
Eine Reportage zur Arbeit bei der Schülerzeitung von Ole Pechtold
Es ist Donnerstag, erste Stunde. Fast alle sitzen an ihren Plätzen, doch einige kommen zu spät. Ob sich das noch einmal ändert? Nachdem alle wieder sitzen, macht Frau Schubert den Beamer an und gibt den Auftrag, sich zu zweit Gedanken darüber zu machen, was Zitate wie „Comments are free, facts are sacred“ ausdrücken sollen. Alle sind eifrig dabei, denn es ist eine der ersten Stunden des Wahlpflichtfachs Schülerzeitung.
Jetzt, ein Dreivierteljahr später, ist vieles anders. Inzwischen sind sie eine richtige Redaktion. Sie schreiben in A-128 ihre eigenen Artikel. Nicht geändert haben sich die Zuspätkommer und die Motivation: Alle sitzen an ihren PCs, hier und da wird noch diskutiert, doch die meisten sind längst dabei, ihre Ideen aufzuschreiben.
Ich bekomme die Möglichkeit, verschiedene Artikel zu lesen. Die meisten beschäftigen sich mit dem Thema AGs, doch der Stil jedes einzelnen Autors ist klar zu erkennen. Manche schreiben eher kreativ und verträumt, andere wiederum sehr sachlich und technisch. Während Frau Schubert durch die Reihen geht, um die Schülerinnen und Schüler mit ihrer Erfahrung zu unterstützen, verrät sie im Gespräch: „Ich habe den Kurs schon dreimal geleitet.“
Außerdem bekomme ich die Möglichkeit, mit Henry aus der 9d zu sprechen. Ihm gefällt besonders, wie sehr Kreativität wertgeschätzt wird. Damit meint er, dass viele verschiedene Textsorten behandelt werden und man sich sprachlich entfalten kann. Generell merkt man schnell, dass das Schreiben im Fokus steht. So zählen Artikel und weitere Arbeiten wie Layout zu bis zu 25 Prozent zur Note.
Nicht nur deshalb wird das Schreiben beim Fichtenblatt sehr ernst genommen. Teilweise gibt es hitzige Diskussionen darüber, wie man einen einzelnen Satz formulieren soll. Trotzdem wirkt die Stimmung sehr gelassen. Kurze Gespräche mit dem Nachbarn sind in Ordnung, solange am Ende gute Artikel präsentiert werden können – und das gelingt meistens auch.
Generell arbeiten alle fleißig an ihren Themen, sagt Frau Schubert. Besonders schätzt sie den Fleiß der Schülerinnen und Schüler und vor allem, dass sie wirklich etwas produzieren. Dass sie außerdem ehrgeizige Ziele hat, zeigt sich ebenfalls: Sie möchte mit ihrem Kurs der erste Jahrgang seit der Gründung im Jahr 2019 werden, der zwei Ausgaben einer Schülerzeitung veröffentlicht. Dies ist in den drei Jahren, seit das Fach als Wahlpflichtfach für die 9. Klassen existiert, noch niemandem gelungen. Gegründet wurde die Schülerzeitung von Herrn Lang, zunächst als AG.
Die angehenden Journalistinnen und Journalisten zeigen große Motivation. Manche lassen ihre Texte sogar schon eigenständig gegenlesen. Doch sie werden jäh in ihrem Arbeitsfluss unterbrochen, als Frau Schubert ruft: „Alles einpacken, die Stunde ist vorbei. Die Hausaufgaben sind klar?“
Schnell verlassen alle den Raum, gedanklich noch bei den Artikeln, an denen sie weiterarbeiten sollen. Inzwischen macht ihnen das jedoch nichts mehr aus. Denn sie sind das Fichtenblatt – zumindest für dieses Schuljahr.