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Mit Erasmus in Dänemark

Der folgende Artikel wurde zuvor in der 1. Ausgabe des gedruckten Fichtenblattes veröffentlicht.

Ein Artikel von Noelle Olivier (Q3).

Über ein Erasmus-Programm wurde es sechs Schüler*innen sowie drei Lehrkräften unserer Schule ermöglicht, fünf Tage in Dänemark zu verbringen, um sich über die verschiedenen Schulsysteme und Wege nach der Schule auszutauschen. Neben den deutschen und rund zwanzig dänischen Schüler*innen waren zudem sechs polnische und sechs mazedonische Schüler*innen mit ihren Lehrkräften anwesend. Auch ein norwegischer Schulleiter nahm an dem Austausch teil.

Am ersten Tag wurden die Schüler*innen in zwei Gruppen aufgeteilt und besichtigten zuerst die dänischen Schulen. Im Anschluss hielten die Schüler*innen Präsentationen über sich selbst, ihre Karrierewünsche, die Bedeutung der EU für sie und ihr Herkunftsland. Anschließend wurde das „Ugeskema“ beobachtet. Das ist ein Konzept, dass es in Deutschland nicht gibt. Die Schüler*innen haben ein bis zwei Stunden pro Tag, in denen sie von den Lehrer*innen aufgegebene Aufgaben lösen können. Wer in den Stunden nicht arbeitet, muss die Aufgaben zu Hause machen. Hausaufgaben gibt es sonst in dem Sinne nicht.

Im Anschluss gab es Mittagessen und die Schüler*innen fuhren zu einer Sporthalle. Dort wurden gruppenbildende Spiele gespielt, die das Kommunizieren der verschiedenen Schüler*innen erforderten. Gesprochen wurde hauptsächlich in Englisch oder in der eigenen Sprache, wenn man mit den eigenen Mitschüler*innen sprach. Danach ging es zurück zu den Gastfamilien. Wir gingen mit unserer Gastschwester schwimmen, da die Familie lediglich 400 Meter von der Nordsee entfernt wohnt.

Gleich am ersten Tag fiel uns auf, wie viel größer die dänische Schule war, obwohl sie nur von ca. 200 Schüler*innen mehr besucht wird als die Fichte. So gibt es pro Stufe mindestens zwei Aufenthaltsräume mit Küche, Pool-Tisch, Aquarium oder Sofas. Auch die Ausstattung ist erstaunlich. Besonders den Biologie-Raum schauten wir uns näher an. Sie besitzen zwei 3D-Drucker, da diese für ein Projekt letztes Jahr gebraucht wurden. Zudem haben sie ein Ökosystem im Glas, dass bereits seit 2004 existiert. Neben zahlreichen ausgestopften Tieren besitzen sie einen Schildkrötenpanzer und präparierte Insekten. Außerdem bekommt jede*r Schüler*in ab der 7. Klasse einen Laptop vom Staat gestellt. Dementsprechend schockiert reagierten die dänischen Schüler*innen, als wir berichteten, dass wir auf Papier und per Hand schreiben.

Am zweiten Tag besuchten wir eine Schweinefarm. Die Farm ist ein Zuchtbetrieb und somit haben sie mehrere Weibchen, ein paar Eber und Ferkel. Die Ferkel bleiben bei den Muttertieren, bis sie drei Wochen alt sind. Danach kommen sie auf eine Farm, auf der sie aufgezogen werden, und dann kehren sie entweder in den Zuchtbetrieb zurück oder werden geschlachtet. Die Muttertiere sind so eingezäunt, dass sie ausschließlich stehen und liegen konnten, während die Ferkel sich in den Boxen frei bewegen können. Zudem ist ein Sicherheitsmechanismus in Form von Metallbügeln eingebaut, der verhindert, dass sich die Muttertiere auf die Ferkel legen und sie zerquetschen. Während eine unserer Erasmus-Gruppen anwesend war, wurden Ferkel kastriert, bekamen ihren Ohrclip, ihre Schwänze wurden gekürzt, da sie sich diese sonst aufgrund von Platzmangel gegenseitig abbeißen, und bekamen eine Lösung mit vorbeugenden Medikamenten.

Am Nachmittag kehrten wir in die Schule zurück, denn in der Schulküche sollte gekocht werden. Ein Metzger erklärte Schüler*innen und Lehrer*innen, aus welchem Teil des Schweins man welche Nahrungsmittel herstellt und zeigte dies mit Hilfe eines halben Schweins, welches später ebenfalls als Zutat für die Gerichte diente. Die Rezepte für die verschiedenen Gerichte waren nur auf Dänisch vorhanden, so dass die Schüler*innen erneut auf Kommunikation angewiesen waren. Das stellte sich teilweise als etwas kompliziert heraus, da einem Worte nicht einfielen oder man versehentlich seine Muttersprache sprach. Zum gemeinsamen Abendessen wurden die Gastfamilien eingeladen. Da in unserer Gruppe mehrere Schüler*innen in Grüppchen bei Lehrer*innen unterkamen, waren jedoch nicht so viele Personen da.

