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„Fichte – so viel mehr als Schule“

Ein Einblick hinter die Kulisse der Schülerzeitung von Eric Judisch

Es ist 7:45 Uhr und die Schüler des neunten Jahrgangs betreten die Eingangstüren der MEB. Man nimmt die Treppen links der Tür und steigt zwei Stockwerke hoch, von dort aus läuft man nur noch den Korridor hinab, bis man den Raum mit der Nummer 209 erreicht, er ist der Wahlpflichtkurs von 18 Schüler*innen aus vier neunten Klassen, wenn dieser nicht in einen anderen Computerraum verlegt wurde.

Heute werden schon mal die ersten groben Themen und andere Eckpfeiler der Schülerzeitung besprochen. Nachdem Frau Schubert einen nach dem Betreten des Raumes mit einem warmen „Guten Morgen“ empfängt, setzt man sich leise auf seinen Platz und wartet, bis die Stunde beginnt. Danach schreibt die Lehrerin in großen Buchstaben „Schülerzeitung“ an das kahle Smartboard und fragt: „Welche Themen wollen wir in dieser Ausgabe der Zeitung miteinbeziehen?“ Die ersten Schüler melden sich und schon bald ist ein chaotisches, jedoch gut strukturiertes blaues Meer an Wörtern und Vorschlägen an der sonst weißen Smartboardhälfte. Nach weiteren kurzen Besprechungen über die Reihenfolge und Umsetzung der Themen werden dann Gruppen gewählt, welche die Themen in einem Artikel für die Schülerzeitung so optimal wie möglich verfassen. Diese Schülerzeitung wird dann 200 mal gedruckt und für je zwei Euro auf dem Schulhof oder bei bestimmten Schulevents der Fichte von Freiwilligen verkauft.

Doch in diese Zeitung wird nicht jedes Thema aufgenommen. Viele Vorschläge schaffen es oft nicht in die finale Zeitung, nicht weil sie schlecht sind, sondern weil sie entweder nicht so umsetzbar sind wie gewünscht oder die Leser nicht so interessieren wie andere Themen. Immerhin, man möchte ja auch nicht jede Ausgabe den gleichen Text lesen über einen „ganz normalen Schultag“.

Und aus diesen ausgewählten Themen einen interessanten und verständlich formulierten Artikel zu schreiben, darin liegt die wahre Kunst. Denn ein berühmtes Zitat eines deutschen Journalisten besagt: „Stil ist die Fähigkeit, komplizierte Dinge einfach zu sagen – nicht umgekehrt.“ Das heißt auch, dass man die „einfachen“ Themen nicht verkompliziert, aber all das sowie auch die verschiedenen Textsorten lernt man dann im Kurs. Das kann einem sowohl im Journalistik-Kurs als auch im normalen Deutschunterricht helfen. Dazu ist fast alles im Kurs selbst auswählbar, vor allem was das Gestalten der Schülerzeitung angeht.

Bei Fragen und Verbesserungsvorschlägen kann man sich bei Frau Schubert melden und wird hilfsbereit unterstützt. Sonst ist fast alles von Schreibstil bis Interviewpartner oder Textsorte weitestgehend einem selbst überlassen. Dazu hat man donnerstags zwei Schulstunden Unterricht mit Freunden und anderen Schüler*innen, die man sonst nur auf dem Schulhof oder in seiner Freizeit sieht, oder man findet klassenübergreifend vielleicht auch neue Freunde.

Im Handumdrehen sind die Stunden vergangen und die Schüler*innen packen ihre Sachen wieder ein. Langsam verlässt jeder den Raum und betritt den Schulhof, wo er oder sie die Pause verbringt und dann bereits zum nächsten Unterricht muss. Doch das Warten auf die nächsten beiden Stunden Journalistik ist nicht lang und in sieben Tagen sitzt man wieder um 8 Uhr bei Frau Schubert und lernt, ein Journalist zu werden.