Ein Beitrag von Amira Demirkiran (10c).
Der Text entstand als Antwort auf eine der vier Grundfragen Immanuel Kants im Rahmen des Ethikunterrichts der 10. Klassenstufe.

Im Grunde ist diese Frage vielseitig zu beantworten, denn meiner Ansicht nach deckt keine der Theorien – „Der Mensch als Zerstörer“, „Der Mensch als Mängelwesen“ oder „Der Mensch als Krone der Schöpfung“ – die Komplexität dieser Frage ab. Jedoch habe ich gewisse Tendenzen bezüglich einer Antwort, welche einige Aspekte miteinander verknüpft.
Dazu gehört auch Gehlens Definition eines Menschen, welche die Behauptung aufstellt, der Mensch sei als Mängelwesen zu verstehen. Hierbei gibt es einige wichtige Beobachtungen, denen ich auf jeden Fall zustimme, vor allem die Unangepasstheit an die „freie Wildbahn“. Wenn man den Menschen mit anderen Lebewesen vergleicht, fällt auf, dass dieser keinen für das Überleben in der Natur notwendigen Sinn  in besonders ausgeprägter Form besitzt. Weder besitzt er einen stark ausgeprägten Seh- oder Hörsinn, noch ist er mit natürlichen Waffen oder einem Flucht- oder Angriffsorgan ausgestattet. Gehlens Hauptthese, dass der Mensch in einer für seine organische Mittellosigkeit angepassten, künstlichen Welt lebt, durch welche er die Natur beherrschen könne, beruht demnach auf dieser Annahme.
An dieser Stelle ist mir ein Gedanke gekommen, der Gehlens und Höffes Theorien verknüpft, diese aber zugleich gegenüberstellt.  Höffes These besagt, dass sich der Mensch durch seine überdurchschnittliche Intelligenz von anderen Lebewesen unterscheide und ihn eine ständige Neugier und der Drang nach Forschung und Fortschritt antreibe.
Könnte es aber nicht sein, dass genau dieses komplexe Denken der Menschen, wodruch sie in der Lage waren, sich ständig weiterzuentwickeln, die Ursache für die Enteignung der natürlichen, bereits genannten Mittel eines jeden Lebewesens der freien Wildbahn darstellt? Dieser Gedanke führte mich direkt zur nächsten Überlegung, dem Aspekt der Anpassungsfähigkeit.
Ich bin der Meinung, dass jedes Lebewesen in der Lage ist, sich den Gegebenheiten der Natur anzupassen. Da dem Menschen durch die Evolution und durch das Erschaffen einer „künstlichen Welt“, seine natürliche Anpassungsfähigkeit verloren gegangen ist, wäre es ihm aus heutiger Sicht nicht mehr möglich, in freier Wildbahn zu überleben. Auch wäre für das Überleben in der Natur in jedem Fall ein soziales Umfeld von Nöten, da ich die These vertrete, dass der Mensch ein soziales Wesen ist, das sich ohne Gemeinschaft nicht weiterentwickeln kann.