Der LK Biologie (Q2; Schuljahr 2017/18; Leitung: Fr. Ennigkeit) macht sich Gedanken über die Natur. Teil 1  finden Sie hier. Teil 3 können Sie hier nachlesen.

Plastik statt Fisch

Ein Artikel von Franziska Castringius und Amira Göpfrich.

Es ist nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken.
Bestimmt kennst du die Bilder von weißen, naturbelassenen Sandstränden, die man so oft in Reisebroschüren bewundert. Stell dir vor, du ermöglichst dir endlich die lang ersehnte Traumreise. Aber als du ankommst, siehst du gar nicht den schönen, feinen Sand. Er ist unter einem Teppich aus Plastik verschwunden. Genau das ist oft die Realität.

Pro Jahr werden 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastik ins Meer gekippt, was einer Lastwagenladung pro Minute entspricht. Bis 2050 soll genauso viel Plastikmüll wie Fisch in den Meeren sein. Allerdings ist ein Alltag ohne Plastik erst einmal schwer vorstellbar.

Was ist Plastik überhaupt?
Plastik bzw. Kunststoff wird aus Erdöl hergestellt. Wegen seiner technischen Eigenschaften, seiner Bruchfestigkeit, Härte und Elastizität, wird Plastik vielfältig eingesetzt, z. B. als Verpackung für Kosmetika und Lebensmittel.

Was ist das Problem und woher kommt es?
Pro Jahr verbraucht ein*e “Durchschnittsdeutsche*r” 37 kg Verpackungsmüll. Das klingt nicht viel? Dies entspricht aber ungefähr 134 großen Plastikflaschen pro Jahr, wovon aber nur 20-50% recycelt werden. Die verbleibenden 50-80% Plastikmüll landen häufig im Meer. Hier braucht es bis zu 450 Jahre, um eine Kunststoffflasche oder eine Wegwerfwindel zu zersetzen. Plastik bedroht die Gesundheit von unzähligen Meerestieren. Beispielsweise verfangen sich Schildkröten in Plastikmüll, ziehen sich Verletzungen zu und können aufgrund des zusätzlichen Gewichts ertrinken. Viele Tiere halten den Müll für Nahrung und verhungern qualvoll daran, da sich der Müll im Magen sammelt und nicht verdaut wird. So wurden laut einer OSPAR-Studie bei 93% der Eissturmvögel in der Nordsee verschluckter Meeresmüll in ihren Mägen nachgewiesen. Auch Korallen können von umhertreibendem Plastik verletzt werden. Jährlich verfangen sich zwischen 57.000 und 135.000 Wale, Robben und Seehunde in weggeworfenen Fischernetzen. Die gigantischen Müllstrudel, die man oft in der Zeitung sieht, sind nur die Spitze des Eisberges und somit nur ein minimaler Teil des eigentlichen Problems. 99% des Plastikmülls verschwinden nämlich von der Meeresoberfläche, da es zwangsläufig in die Tiefe sinkt und sich dort am Meeresboden oder an Korallenriffen ablagert.

Mikroplastik – was ist das?
Als Mikroplastik bezeichnet man alle Plastikpartikel, die kleiner als 5mm sind. Man unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik. Primäres Mikroplastik ist kein Abbauprodukt, sondern wird absichtlich von der Industrie hergestellt, um den Reinigungseffekt in Kosmetikartikeln zu erhöhen. In nur einer Flasche Peeling befinden sich zwischen 137.000 und 2,8 Mio. Teilchen Plastik. Allein in Deutschland werden jährlich 500.000 Tonnen Mikroplastik für Kosmetika produziert, was dem Gewicht von 3571 Blauwalen entspricht. Sekundäres Mikroplastik entsteht durch den Zerfall von größeren Plastikteilen, z. B. Flaschen oder Tüten. Aus den Plastikteilen wird durch UV-Strahlung und Witterung Mikroplastik gelöst.

Wie kommt Mikroplastik ins Meer?
Verwendest du dein Lieblingspeeling, Shampoo oder Duschgel, landet das darin enthaltene Mikroplastik ohne Umwege im Meer, da Kläranlagen dieses nicht herausfiltern können. Auch im Kleiderschrank befindet sich Mikroplastik, getarnt in ActiveWear, Polyester, Fleece oder Polyacryl. Das Problem daran ist, dass sich Mikroplastik in der Waschmaschine löst und ebenfalls ins Wasser gelangt. Auch von Schuhsohlen und Autoreifen löst sich Mikroplastik, welches vom Wind in Gewässer getragen wird. Am schlimmsten sind jedoch große Plastikteile, die sich durch Sonne und Salz zersetzen.

Wie gefährlich ist Mikroplastik für die Umwelt?
Mikroplastik ist ein Magnet für Schadstoffe. Beispielsweise heften sich Bakterien an das Mikroplastik und werden durch Strömungen in neue Gebiete transportiert. Einzelne Lebensräume und Gebiete werden somit mit neuen Krankheiten, Parasiten oder Arten konfrontiert. Kleine Meeresorganismen wie Muscheln, Würmer und Fische verwechseln Mikroplastik mit ihrer Nahrung. Dadurch entstehen fatale Schäden, unter anderem eine erhöhte Sterblichkeit, physiologische Störungen oder Geschwüre. Dies wirkt sich auch auf größere Meerestiere aus, da Würmer, Muscheln etc. einen erheblichen Beitrag am Ökosystem leisten. Sie filtern das Wasser und sind Nahrung für andere Tiere. Wenn in ihnen Mikroplastik angereichert ist, wandert es durch die Nahrungskette nach oben, bis es schließlich bei Delphinen oder dem Menschen angelangt.

