Allgemein, Schule ohne Rassismus, Schulleben

Fünf Jahre „Schule ohne Rassismus“

Wir dokumentieren im Folgenden die Rede einer Fichte-Schülerin vom 21.02.2020 anlässlich der Überreichung der Jubiläumsurkunde „5 Jahre Schule ohne Rassismus“, die das Selbstverständnis unserer Schule hinsichtlich SoR sehr deutlich widerspiegelt:

Am Tag der offenen Tür saß ich am SoR-Stand und habe hauptsächlich Kulis an semi-interessierte Eltern verteilt. Aber ab und zu wollte dann tatsächlich auch mal jemand was wissen. Eine dieser Personen hat mich gefragt: „Schule ohne Rassismus – ist das nicht eigentlich jede Schule? Was unterscheidet euch denn von den anderen?“
Gute Frage, dachte ich, denn so generell behauptet natürlich jede Schule öffentlich von sich, sie sei gegen Rassismus. Aber meiner Meinung nach gibt es tatsächlich einen Unterschied zwischen uns und den meisten anderen Schulen und gerade jetzt, wo alle Schulen eifrig um neue Schüler*innen werben, wird dieser Unterschied deutlich. Wir sind nicht ohne Rassismus. Die anderen Schulen sind das genauso wenig, behaupten das aber häufig, da sie „gegen Rassismus sein“ oft mit „keinen Rassismus haben“ gleichsetzen. Das tun wir nicht.
Schule ohne Rassismus zu sein, das ist für uns kein Freifahrtsschein für die Behauptung, Rassismus gäbe es hier nicht. Für unsere Schule soll es ein Leitbild sein, an dem wir gemeinsam arbeiten. SoR gibt uns die Möglichkeit, uns zu engagieren, unabhängig von unserem Alter und unserer Klasse. SoR gibt uns die Möglichkeit, uns auszutauschen und gemeinsam unser Schulklima zu gestalten. Und SoR gibt uns die Möglichkeit, uns politisch zu bilden. Zusammenarbeit und politische Bildung, das sind in Zeiten von Hass und salonfähigem Rassismus zwei unentbehrliche Werkzeuge, die uns immer wieder aufs Neue zur stärkeren Seite machen können.
Besonders froh bin ich, dass wir mit Sea-Watch nun auch wieder einen Schulpaten haben, der mit uns auf dieser Seite steht und kämpft. Sea-Watch erfüllt in der heutigen Zeit durch die Seenotrettung eine wichtige Aufgabe, die selbstverständlich und staatlich unterstützt sein sollte. Angst und Hass dürfen niemals und unter keinen Umständen ein Grund dafür sein, Menschen wissentlich vor unserer Tür sterben zu lassen. Allein im letzten Jahr starben laut UNHCR über 1.300 Personen bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen. Diese Zahl muss sich verringern und Sea-Watch trägt mit seiner Arbeit dazu bei.
Aber auch bei uns an der Schule hat Sea-Watch schon heute durch das Leiten eines Workshops einen Teil zur politischen Bildung von uns Schüler*innen beigetragen. Aus diesem und vielen anderen Gründen bin ich zuversichtlich, dass in Zukunft aus dieser Partnerschaft tolle Projekte entstehen und so nach mir und nach uns allen auch noch folgende Fichte-Generationen von sich behaupten können, dass unsere Schule sich von den anderen unterscheidet. Und zwar durch jahrgangsübergreifende Zusammenarbeit, eine außerordentliche politische Bildung und einen engagierten Schulpaten.

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