Eine Stellungnahme von Riana Bußmann (Q2). Dieser Artikel entstand im Rahmen des Grundkurses Deutsch (Kursleitung: Fr. Lemme).

Nach wie vor findet man in vielen sehr bekannten Kinderbüchern wie ,,Pippi Langstrumpf“ und ,,Huckleberry Finn“ veraltete und abwertende Begriffe wie zum Beispiel ,,Neger“. Da es sich bei der Kindheit um eine Phase handelt, in der Menschen in besonderem Maße geprägt werden und in der sie ziemlich sensibel sind, wird heute kontrovers diskutiert, ob diese Begriffe in der veralteten Form verbleiben oder ersetzt werden sollen.

Die Bezeichnung „Neger“ gilt heutzutage als rassistisch. Hinter dem Begriff Rassismus verbirgt sich eine Ideologie, die Menschen aufgrund äußerlicher Merkmale in ,,Rassen“ einteilt. Dabei werden den einzelnen „Rassen“ bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften zugeschrieben, die als Grundlage für eine Wertung dienen. Der Rassist sieht sich dabei als überlegen an. Andere werden als minderwertig bezeichnet und aufgrund dessen diskriminiert.

Oft wurde herabwürdigende und auch rassistische Sprache in sogenannten „Klassikern der Kinderliteratur“ verwendet. Als „Klassiker“ werden Werke bezeichnet, die oftmals eine hohe Popularität erreichen und einen enormen Einfluss auf die Kultur haben. Außerdem behandeln die Werke zeitlose Themen wie Abenteuer, Freundschaft und Liebe.

Diese Zeitlosigkeit trifft aber mittlerweile auf einige Formulierungen nicht mehr zu. Deshalb fordern einige, die unangemessenen Bezeichnungen durch neutrale Synonyme zu ersetzen, denn diese Wörter können durchaus eine verletzende Wirkung haben. Den Heranwachsenden werden dadurch falsche Werte vermittelt und im schlimmsten Fall kommt es zu Ausgrenzungen, wie auch die Autorin Simone Dede Ayivi in ihrer Kindheit selbst erlebt hat, als es hieß, dass „ ,braune Kinder‘ nicht mitspielen dürften“.

Andere sprechen sich klar dafür aus, das Werk des Autors auch weiterhin zu beachten und die Begriffe beizubehalten, dann allerdings eindeutig durch eine Fußnote als veraltet gekennzeichnet und in ihrem geschichtlichen Kontext erläutert.

Die dritte Option wäre, die Texte unverändert zu lassen und auch keine Kommentierung vorzunehmen, da der*die Autor*in die Begrifffe ja mit einer bestimmten Intention verwendet hat. Dafür würde sprechen, dass die Streichung einzelner Wörter wenig Einfluss auf diese Ideologie und ihre Anhänger haben würde, da einige Rassist*innen extrem radikale Ansichten vertreten. Speziell auf die Erziehung in rechts orientierten Haushalten hätte das Ersetzen kaum Auswirkungen, da die Kinder täglich mit rassistischen Werten konfrontiert werden.

Zudem muss die Sprache in älteren Romanen immer im Zusammenhang mit der damaligen Zeit und den Umständen betrachtet werden. Die Verwendung von Begriffen wie ,,Negerkönig“ in Astrid Lindgrens ,,Pippi Langstrumpf“ stieß beim Erscheinen vermutlich nicht auf negative Resonanz, da diese Ausdrücke allgemein gebräuchlich waren. Dass hinter einzelnen Formulierungen komplexe historische Hintergründe stehen, zeigt sich an dem Beispiel Efraim, dem Vater von Pippi Langstrumpf, für dessen Figur sich Astrid Lindgren an realen Ereignissen orientiert hat. Als Inspiration diente ihr der schwedische Abenteurer Emil Petersson, der sogar in der Presse als ,,Negerprinz […] und Plantagenkönig“ betitelt wurde, nachdem er die Tochter eines Stammesführers geheiratet hatte.

Auch aus semantischer Sicht ist eine Änderung am Text wenig sinnvoll, denn auch wenn diese nur geringfügig ist, geht damit fast immer eine veränderte Bedeutung einher. Man kann beispielsweise ein Haus auch als Hütte, Schloss oder Bude bezeichnen, damit werden allerdings verschiedene Assoziationen ausgelöst, die dann teils weitreichende Auswirkungen auf die Handlung haben können.

Eine sinnvolle Alternative wäre allerdings in vielerlei Hinsicht eine Kommentierung.

