Allgemein, Deutsch

Traumreisen ins Jahr 2051: Traum oder Alptraum? (II)

Die utopischen und dystopischen Traumreisen entstanden im Deutschunterricht des 8. Jahrgangs im Schuljahr 2021/22.

Ich würde nach links gehen und grüne Büsche sehen. Ich würde Pflanzen sehen, die ich noch nie gesehen habe. Die Pflanzen würden rot mit gelben Streifen sein. Es würde große Tiere geben, die alles etwas Besonderes haben. Manche haben besonders große Augen und können gut sehen, aber manche sind anders und können gut riechen. Ich würde mit jedem Fußstapfen in Matsch laufen und würde plötzlich Trommeln hören. Ich würde durch eine Efeuwand gehen und Leute sehen. Die Leute sind mager, aber trotzdem spielen sie mit ihren Trommeln und wirken glücklich. Es sieht so aus, als ob sie die Probleme einfach vergessen. Man sieht deren Rippen und sie arbeiten hart, um etwas zu essen zu bekommen. Ich würde durch das Dorf gehen und Tipis sehen. Neben den Tipis würde eine etwas größere Hütte stehen, die wahrscheinlich zum Kochen gedacht ist. Ich würde weiterlaufen und plötzlich an einem Strand stehen. Doch er ist nicht so, wie man ihn sich vorstellen würde, sondern er ist mit ganz viel Müll. Ob man nach links oder rechts schaut, ist egal, alles in einem sieht aus wie eine reine Mülllandschaft. Mit jedem Schritt, den man tut, knarzt etwas unter einem oder es Ist da irgendein anderes Geräusch, weil man nicht auf weichem Pudersand steht, sondern man steht auf Müll.

Ich gehe einen Schritt nach rechts weiter die Mülllandschaft herunter. Plötzlich würde ich stehen bleiben und nicht glauben, was ich dort sehe. Es ist ein Tier, genauer gesagt eine Schildkröte, die am Boden liegt und eine Plastiktüte im Mund hat. Sie liegt auf ihrem Panzer, die Flossen nach oben gestreckt, als würde sie Angst vor etwas haben. Die Flossen sind zusätzlich in einem Fischernetz gefangen, wo sie sich anscheinend nicht mehr bewegen konnte. Für Schildkröten ist es lebensgefährlich, wenn sie auf dem Panzer liegen, und zusätzlich hatte sie auch noch andere Probleme, mit denen sie nicht zurecht geworden ist, deswegen hat sie es nicht über die Runden geschafft. Die Schildkröte sieht unglücklich aus, so wie sie am Boden liegt. Am liebsten würde ich etwas für sie tun, aber nun ist es auch zu spät.

Ich würde weiter gehen, immer geradeaus, auf der Suche nach etwas. Es wäre, als wäre ich auf einem Flohmarkt, nur dass es hier nicht fröhlich ist. Auf einmal sehe ich, was ich brauche, eine Art Schippe, die Ich mitnehmen würde, auf den Weg zurück zur Schildkröte. Dort angekommen, würde ich den Müll neben der Schildkröte zur Seite schieben und genau an der Stelle anfangen, ein Loch zu graben. Ich würde tiefer und tiefer und breiter graben, bis ich das perfekte Loch haben würde. Ich würde die Schildkröte vom Fischernetz befreien und die Mülltüte aus ihrem Mund entfernen. Die beiden Sachen würde ich nach unten ins Grab legen und die Schildkröte vorsichtig obendrauf.

Danach würde ich zwei Stöcker sammeln und die als Kreuz zusammenbasteln. Das Kreuz würde ich neben dem Grab probieren in den Sand zu stecken, genauer gesagt in den Müll. Ich würde mich vor das Grab hinstellen und es betrachten und dem Meeresrauschen zuhören. Dann würde ich mich wieder hinhocken und vorsichtig den Sand drüberstreuen und noch die Jahreszahl 2051 in den Sand schreiben. Ich würde aufstehen und noch einen kurzen Blick aufs Grab werfen. In dem Moment würde eine Hand sich auf meiner Schulter legen. Mir würde ein kalter Schauer den Rücken herunterlaufen. Ich würde mich fragen, wer sich hinter mir befindet. Um das herauszufinden, würde ich langsam den Kopf zur Seite drehen. Ich würde in ein Gesicht gucken, auf dem rote und braune Streifen sind. Es würde aussehen wie eine Kriegsbemalung. Es würde eine Frau sein, die hellbraune Haare hätte, die gelockt sein würden. Die Augen würden blau sein, die Farbe von einem Wasserfall, und mittendrin würde ein Schimmer von der Farbe Rot sein. In den Haaren würden weiß-braune Federn stecken und sie hätte einen geflochtenen Zopf. Sie würde freundlich aussehen mit einem friedlichem Lächeln Im Gesicht. Ein grünes Kleid mit bunten Streifen würde sie anhaben. Die Hand würde von meiner Schulter langsam heruntergleiten. Anschließend würde sie mich angucken und sagen: „Hallo, kommst du mit mir ?” In diesem Moment würden mir zehntausend Fragen in meinen Kopf kommen.