Mikroplastik- und warum auch du betroffen bist!
Wie gefährlich ist Mikroplastik eigentlich für den Menschen? Keine Ahnung. Es braucht mehr Forschung in diesem Gebiet und auch Langzeiterfahrungen wurden noch nicht gemacht. Wir wissen aber, was Mikroplastik mit Tieren anrichtet, und genau deshalb sollte man etwas dagegen tun. Denn klar ist: Wir alle nehmen Mikroplastik im Laufe unseres Lebens auf, z.B. über Meersalz oder Trinkwasser. Wenn du gern Meeresfrüchte isst, musst du auch dort mit einer zusätzlichen Portion Plastik rechnen. Denn ein Teller Muscheln hat ungefähr 90 Partikel Mikroplastik und das ist sogar noch eine geringe Konzentration der Plastikpartikel.

Kannst du was verändern? Ja!
Das große Problem, das hinter der Umweltbelastung durch Plastik steckt, sind die niedrigen Erdölpreise und die mächtigen Unternehmen. Plastik, produziert aus Erdöl, ist die billigste und einfachste Möglichkeit, seine Produkte ansprechend und sicher zu verpacken. Daher werden Unternehmen ohne einen triftigen Grund auch nichts an ihren Verpackungen ändern.

Wie kannst du deinen Plastikverbrauch minimieren?
Mithilfe einer praktischen App namens Codecheck, kannst du Mikroplastik und andere umweltschädliche Inhaltsstoffe wenigstens vermeiden und somit eine Botschaft an die Großunternehmen senden, die sie vielleicht dazu bewegt, ihre Produkte umweltfreundlicher zu gestalten. Dies schützt nicht nur die Umwelt, sondern auch deine Gesundheit, da die App dich auch vor hormonellen oder schädlichen Wirkstoffen warnt, die beispielsweise krebserregend sind oder auch Allergien hervorrufen können.

Mit ein wenig Achtsamkeit und gesundem Hinterfragen kann man unglaublich viel Plastik vermeiden. Gemüse muss beispielsweise nicht in Plastikfolie eingeschweißt sein, die kannst du auch so kaufen. Man findet für fast alle Produkte plastikfreie Alternativen: Wattestäbchen aus Bambus, Seife und Shampoo in fester Form – ohne Plastik – und wiederverwendbare Strohhalme aus Metall. Trinkwasser bekommst du (fast) kostenlos bei dir zu Hause. Statt dir, wenn du unterwegs Durst bekommst, jedes Mal etwas zu trinken zu kaufen, kannst du dir auch einfach eine Flasche mitnehmen und diese in vielen Läden, z.B. bei den meisten Apotheken, kostenlos auffüllen lassen.

Der größte Teil des Mikroplastiks stammt aus den synthetischen Stoffen in unserer Kleidung wie Polyester, Polyamid, Elastan, Nylon und Acrylic. Man kann seinen persönlichen „Mikroplastikausstoß“ stark verringern, indem man versucht, so weit es geht auf natürliche Fasern wie Leinen, Baumwolle, Wolle, Hanf etc. umzusteigen. Beim Waschen mit hohen Temperaturen und mit Schleudergang werden besonders viele Plastikpartikel gelöst, weshalb man dies vermeiden sollte. Möchte man ganz sicher gehen, dass kein Mikroplastik ins Meer gelangt, kann man sich eine sogenannte Guppybag von dem Unternehmen Langbrett zulegen. Sie soll in der Lage sein, die Mikropartikel aufzufangen und somit den Weg ins Meer zu versperren. Außerdem verlängert das die Lebensdauer der Kleidung.

Wie bekommt man den Müll wieder aus dem Meer?
Wenn du nur einige dieser Tipps beherzigst, kannst du deiner Umwelt einen großen Gefallen tun. Da nun aber leider schon einiges an Plastik in den Ozeanen herumschwimmt, gibt es auch Projekte, die dieses wieder aus den Gewässern entfernen wollen. Mit seinem Projekt „Ocean Clean Up“ will der Niederländer Boyan Slat den Pazifik von einem Müllstrudel befreien, der fünfmal so groß ist wie Deutschland. Mithilfe von kilometerlangen Fangarmen mit nach unten reichenden Sieben soll in nur fünf Jahren die Hälfte des gigantischen pazifischen Müllstrudels beseitigt werden. Die Konstruktion kann zwar kein Mikroplastik filtern, es wird jedoch durch die Entfernung des Makroplastiks langfristig auch das Mikroplastik verringern, da weniger sekundäres Mikroplastik entstehen wird. Seine Erfindung wurde schon 2016 in der Nordsee getestet und kommt dieses Jahr im Pazifik zum Einsatz. Das aufgefangene Plastik muss regelmäßig abtransportiert werden und wird anschließend recycelt.

Was du hieraus mitnehmen kannst:
Plastik ist sehr praktisch sowohl für Käufer*innen als auch Produzent*innen, stellt jedoch eine ernstzunehmende Gefahr für unsere Meere und irgendwann auch unsere eigene Gesundheit dar. Das Plastik gelangt früher oder später als lecker duftendes Fischfilet auf unserem Teller oder in unser Trinkwasser. Daher ist es essenziell, dass sich jede*r dieses Problemes bewusst ist und dementsprechend versucht, etwas an seinem Umgang mit Plastik zu verändern. Den Unternehmen muss klar werden, dass uns nicht egal ist, was wir uns täglich auf die Haut schmieren und den Abfluss hinunterspülen. Mit nur wenig Veränderung deiner alltäglichen Einkaufsroutine kannst du eine wichtige Veränderung herbeiführen und verhindern, dass Plastik täglich Lebewesen vergiftet, ertrinken und verhungern lässt und irgendwann in unseren eigenen Mägen landet.