Eine Reportage von Jenny Ho (8b). Der Artikel entstand im Rahmen des Zeitungsprojektes der 8. Klassen.

Der in Fachkreisen bekannte Dipl. Fechtmeister für Sport-Fechten Gerd Borho sitzt gerade auf einer Bank im Fechtcenter und schaut seinen Fechtschülern interessiert beim Einstudieren einer Choreographie zu. Heute besucht er eine Sporthalle und übt Kritik. Doch wenn eine Fechtbewegung schlecht oder schlampig ausgeführt wird, tadelt er nicht mit Worten, sondern nur mit einem neutralen „Ok“ oder „Aha“.

Die Leidenschaft fürs Fechten begann bei Gerd Borho bereits mit sieben Jahren, als er mit dem Stock mit seinen Schulkameraden die Gefechte der damals gerade in Mode gekommenen Zorro- und Musketier-Filme nachahmte.

Als er in den ersten Jahren die Volksschule in seinem kleinen Dorf im Schwarzwald besuchte, unterrichtete vor Ort ein Lehrer namens Mack, der sich als Fechtspezialist entpuppte und in der benachbarten Stadt in einem Verein tätig war. Und so kam Gerd Borho zu seinen ersten richtigen Fechtstunden. Vom ersten Augenblick an wusste er, dass diese Kampfkunst ihn ein Leben lang begleiten würde.

Als er mit dem Fechten anfing, sahen die Trainingseinheiten noch völlig anders aus. Die ersten zwei Jahre keinen Degen, nur Beinarbeit in allen nur erdenklichen Ausführungen. Heute wird schon ab der ersten Stunde ein Degen in die Hand des*der Schülers*in gegeben.

Für Gerd ist Fechten nicht nur Sport, sondern auch Philosophie und Lebenskunst: „Das Fechten ist für mich der rote Faden, auf dem sich alles aufgereiht, sich mir erschließt. Über die Fechtkunst öffnet sich mir die Kultur – Literatur, Musik, Kunst, ja sogar die Mode.“ Obwohl er die meiste Zeit seinen Lebensunterhalt als Ingenieur verdient hat, richtete sich für ihn alles nach dem Fechtsport.

In jungen Jahren erfocht er sich manche Siegestrophäe, sowohl auf Landesebene wie auch bei der Stadtauswahl. Er wollte aber auf Dauer das Hochleistungstraining seinem Körper nicht zumuten und wandte sich mehr der Ausbildung zu, ohne das eigene Training zu vernachlässigen. „Zwar hätte man mich gerne weiter beim hochkarätigen Wettkampf gesehen, aber wenn man täglich auf Leistungsniveau trainiert, hat das eines frühen Tages Konsequenzen für den späteren Gesundheitsverlauf“, sagt Borho.

Die Leidenschaft des Fechtens lag für Borho nicht nur im Wettkampf und in der Klingentechnik; vielmehr interessiert er sich für den Sport mit all seinen Facetten. Vor 20 Jahren begann er offiziell mit dieser Form des Fechtens, nachdem er schon Jahre vorher mit Schauspieler*innen im privaten Bereich gearbeitet hatte und für deren Erfolg er sich inzwischen einen Namen gemacht hat. In vielen Einsätzen und Filmen arbeitet er als Komparse, Darsteller, Stuntman und vor allen Dingen als Kampf- und Fechtchoreograph. Sein bisher größter Einsatz war als Swordmaster bei Roland Emmerichs (Master of Desaster) Historienfilm Anonymus. Für den Film hat er nicht nur alle Kampfchoreographien erarbeitet und mit den Darsteller*innen einstudiert, sondern selbst die Rolle des Fechtmeisters, des jungen Comte de Var. „Das war was; der Film wurde in Englisch gedreht und ich hatte mit meinem ungeübten Englisch nur einen kurzen Satz zu sprechen: Yes my Lord.“

Jetzt sitzt er hier und ist relativ zufrieden mit dem, was er bisher geleistet hat.