Ursprünglich wurden die Ausdrücke in vielen Fällen keinesfalls in einem negativen Kontext verwendet. Oder wie Harald Martenstein es in einem Artikel ausdrückt: ,,Bei den Wörtern, auch den bösen, kommt es immer auf den Zusammenhang an, in dem sie verwendet werden“. So bezeichnet Huckleberry Finn seinen Freund Jim sogar als ,,Nigger“, was in diesem Fall aber nicht beleidigend gemeint ist, sondern freundschaftlich.

Zusätzlich bleibt es den Eltern selbst überlassen, wie sie mit den Begriffen und deren Bedeutung umgehen. Man kann das also als Zugeständnis zur erzieherischen Freiheit sehen. Es besteht so die Möglichkeit, den Begriff zwar zu benutzen, aber seine politische Unkorrektheit direkt zu thematisieren, sodass die Kinder unmittelbar über die Hintergründe aufgeklärt werden.

Als positiver Effekt wäre auch noch zu nennen, dass die Kinder so sprachlich sensibilisiert werden. Denn einerseits erfahren sie überhaupt von der Existenz solcher Ausdrücke und andererseits erweitert sich ihr Wortschatz. Jakob Hein hat dafür das Beispiel angeführt, dass ausschließlich aufgrund der falschen Bezeichnung eines Wals als ,,Fisch“ viele nicht verstehen würden, dass es auch Säugetiere im Meer gibt. So zeigt sich beispielsweise, dass die Generationen, die mit ,,Mohrenköpfen“ und ,,Negerküssen“ aufgewachsen sind, inzwischen auch überwiegend auf die verpönten Bezeichnungen verzichten.

Ich bin dafür, Kommentierungen einzufügen, denn dies wäre ein guter Kompromiss. Die Handlung als solche wird nicht verändert und dennoch wird betont, dass die Begriffe heutzutage unangemessen sind. Allerdings wird so auch eine große Verantwortung an die Eltern übertragen, denn es ist ihre Pflicht, die Kinder aufzuklären und zu sensibilisieren. Allgemein sollte man den Erziehungsauftrag ernst nehmen und einen positiven Einfluss auf die nachfolgenden Generationen ausüben, damit auch in Zukunft eine Gesellschaft mit gleichberechtigten Mitgliedern ohne Diskriminierung möglich ist.

erwendete Quellen [Letzter Zugriff jeweils am 17.02.2018.]:
[1] Ayivi, Simone Dede: Rassismus in Kinderbüchern. Wörter sind Waffen. In: Tagesspiegel.de. 18.01.2013.
URL: www.tagesspiegel.de/kultur/koloniale-altlasten-rassismus-in-kinderbuechern-woerter-sind-waffen/7654752.html
[2] Freund, Wieland:  Streicht das „Negerlein“ und rettet die Kunst! In: Welt.de. 11.01.2013.
URL: http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article112693617/Streicht-das-Negerlein-und-rettet-die-Kunst.hyml?config=Print
[3] Hein, Jakob: Rassistische Begriffe in Kinderbüchern. Werte und Worte. In: Taz.de. 15.01.2013.
URL: http://www.taz.de/!5075360/
[4]Martenstein, Harald: Rassismus in Kinderbüchern. Achtung, Zensur. In: Tagesspiegel.de. 20.01.2013. URL: www.tagesspiegel.de/meinung/rassismus-in-kinderbuechern-achtung-zensur/7658452.html
[5] Nöstlinger, Claudia:  „Meine Enkelin speit, wenn sie zur Schule muss“ . Interview von  Barbara Nolte. In: Tagesspiegel .de. 27.01.2013.
URL: www.tagesspiegel.de/kultur/literatur/kinderbuchautorin-meine-enkelin-speit-wenn-sie-zur-schule-muss-/7690318.html
[6] Schuster, Jacques: Lasst das „Negerlein“ und traut euren Kindern! In: Welt.de. 11.01.2013. URL: www.welt.de/kultur/literarischewelt/article112693503/Lasst-das-Negerlein-und-traut-euren-Kindern.html?config=Print
[7] Spreckelsen, Tilman: „Kleine Hexe“ ohne „Negerlein“ : Wir wollen vorlesen und nichts erklären müssen. In: FAZ.net. 09.01.2013.
URL: www.faz.net/aktuell/feuilleton/kleine-hexe-ohne-negerlein-wir-wollen-vorlesen-und-nichts-erklaeren-muessen-12019434.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2
[8] Wenz, Kathrin:  „Negerkönig“ oder Südseekönig? Begründung aus semantischer Perspektive. In: Blog des Promotionskollegs im Projekt ‚Europäische Sprachkritik Online (ESO)‘. Datum unbekannt.
URL: blog-eso.de/?p=16