Am zweiten Tag fiel uns auf, dass die Leute, mit denen wir uns unterhielten, deutlich weniger Umweltbewusstsein besaßen als von uns ursprünglich angenommen. So wurden beispielsweise Wasserpfützen mit Papiertüchern aufgewischt, vieles war in Plastik verpackt, die zahlreichen Essensreste wurden weggeschmissen und Fridays for Future war den meisten unbekannt. Zudem wurde sich über uns lustig gemacht, als wir klarstellten, dass wir uns für den Klimaschutz einsetzen. Unsere Schule war die einzige, die sich über die Behandlung der Schweine schockiert zeigte, was uns ebenfalls verwunderte.

Am dritten und somit letzten Tag vor der Abreise fuhren die Schüler*innen in eine „TechSkole“. Das ist eine Schule für Ausbildungsberufe, die ab der zehnten Klasse besucht werden kann. Dort wurden die Schüler*innen in Gruppen unterteilt und durchliefen nacheinander acht verschiedene Stationen, an denen sie verschiedene handwerkliche Berufe kennenlernten und 30 Minuten lang ausprobierten. Bei den Grafikdesigner*innen wurde uns das Programm nähergebracht, das sie nutzen, und es durfte ein eigenes Design erstellt werden. In der Druckerei konnten T-Shirts bedruckt werden, dafür konnten jedoch leider nicht die vorher erstellten Designs verwendet werden, da das zu zeitintensiv gewesen wäre. An der Elektrik-Station bauten die Schüler*innen in Zweiergruppen Verteilersteckdosen, die später auf ihre Funktionalität geprüft wurden. Danach ging es in die Küche und es wurden Cupcakes verziert. Bei den Automechaniker*innen montierten die Schüler*innen Reifen ab und wieder an, sahen sich den Motorraum eines Rennautos an und bekamen die Möglichkeit, sich die Technik unter dem Auto anzuschauen. In der Metallverarbeitung wurden Schilder zugeschnitten, scharfe Kanten abgeschliffen, Aufhängungen gebohrt und die Schilder beklebt. Danach ging es zu den Tischler*innen, wo Würfel zurecht gesägt und bemalt wurden. Zum Abschluss ging es zu den Kosmetiker*innen und Friseur*innen. Dort wurde die Gruppe erneut aufgeteilt. Die eine Hälfte lernte Handmassagen zu geben, die andere zu flechten und Locken einzudrehen.

Im Anschluss fuhren wir Schüler*innen zurück nach Aalborg und wurden erneut in internationale Gruppen aufgeteilt. Wir bekamen einen Zettel mit acht verschiedenen Orten in Aalborg und acht Fotochallenges, die erfüllt werden mussten, wie zum Beispiel ein Selfie oder ein Foto aus der Froschperspektive zu machen. Nach zwei Stunden trafen wir uns an einem Streetfoodmarkt, bei dem gemeinsam zu Abend gegessen wurde. Anschließend gab es eine Abschlussfeier in einem Jugendfreizeitheim.

Am letzten Tag lernten wir viel über die dänischen Schüler*innen und ihre Interessen, da der zweistündige Spaziergang viel Zeit zum Quatschen mit sich brachte. Im Prinzip sind ihre Hobbys nicht groß unterschiedlich zu unseren, vor allem machen sie gerne Sport. Die Dänen, mit denen wir uns unterhielten, spielen Fußball, und zocken gerne. Sie haben jedoch deutlich mehr Zeit dafür als wir, da sie keine Hausaufgaben haben, zwischen 14 und 15 Uhr aus der Schule kommen und deutlich weniger Tests schreiben. Wir redeten erneut über die verschiedenen Schulsysteme und erfuhren so zum Beispiel, dass die Dänen*innen ihre Lehrer*innen beim Vornamen ansprechen. Die mazedonischen Schüler*innen erzählten später, dass sie ihre Lehrer*innen nur mit „Lehrer“ und „Lehrerin“ ansprechen. Die dänischen Schüler*innen hatten schon relativ genaue Vorstellungen über ihre zukünftigen Berufe, obwohl sie erst die achte Klasse besuchten. (Nichts gegen Achtklässler, die meisten aus meiner Klasse hatten zu dem Zeitpunkt aber keinen Plan, was sie später werden wollten.) Ich vermute, dass das am dänischen Schulsystem liegt. Man besucht bis zur neunten Klasse die allgemeine Schule und kann danach bis zur zwölften Klasse ein Gymnasium besuchen, was man tun muss, wenn man studieren möchte. Man kann nach der Neunten jedoch auch eine fachspezifische Schule besuchen (zum Beispiel eine Wirtschaftsschule) und dort seinen Abschluss machen oder eine TechSkole besuchen und gleich ins Berufsleben starten. Auch die TechSkole war sehr interessant, da man in verschiedene Berufe reinschnuppern konnte; ohne ein Praktikum machen zu müssen. Bei manchen Berufen merkt man schnell, dass sie einen nicht interessieren und die anderen kann man später durch ein Praktikum vertiefen. Zudem konnte man die Auszubildenden nach ihren persönlichen Erfahrungen fragen.

Insgesamt haben wir viel Neues durch den Austausch gelernt und waren etwas neidisch auf die dänischen Schulen, da sich deutlich zeigte, wie gut ausgestattet Schulen sein können, wenn in Bildung investiert wird, und dass gute Bildung trotz geringerer Belastung der Schüler*innen erreicht werden kann.

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