deutlich, denn sie benutzt viele Wörter von damals. Einige davon werden am Ende des Buches in einem Glossar erläutert, sodass man diese nachschauen kann und es zu keinen Verständnisschwierigkeiten kommt.
Des Weiteren war die sogenannte Republikflucht weder Fiktion noch Seltenheit, viele Menschen probierten beispielsweise schwimmend über die Ostsee in die BRD zu gelangen, die wenigsten kamen an. Die meisten wurden verhaftet oder starben bei dem Versuch zu fliehen.
Besonders überzeugt Dorit Linke mit ihrem Schreibstil als die Anstrengung immer größer wird und die BRD immer näherkommt. Um dies deutlich zu machen, benutzt sie immer kürzer werdende Sätze und auch Ellipsen kommen häufiger vor. Man bekommt nur noch Gedankenfetzen mit, was angesichts der hohen Erschöpfung sehr authentisch und real wirkt. Auch sonst ist der Sprachstil der Autorin sehr klar. Sie lässt außerdem Witze über die DDR sowie Vorurteile, besonders gegenüber Sachsen-Jensi, geschickt einfließen.

Der Roman macht dem*r Leser*in die DDR-Realität vorstellbar, daher ist das Buch besonders für diejenigen geeignet, die sich schon einmal gefragt haben, wie das Leben in der DDR ablief, aber es ist auch für diejenigen interessant, die den Alltag miterlebt haben, da man diese Zeit noch einmal aus einem anderen Blickwinkel erlebt. Außerdem war das Leben beispielsweise in Rostock anders als das in Berlin.
Es wäre hilfreich ein paar Vorkenntnisse über die DDR zu haben, da sonst Verständnisprobleme auftreten könnten. Das Wichtigste wird aber im Glossar erläutert, sodass man das Buch auch ohne Vorkenntnisse verstehen kann.