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Großelternbeitrag zum Thema: Immer mehr Digitalisierung?

Der folgende Artikel wurde zuvor in der 1. Ausgabe des gedruckten Fichtenblattes veröffentlicht. Matthias Grünig ist Großvater einer Fichteschülerin und beschäftigt sich als Softwareentwickler seit langem mit dem Thema Digitalisierung.

Du möchtest bzw. Sie möchten einen Debattenbeitrag zu den Themen Schulstress, Digitalisierung oder Fridays for Future verfassen? Sende diesen einfach an: fichtenblatt@fichtenberg-oberschule.net
Du kannst bzw. Sie können aber auch eigene Debattenthemen anstoßen! Eine anonyme Veröffentlichung ist möglich.
Wir freuen uns auf deinen bzw. Ihren Beitrag!

Großelternbeitrag zum Thema: Immer mehr Digitalisierung?

Digitalisierung – Alles wird zu 0’en und 1’en
Digitalisierung bedeutet die Umsetzung von Informationen in eine Abfolge von Bytes, die sich jeweils aus 8 Bits zusammensetzen, die den Wert 0 oder 1 haben. Es werden nur 0 und 1 betrachtet, weil elektronische Schaltkreise nur mit binären nein/ja=0/1-Zuständen sicher funktionieren.

Digitalisierung hat eine lange Vorgeschichte
Die Umwandlung von Zahlen und Buchstaben in Bytes hat eine 200jährige Vorgeschichte von Leibnitz über Morse und die Lochstreifen-Telegrafie. Mit den ersten Computern vor etwa 80 Jahren haben sich die heute üblichen Normen für Zahlen und Texte herausgebildet, etwa 4 Byte für eine Zahl und 1 Byte für einen Buchstaben.
Vor etwa 50 Jahren begann die Digitalisierung von Aufzeichnungen, wie Töne, Sprache, Bilder und bewegte Bilder. Besonders wichtig war die Digitalisierung von Konstruktionsplänen für Dinge wie Häuser, Brücken, Industrieanlagen, Schiffe, Schaltkreise u.v.a.m.

Digitalisierung ermöglicht Datenverarbeitung
Der Vorteil von Daten ist deren Operabilität (Verarbeitungsfähigkeit): Speichern, Kopieren, Versenden, Komprimieren, Verschlüsseln, mathematische Operationen (Algorithmen), Programme anwenden, Daten in Beziehung setzen, Systeme verbinden, Modellrechnungen, Visualisieren oder Vertonen in den Endgeräten u.v.a.m. Digitale Systeme sind stets einfache Modelle der Wirklichkeit.

Was ist eigentlich noch nicht digitalisiert?
Heutzutage gibt es keinen Bereich, der nicht intensiv digitalisiert ist, sei es Produktion, Handel, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Seefahrt, Fischerei, Medizin, Verwaltung, Forschung, Finanzen, Bauwesen, Flugbetrieb, die Erdoberfläche u.v.a.m.  Und es gibt dort ständige Verbesserungen.
Im privaten Bereich haben sich die digitalen Dienste besonders rasant durchgesetzt. Mit dem Internet, dem Mobilfunk und den privaten Endgeräten – vor allem Smartphones – steht heute selbst Kindern ein unbegrenzter Zugang zu Foren, Wissen, Bildern, Serien und Spielen zur Verfügung.

Digitalisierung hat unsere Lebensweise verändert
Es ist klar, dass die private Nutzung der digitalen Dienste neue Probleme schafft:  Persönliche Daten werden zur Beeinflussung unseres Konsumverhaltens genutzt (deshalb sind die Dienste generell umsonst), in den Foren hat der fiese Typ den meisten  Respekt und Spiele sind so intensiv, dass sie süchtig machen können. Dies wird sicherlich nicht nur von Erwachsenen als bedrohlich angesehen.

Worum geht es heute?
Heute geht es um eine neue Stufe der Anwendung, um autonome (selbständige), lernende Systeme wie selbstfahrende Autos, Drohnen oder freilaufende Roboter, die im Internet der Dinge miteinander kommunizieren, sich orientieren und gegenseitig steuern sollen. Hier kommt die sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel. Derzeit ist ein weltweites Wettrennen um diese Technologien gestartet, wozu auch das 5G-Netz gehört. Hier kann in Zukunft sehr viel Geld verdient werden.

Ein paar Überlegungen zu 5G
Ist uns eigentlich klar, wie hoch komplex und damit hoch riskant vernetzte Systeme autonomer KI-Maschinen sein werden? Bisher existieren nur Laborversuche. Künstliche Intelligenz (KI) ist in letzter Konsequenz Software, die wir nicht mehr verstehen. Und die soll in Zukunft Entscheidungen treffen?
Nicht jede denkbare Technologie ist fortschrittlich. Monokultur, Pestizide und Atomkraft erscheinen in der Theorie gut, in der Praxis katastrophal und giftig. Sind wir jetzt auf dem Weg, die Kontrolle über die Dinge zu Gunsten von Komfort abzugeben?

Was leistet 5G für die Eingrenzung des Klimawandels?
Brauchen wir wirklich teure Investitionen angesichts des zusätzlichen Energieverbrauchs, der dicht gestellten 5G-Masten entlang der Autobahnen, deren Gesundheitsgefährdung noch nicht geklärt ist, und eines Nutzens, der mit der Lupe gesucht werden muss? 5G sollte längst ein Thema für Fridays for Future sein.

Kritische Schule ist gefordert
Zum Informatik-Unterricht gehört nicht nur die technische Ausstattung und deren Anwendung, sondern auch die Kosten-Nutzen-Diskussion von Technologie. Das 5G-Netz wäre hierfür sehr gutes Anschauungsmaterial. Das ist möglicherweise nicht im Sinne des Digitalpaktes für Schulen, aber es wäre ein wichtiger Beitrag für die Gestaltung unserer Zukunft.

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