Wer ist die Frau? Wie heißt sie? Lebt sie hier auf der Insel? Warum soll ich mitkommen ? Stand sie schon länger hinter mir? Auf diese Fragen würde ich nur eine Antwort bekommen, wenn ich hinter ihr herlaufen würde. Also folgte ich ihr auf Schritt und Tritt. Wir entfernten uns von der Mülllandschaft und würden kleine Kieswege lang gehen. Alles um uns herum ist plötzlich wieder friedlich schön. Man würde nur grün neben sich sehen und kleine Insekten, die überall umherschwirren würden. Wir würden ein bisschen nach rechts gehen und da entdecke ich etwas. Es würde aussehen wie eine kleine Holzhütte. Wir würden immer näherkommen und dann könnte man noch einen kleinen Schuppen daneben entdecken. Vor uns würde nun ein großes Grasfeld sein, das Gras würde mir bis zum Knie reichen. Als wir am Ende vom Grasfeld sind, würde ich einen wunderschönen Garten sehen.

Im Garten würden Kräuter blühen und ganz verschiedene Blumen. Ich würde wieder die rote Pflanze sehen mit den gelben Streifen. Die geheimnisvolle Frau würde zur Tür von der Hütte gehen und ich ihr hinterher. Vor der Tür würde sie plötzlich abrupt stehen bleiben und sie würde Glück haben, dass ich nicht in sie rein gelaufen bin. Dann würde sie ihren Kopf umdrehen und sagen: „Da drin ist ein ganz schönes Gewusel!“ Ich würde mich fragen, was sie damit meinte, aber als sie vorsichtig die Tür öffnen würde, würde ich wissen, was sie damit meinte.
L.

 Ich gehe links herum, in den grünen Wald. Seltsame Pflanzen mit Blüten in allen Farben säumen einen schmalen Weg, der in den Wald hineinführt. Ich setze den ersten Fuß auf den Kiesweg und mit einem leisen Knistern steigen ein paar goldene Funken hinauf in die Baumkronen, wo sich schon tausende von ihnen sammeln. Der Wald ist keinesfalls dunkel oder düster. Im Gegenteil. Er ist hell erleuchtet, obwohl die Baumkronen komplett geschlossen sind, doch die überall aus den Blumen und Blüten aufsteigen, tauchen den kompletten Wald in ein mystisches magisches Licht. Ich gehe weiter. Nur ab und zu begegne ich einem anderen Menschen. Die meisten Bewohner des Waldes sind die Tiere. Aber es sind keine normalen Tiere. Es sind Fabelwesen wie Einhörner oder Drachen und welche, die ich niemals hätte benennen können. Mit großen, leuchtenden Augen schauen sie mich aus dem Blätterdickicht an. Manche kommen näher, andere bleiben fern. Ein silberner Fuchs springt aus den Büschen auf den Weg. Er schaut mich an, schleicht kurz um mich herum und verschwindet dann wieder. Ich laufe noch ein Stück weiter, bis auf einmal ein riesiger Drache auf den Weg tritt. Groß und majestätisch, mit goldenen Schuppen, schaut er mich mit leuchtenden bernsteinfarbenen Augen an. Er dreht sich um und läuft in den Wald, abseits des Weges, hinein. Ich folge ihm. Mit der Zeit wird es dunkler und kälter. Die eigentlich geschlossene Decke aus Blättern weist nach und nach immer mehr Löcher auf. Ich beginne zu rennen. Plötzlich hält der Drache auf Lichtung. Ich schaue nach oben. Der Himmel ist dunkel, fast schwarz. Und die goldenen Funken verpuffen in der Luft. Ich sehe den Drachen an. Auf einmal wirkt er gar nicht mehr schön und majestätisch. Im Gegenteil. Das leuchtende Gold verschwindet langsam aus seinem Schuppen und in die sonst so warmen Augen tritt ein kaltes Feuer, das selbst die Pupillen verschlingt. Mir wird klar, die friedliche und wohlige Stimmung herrscht nur im Wald. Nur unter diesem schützenden Dach aus Blättern und Ästen, doch unter dem Himmel existiert immer noch die wirkliche Welt. Die Wahrheit. Die wahre Welt voll Ängsten und Katastrophen.
Alina